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Aus der Buchreihe Fussball Legenden 1916/17
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Spielerprofil

Franz Heinzl

Franz Heinzl – Franz Heinzl
Der gebürtige Stockerauer Franz Heinzl war der Scharfschütze des WAF. Spielerisch limitiert, behäbig, lauffaul, aber sein Schuss war gefürchtet.

Vereine & Saisonen

WAF SV Stockerau
1913/14 1914/15 1915/16 1919/20

Zur Person

Franz Heinzl war im Grunde die menschgewordene Mischung aus Kanonenkugel, Provinzposse und tragischer Oper. Alles an diesem Mann klang, als hätte sich ein Drehbuchautor gedacht: „Machen wir's ein bisserl weniger glaubwürdig.“ Aber nein – genau so war es.

Geboren wurde er 1892 in Stockerau und dort fühlte er sich offenbar so wohl, dass er später sogar an chronischem Fußball-Heimweh litt.

Der Mann mit dem Einschlag eines Artilleriegeschosses

Als der WAF Anfang 1914 den 21-jährigen Stürmer aus Stockerau holte, waren die Stockerauer überhaupt nicht begeistert. Die wollten ihren Torjäger ungefähr so freiwillig hergeben wie ein Wirt seine letzte Kasse Bier. Fast wäre die Angelegenheit vor Gericht gelandet. Am Ende gewann Heinzl – und der WAF bekam einen Stürmer, dessen Schüsse offenbar physikalische Grundgesetze beleidigten.

Zeitgenossen beschrieben ihn als langsam, unbeweglich und nicht gerade als Gazelle. Also ungefähr wie ein Kleiderschrank mit Fußballschuhen.

Aber wehe, der Kleiderschrank durfte schießen!

Beim 2:0 gegen den WAC donnerte er einen Ball ins Tor, von dem berichtet wurde, es sei ein Gewaltschuss gewesen, „wie man ihn in Wien noch nie gesehen hatte“.

Mit anderen Worten:

Beweglichkeit einer Straßenbahn.

Wendigkeit eines Kachelofens.

Schusskraft einer Belagerungskanone.

Der Mann, bei dem immer Alarmstufe Rot herrschte

Wenn Heinzl aus zwanzig Metern abzog, verfielen gegnerische Verteidiger vermutlich in dieselbe Stimmung wie Passagiere auf der Titanic, als sie den Eisberg sahen.

Seine Weitschüsse waren seine Spezialität. Seine Pässe konnten plötzlich das ganze Spiel drehen. Und wenn er nahe genug ans Tor kam, hieß es für die gegnerischen Torhüter:

„Herrgott, bitte nicht schon wieder!“

Meister – und dann plötzlich Heimweh

1914 wurde der WAF Meister.

Nur ein kleines Problem gab es.

Kurz vor dem entscheidenden Spiel gegen den Sportclub erklärte Franz Heinzl plötzlich, er habe Heimweh nach Stockerau und stehe dem Verein nicht mehr zur Verfügung.

Heimweh!

Man stelle sich vor, Erling Haaland würde vor dem Champions-League-Finale erklären:

„Tut mir leid, ich vermisse Bryne. Ich muss heim.“

Böse Zungen behaupteten damals, das Heimweh sei zufällig genau dann aufgetreten, als andere Wiener Vereine Interesse zeigten.

Noch schöner:

Kurze Zeit später erschien ein Foto vom Freundschaftsspiel des WAC gegen Stockerau.

Und wer stand dort?

Natürlich Franz Heinzl.

Der Mann, der angeblich so sehr an Stockerau dachte, dass er prompt nach Stockerau fuhr.

Dadurch versäumte er ausgerechnet den Meistertitelgewinn seines eigenen Vereins.

Das muss man auch erst zusammenbringen.

Nationalspieler und Ungarn-Schreck

Unter Hugo Meisl wurde Heinzl Nationalspieler. Zwischen 1914 und 1917 bestritt er sieben Länderspiele und erzielte vier Tore.

1915 gegen Ungarn köpfte er zunächst zum 1:1 ein und schoss kurz darauf das 2:1.

Die Ungarn dürften sich gedacht haben:

„Nicht schon wieder dieser Stockerauer Katapultapparat!“

Weniger erfolgreich verlief ein anderer Länderspieltag, an dem er einen Elfmeter vergab und das Sportblatt ihn kurzerhand mit einer „Null“ benotete.

