Zum Inhalt springen
Aus der Buchreihe Austria Wien gegen Rapid Wien
Bei Amazon bestellen Alle Bücher

Spielerprofil

Adolf Fischera

Adolf Fischera – Adolf Fischera
Adolf Fischera am Rudolfshügel-Platz, 1911/12

Vereine & Saisonen

Vienna (Döbling) WAF Germania Schwechat
1911/12 1912/13 1913/14 1914/15 1918/19 1919/20 1921/22 1922/23

Zur Person

Adolf Fischera war beim Start der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 23 Jahre alt und gehörte zu jener seltenen Sorte Fußballer, bei denen der Ball freiwillig am Fuß blieb. Der Mann war ein Dribbler und Techniker erster Güte, weshalb gegnerische Verteidiger schon beim Aufwärmen nervös ihre Schnürsenkel kontrollierten.

Seine Karriere begann beim ASK Schwechat, dem Vorgänger des späteren Provinzkaisers Germania Schwechat. Lange Zeit hieß es, der gerade einmal 17-jährige Fischera sei 1905 nach Wien zur Viktoria gewechselt und erst drei Jahre später beim großen WAC gelandet. Neuere Recherchen sowie Mannschaftsaufstellungen und Mannschaftsfotos aus dem Jahr 1906 zeigen jedoch ein anderes Bild. Demnach spielte Fischera bereits im Frühjahr 1906 für den WAC. Offenbar war der flinke Dribbelkünstler mit dem Kofferpacken deutlich schneller als manche spätere Geschichtsschreiber mit dem Nachtragen ihrer Jahreszahlen.

Beim WAC bildete er gemeinsam mit Johann Studnicka und Johann Andres den legendären Innensturm der Praterleute – eine Angriffsreihe, die den Verteidigern jener Zeit ungefähr so viel Freude bereitete wie ein Zahnarzttermin ohne Betäubung. Wenn diese drei loslegten, konnte man den gegnerischen Hintermannschaften beinahe beim Altern zusehen.

Mit dem Wechsel zum WAC öffnete sich für Fischera ganz nebenbei auch die Tür zur österreichischen Nationalmannschaft. Damals musste man noch keine Imagefilme drehen und keine Social-Media-Abteilung beschäftigen. Es genügte, gut Fußball zu spielen. Welch rückständige Zeiten!

Als es im Sommer 1910 beim WAC ordentlich krachte und die Vereinsstreitigkeiten eskalierten, zog Fischera gemeinsam mit dem Großteil seiner Kameraden weiter und gründete den WAF. Ein Jahr später marschierte er mit dem neuen Verein in die erste österreichische Meisterschaft. Man könnte sagen: Manche Leute wechseln den Arbeitgeber, Fischera gründete einfach einen neuen.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs fand sich der elegante Dribbelkünstler plötzlich in einer Telegraphenabteilung wieder. Unter anderem nahm er an den Kämpfen in Rumänien teil. Der Krieg beanspruchte ihn vollständig, weshalb ihn die WAF-Anhänger nur selten im geliebten Trikot zu Gesicht bekamen. Wenn er jedoch einmal auftauchte, zeigte er den staunenden Zuschauern, dass seine Beine das Dribbeln keineswegs verlernt hatten. Offenbar konnte man Talent zwar einberufen, aber nicht demobilisieren.

Nach dem Krieg spielte Adolf Fischera weiterhin höchst erfolgreich Fußball. Sogar nach Deutschland verschlug es ihn, wo er 1921 mit Borussia Neunkirchen den süddeutschen Meistertitel holte. Während andere ehemalige Soldaten versuchten, wieder in den Alltag zurückzufinden, sammelte Fischera einfach weiter Pokale und ließ gegnerische Abwehrspieler verzweifelt hinterherlaufen. Manche Menschen altern – Adolf Fischera dagegen schien lediglich neue Opfergebiete zu erschließen.

Und wieder einmal zeigte sich eine alte Fußballweisheit: Tore verschwinden, Tabellen vergilben und Vereinsfunktionäre geraten in Vergessenheit, aber falsche Jahreszahlen in Nachschlagewerken halten sich hartnäckiger als ein Wiener Linienkontrolleur kurz vor Monatsende.

Anekdoten & Zitate

Der damals 23-jährige Adolf Fischera, Pseudonym „Ra“, erzielte beim Spiel WAF - Rudolfshügel 3:0 zwei Tore und galt als einer der spielstärksten österreichischen Fußballer der Vorkriegszeit, ein wunderbarer Techniker und Dribbler. Am Ende der Saison verpasste er um nur 2 Tore die Torjägerkrone.

