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Aus der Buchreihe Fussball vor dem Weltkrieg
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Spielerprofil

Anton Cargnelli

Vereine & Saisonen

WAF
1913/14 1915/16

Zur Person

Anton Cargnelli war 22 Jahre alt, als Ende August 1911 in Österreich die erste Fußballmeisterschaft angepfiffen wurde. Obwohl er bereits seit der Gründung des WAF im Jahr 1910 zum Verein gehörte, musste er beim Auftakt noch auf der Ersatzbank Platz nehmen. Beim damaligen Spitzenklub herrschte nämlich ein Konkurrenzkampf, bei dem selbst gute Spieler zunächst einmal zuschauen durften.

Erst am 22. Oktober 1911 durfte er bei der 1:2-Auswärtsniederlage gegen den Wiener Sportclub neben Josef Fischer als Verteidiger ran. Das Ergebnis war zwar unerquicklich, aber immerhin hatte Cargnelli nun seinen Fußabdruck im österreichischen Meisterschaftsfußball hinterlassen.

Vor seiner Zeit beim WAF hatte er bereits beim Rennweger SV 1901, bei Viktoria Wien und bei Germania Schwechat gespielt. Er sammelte Vereine beinahe so fleißig, wie andere Leute Ansichtskarten sammelten.

Als Sohn eines Italieners brachte Anton Cargnelli nicht nur einen wohlklingenden Namen mit, sondern auch eine gehörige Portion Spielkultur. Während manche Verteidiger den Ball lieber in Richtung Mond schickten, versuchte Cargnelli tatsächlich, damit etwas Vernünftiges anzustellen – eine Eigenart, die damals fast schon als verdächtig modern galt.

Und das Schicksal meinte es vergleichsweise gut mit ihm. Er musste nicht am Ersten Weltkrieg teilnehmen und stand deshalb während der Kriegsmeisterschaften regelmäßig auf dem Platz. Aus dem jungen Mann, der zu Beginn noch auf seine Chance warten musste, wurde im Laufe der Jahre einer der alten Hasen des WAF. Einer jener erfahrenen Herren, die den jüngeren Kollegen erklärten, dass früher alles besser gewesen sei – außer vielleicht die Fußballschuhe, die sich ungefähr so angenehm trugen wie zwei mit Nägeln gefüllte Ziegelsteine.

Anekdoten & Zitate

Im Schlammspiel WAF - Rapid (1:1) spielte Anton Cargnelli statt im Mittelfeld in der Verteidigung, und das war eine gute Entscheidung von WAF-Trainer Max Leuthe, denn hier spielte er bedeutend besser als eine Linie davor.

WAF · Saison 1913/14 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 2240

Der damals 26-jährige Anton Cargnelli blühte beim 4:1-Sieg gegen Wacker in der zweiten Halbzeit im Mittelfeld richtig auf - er fühlte sich dort sichtlich wohler als in der Abwehr. Cargnelli war der Sohn eines italienischen Vaters, wurde im Nachwuchs des Rennweger SV 1901 groß, spielte über Viktoria Wien und Germania Schwechat, und wechselte 1910 als 21-jähriger zum WAF, nachdem er bereits 1909 beim 1:1 gegen Ungarn in der Nationalmannschaft debütiert hatte. Cargnelli war Teil der WAF-Meistermannschaft 1913/14 und blieb den roten Hütteldorfern auch in den schweren Kriegszeiten treu. Erst 1920 kehrte er zu Germania Schwechat zurück, wo er als Stürmer auflief und gleichzeitig das Training übernahm - die Germania kämpfte in der zweiten Liga mit dem SC Hakoah Wien um den Aufstieg und belegte den zweiten Platz. Eine sensationelle Karriere machte er dann als Trainer in Italien: zweimal Meistertitel, einmal mit Torino, einmal mit Inter. Während der Kriegsjahre betreute er wieder Torino, wurde einmal Vizemeister und war am Aufbau jener Mannschaft beteiligt, die später als 'Grande Torino' berühmt werden sollte. Er starb am 27. Juni 1974 in Albenga.

WAF · Saison 1915/16 ·außergewöhnlich

Quelle: Rapid Wien oder FAC: Der spannende Krimi um den Meistertitel 1915/16, Abs. 776