Heute würde man sagen:

„Twitter wäre nicht gnädig gewesen.“

Der Mann, der schon in der Pause ausgeschlossen wurde

Legendär war eine Partie gegen den Sportclub.

Zur Pause stand es 0:0.

Heinzl war darüber derart angefressen, dass er auf dem Weg in die Kabine seine Emotionen etwas zu deutlich ausdrückte.

Schiedsrichter Gustav Schmidt dachte sich:

„Das reicht mir.“

Und schloss ihn bereits in der Halbzeitpause aus.

Nicht in der 60. Minute.

Nicht nach einer Tätlichkeit.

Nicht nach einem Foul.

In der Pause!

Die WAF-Anhänger fragten empört:

„Darf ein Schiedsrichter das überhaupt?“

Wahrscheinlich fragte sich Gustav Schmidt gleichzeitig:

„Darf ein Spieler so schimpfen?“

Der Wanderpokal von Stockerau

Zwischen WAF und Stockerau wechselte Heinzl so oft hin und her, dass die Zeitungen nur noch sarkastisch schrieben:

„Zur Abwechslung wieder einmal.“

Das Wiener Sport-Tagblatt spottete sogar über die Provinzreklame, weil der Freigabeschein, der Heinzl wieder für Stockerau spielberechtigt machte, im Schaufenster des größten Kaufmannsladens der Stadt ausgestellt wurde.

Man stelle sich das vor.

Andere Leute stellten Christbäume oder Sonderangebote aus.

Stockerau präsentierte:

„Hier sehen Sie unseren Franz. Er gehört wieder uns!“

Trainer mit 28 Jahren

1920 übernahm die Stürmerlegende sogar das Training seines Heimatvereins.

Aber sein Körper war bereits schwer gezeichnet.

Der Erste Weltkrieg hatte ihn gesundheitlich ruiniert. Er überlebte zwar, zog sich aber ein schweres Lungenleiden zu. Nach dem Krieg verschlechterte sich sein Zustand immer mehr.

Am 16. Mai 1922 starb Franz Heinzl in Stockerau mit nur 30 Jahren.

Zusammenfassung seines Lebens

Franz Heinzl war:

langsam wie ein Möbelwagen,

aber gefährlich wie ein Mörsergeschütz;

Nationalspieler;

Meisterspieler;

vierfacher Torschütze gegen Simmering;

Halbzeit-Ausgeschlossener;

mehrfacher Heimkehrer nach Stockerau;

Besitzer des wahrscheinlich berühmtesten Freigabescheins Niederösterreichs;

und vermutlich der einzige Mann der österreichischen Fußballgeschichte, der einen Meistertitel beinahe wegen akuten Heimwehs verpasste.

Kurz gesagt:

Franz Heinzl war kein gewöhnlicher Mittelstürmer. Er war ein Naturereignis aus Stockerau, das gelegentlich Tore schoss, gelegentlich Elfmeter vergab, gelegentlich Schiedsrichter zur Verzweiflung brachte und vor allem eines blieb: ein Stockerauer. Selbst dann, wenn er gerade in Wien war.

Anekdoten & Zitate

Der WAF verstärkte sich mit dem 21-jährigen Stürmer Franz Heinzl aus Stockerau, der sich vor allem mit Durchschlagskraft und außergewöhnlichem Schussvermögen auszeichnete und schon im Testspiel zwei Tore beim 4:1-Sieg gegen die Vienna erzielte. Beim Transfer kam es zu Ungereimtheiten, die fast vor Gericht endeten, da die Stockerauer ihn nicht so einfach ziehen lassen wollten - am Ende setzten sich Heinzl und der WAF durch. Sein Schicksal war ein trauriges: gerade als seine Karriere Schwung aufnahm (Einberufungen in die Wiener Auswahl und in die Nationalmannschaft zum Spiel gegen Ungarn am 3. Mai 1914), brach der Erste Weltkrieg aus, und Heinzl musste daran teilnehmen. Er überlebte, war aber gesundheitlich schwer angeschlagen - an das Fußballspielen war nicht mehr zu denken. Am 16. Mai 1922 erlag er einem Lungenleiden, das er sich im Krieg zugezogen hatte, mit nur 30 Jahren.