WAF · Saison 1911/12 ·außergewöhnlich

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 103

Adolf Fischera erzielte das Führungstor im Spiel WAF - WAC durch einen sehenswerten Volleyschuss in der 12. Minute, ehe der WAC die Partie drehte.

WAF · Saison 1912/13 ·außergewöhnlich

Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 315

Adolf Fischera gefiel sich im Spiel WAF - WAC (2:3) in trickreichen und akrobatischen Aktionen, die aber zu nichts führten und nur für kurzen Szenenapplaus sorgten, während die WAC-Spieler mannschaftsdienlicher und kompakter agierten und damit mehr Erfolg hatten.

WAF · Saison 1912/13 ·lustig

Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 319

Im Spiel WAF - FAC (5:4) kam Adolf Fischera 15 Minuten zu spät, und der WAF musste in dieser Zeit nur mit 10 Mann spielen. Fischera konnte sich da von seinen Mitspielern und den Zuschauern einiges anhören - selbst ein Star wie er hatte nicht die absolute Narrenfreiheit, wenn er nicht pünktlich zum Anpfiff erschien.

WAF · Saison 1913/14 ·lustig

Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 205

In der Vorbereitung auf die Saison 1913/14 machte sich das Sportblatt Sorgen um Adolf Fischera: 'Traurig ist es um Fischera bestellt. Der früher so graziöse, bewegliche Spieler, für den es einfach keine Schwierigkeiten gab, ist geradezu plump geworden. Wenn er sich nicht entschließt, durch energisches Training den Erscheinungen des Älterwerdens Einhalt zu gebieten, ist seine Rolle im Wiener Fußballsport ausgespielt.'

WAF · Saison 1913/14 ·Zitat

Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 82

Beim Rekord-Länderspiel Österreich gegen Ungarn (2:0) vor 22.000 Zuschauern (19.627 zahlende - ein neuer Besucherrekord) am WAC Platz erzielte Adolf Fischera beide Tore in der ersten Halbzeit (19. und 34. Minute). Das Sportblatt schrieb euphorisch: 'Endlich!! Wie eine Erlösung, wie eine Befreiung wirkte der langersehnte Sieg der österreichischen Mannschaft gegen die in den letzten Jahren vom Kriegsglück recht verwöhnten Ungarn.' Es war das letzte Länderspiel vor dem Ersten Weltkrieg.

WAF · Saison 1913/14 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 2021-2046

Adolf Fischera schrieb von der Front: 'Eine sehr große Freude bereitet mir das Illustrierte Österreichische Sportblatt, welches mir geschickt wurde und noch mehr Freude hatte ich an unserer Mannschaft. Also nur fleißig drauf los, damit, wenn ich zurück komme - Gott gebe es - gleich mit eingreifen kann.' Er fragte besorgt nach, ob Johann Schwarz tatsächlich gestorben sei: 'Der arme Kerl. Gott mit ihm.' Der damals 26-jährige, der als Kadett-Aspirant des Telegraphen-Regiments schon Fronterfahrung hatte, vermählte sich am 25. November 1914 mit Fräulein König, der Schwester des Spielers Engelbert König, in der Roßauer Kaserne - Trauzeugen waren A. Steinhardt und Heinrich Retschury. Fischera überlebte den Krieg, kehrte zum SC Germania Schwechat zurück und stellte beim 21:0-Kantersieg im ÖFB-Cup gegen den SC Tulln mit neun Toren einen bis heute unerreichten Rekord auf. 1920 ging er nach Borussia Neunkirchen ins Saarland als Spielertrainer, gewann den Süddeutschen Pokal 1921 und die erste Saarmeisterschaft, kehrte 1922 nach Wien zurück, spielte für WAF und Vienna, wurde Cupsieger und Vizemeister, kam zu insgesamt sechs Länderspielen (inklusive eines Doppelpacks gegen die Schweiz), und arbeitete danach als Telegraphenbeamter. Er erlag 50-jährig am 25. August 1938 einem Herzanfall in Klosterneuburg.

WAF · Saison 1914/15 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball im Ersten Weltkrieg: Österreichs erste Meisterschaft im Krieg 1914/15, Abs. 419-426, 1002, 1052-1056

Adolf Fischera, einer der besten und elegantesten Stürmer vor dem Krieg, konnte endlich wieder einmal für den WAF einlaufen - eine Sensation. In der vergangenen Saison kam er auf Grund des Krieges zu keinem einzigen Einsatz; er diente die gesamte Kriegszeit in einer Telegraphenabteilung an der Front. Sein körperlicher Zustand war vom Kriegsdienst zwar schlecht, aber ihn nicht aufzustellen wäre wohl einem Verbrechen gleichgekommen.

WAF · Saison 1918/19 ·bemerkenswert

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1918/19, Zeile 886

Trotz seiner körperlichen Defizite nach Jahren ohne Spielpraxis präsentierte Adolf Fischera eine grandiose Leistung. Die Sport Rundschau schrieb: "Sein Stoppen, sein Dribbling und seine noch immer vorbildlichen Bewegungen trotz des durch Trainingsmangel vernachlässigten Körpers, erbrachten uns den Beweis seiner noch immer bestehenden überragenden Klasse. Fischeras regelmäßige fußballsportliche Betätigung wäre für seinen Verein und für unseren Verband von außerordentlichem Nutzen."

WAF · Saison 1918/19 ·bemerkenswert

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1918/19, Zeile 1956

Über Mittelstürmer Adolf Fischera schrieb das Wiener Sporttagblatt, er sei, der ehedem durch seine wundervollen, aber oft überflüssigen Dribbelkünste seine treuesten Anhänger aus dem Häuschen brachte, nun die Bescheidenheit selbst geworden - es gab zahlreiche Situationen, in denen ein herzhafter Schuss die Entscheidung hätte bringen können, doch immer wollte ein Germania-Stürmer dem anderen den Vortritt lassen.

Germania Schwechat · Saison 1919/20 ·Zitat

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 2710

Es kamen Gerüchte auf, dass Adolf Fischera nach Zwistigkeiten mit Engelbert König, die teils familiärer Natur gewesen sein sollen, wieder zu seinem alten Verein WAF zurückwolle, wo er einst seine größten Erfolge feierte.

Germania Schwechat · Saison 1919/20 ·bemerkenswert

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 2830

Der gemeldete Wechsel von Adolf Fischera zum WAF wurde als verfrüht bezeichnet - er sei in seinem Entschluss wieder wankend geworden und dürfte im Frühjahr doch wieder für Germania tätig sein.

Germania Schwechat · Saison 1919/20 ·bemerkenswert

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 2959

Der WAF meldete offiziell die Verpflichtung von Adolf Fischera. Grund war, dass sich Fischera und Engelbert König nicht ausstehen konnten - der zart besaitete Fischera wollte sich den cholerischen Umgangston seines Mitspielers nicht mehr antun. Für die Meisterschaftsspiele kam Fischera aber noch nicht in Betracht, da er in dieser Saison bereits für Germania gespielt hatte.

WAF · Saison 1919/20 ·persönlich

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 4175

Der Sportclub Neunkirchen aus dem Saarland bereitete Adolf Fischera, genannt "Ra", ein fast unschlagbares Angebot, das der Wiener Sportclub nicht überbieten konnte. Fischera, damals 31 Jahre alt, strebte bereits eine Trainerkarriere an.

WAF · Saison 1919/20 ·bemerkenswert

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 4130

Adolf Fischera entschloss sich schließlich, zum Sportklub Neunkirchen an der Saar nach Deutschland zu wechseln. Die Neunkirchner bezeichneten ihn als einen der gefeiertsten Vertreter des intelligenten Wiener Fußballspiels und erhofften sich von ihm vor allem als Trainer eine Förderung ihrer Spielstärke.

WAF · Saison 1919/20 ·bemerkenswert

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 4671

Adolf Fischera, der 'unvergleichliche' WAF-Stürmer, erzielte am 1. April 1922 gegen Simmering einen Doppelpack (3:2 in der 54. und 6:2 in der 84. Minute) bei einem 6:3-Sieg des WAF.

WAF · Saison 1921/22 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Spielbericht 'WAF - Simmering 6:3', Para. 2139-2146

Im Cup-Finale 1922 gegen die Amateure (WAF-Sieg 2:1) war Adolf Fischera an der entscheidenden Kombination zum 2:1 durch Albert Klein in der 63. Minute beteiligt.

WAF · Saison 1921/22 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Abschnitt 'Cup-Finale Gleich geht es los', Para. 3117-3118

Adolf Fischera erzielte am 12. Juli 1922 in der 85. Minute das entscheidende 1:1 gegen den Sportclub - dieses Unentschieden reichte dem Sportclub jedoch zum Meistertitel.

WAF · Saison 1921/22 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Spielbericht 'WAF - Sportclub 1:1', Para. 3244-3248

Erzielt wiederholt späte, spielentscheidende Tore; trägt trotz Spiel für WAF (nicht Rapid) den Spitznamen 'Hütteldorfer Frechdachs'.

WAF · Saison 1922/23 ·lustig

Quelle: Fußball Tagebuch 1922/23 (Buch12), Zeile ~diverse