WAF · Saison 1913/14 ·tragisch

Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 1284-1290

Sein Tor zum 2:0 in der 78. Minute gegen den WAC resultierte aus einem Gewaltschuss, wie man ihn in Wien noch nie gesehen hatte. Franz Heinzl zeigte sich in seinen Bewegungen sehr langsam und unbeweglich, aber seine genauen Pässe quer über das Feld konnten dem Spiel manch überraschende Wendung geben, und kam er aus aussichtsreicher Position zum Schuss, gab es immer 'Alarmstufe Rot' in der gegnerischen Abwehr - es hat eben jeder Spieler seine Stärken und Schwächen.

WAF · Saison 1913/14 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 1514

Stürmerstar Franz Heinzl bekam vor dem entscheidenden Spiel gegen den Sportclub 'Heimweh' nach Stockerau und gab bekannt, dem WAF nicht mehr zur Verfügung zu stehen - böse Zungen behaupteten, er wolle damit den Wechsel zu einem anderen Wiener Verein erzwingen. Später wurde Heinzl im Bild beim Freundschaftsspiel des WAC beim SV Stockerau gezeigt - der an Heimweh erkrankte Ex-WAF-Stürmer war zurück an seiner alten Wirkungsstätte. Durch sein 'Heimweh' versäumte er den Titelgewinn des WAF im letzten Meisterschaftsspiel.

WAF · Saison 1913/14 ·skurril

Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 2382-2383, 2851

Franz Heinzl traf in den zwei Spielen des Osterpokals 1915 gleich 5 Mal und stellte seine Torjägerqualitäten eindrucksvoll unter Beweis. Im Mai 1915 vergab er einen Elfmeter im Länderspiel gegen Ungarn und das Sportblatt schrieb von einer 'Null'. Im letzten Saisonspiel WAF - Hertha (3:2) traf Heinzl gleich dreimal: zum 1:1, 2:1 und 3:1. Der gebürtige Stockerauer, der in der Saison 1913/14 noch starkes Heimweh nach Stockerau hatte, wurde beim WAF zum Topstürmer - im Krieg war er froh, in Wien Fußball spielen zu dürfen, statt an der Front kämpfen zu müssen. Sein letztes Meisterschaftsspiel bestritt er am 25. August 1918 (5:2 gegen FAC), bei dem er einen Elfmeter vergab, aber doch traf. Er verstarb am 16. Mai 1922 nach einem langen schweren Leiden, das er sich im Krieg zuzog, mit nur 30 Jahren in Stockerau.

WAF · Saison 1914/15 ·tragisch

Quelle: Fussball im Ersten Weltkrieg: Österreichs erste Meisterschaft im Krieg 1914/15, Abs. 571, 1426, 1837, 2228, 2364, 2537-2544

WAF-Topstürmer Franz Heinzl glich im Länderspiel Österreich-Ungarn (4:2) per Kopfball zum 1:1 aus und erzielte kurz darauf mit einem flachen, scharfen Schuss den Führungstreffer zum 2:1. Beim Städtespiel Wien-Berlin (7:0) hatte er hingegen Pech mit seinen Weitschüssen, seiner stärksten Waffe. Beim Spiel WAF gegen Sportclub war er über das 0:0 zur Pause so erzürnt, dass er beim Gang in die Kabine seine Emotionen freien Lauf ließ - Schiedsrichter Gustav Schmidt schloss ihn bereits in der Halbzeitpause aus, was bei den WAF-Fans für Empörung sorgte ('Darf ein Schiedsrichter das überhaupt?'). Beim 9:0 gegen Simmering traf Heinzl alleine 4 Mal, darunter zweimal per Elfmeter.

WAF · Saison 1915/16 ·außergewöhnlich

Quelle: Rapid Wien oder FAC: Der spannende Krimi um den Meistertitel 1915/16, Abs. 486-489, 642-645, 1479, 1606-1616

Franz Heinzl wechselte erneut vom WAF zum SV Stockerau, was mit dem sarkastischen Kommentar "zur Abwechslung wieder einmal" quittiert wurde.

WAF · Saison 1919/20 ·lustig

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 586

Über das Transfertheater von Franz Heinzl zwischen SV Stockerau und WAF schrieb das Wiener Sporttagblatt unter dem Titel "Sportreklame in der Provinz", dass der Freigabeschein, durch den Heinzl wieder für Stockerau spielberechtigt wurde, im Schaufenster des größten Kaufmannsladens in Stockerau prangte.

SV Stockerau · Saison 1919/20 ·skurril

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 3316

Franz Heinzl spielte doch noch für seinen WAF und hatte sich noch nicht nach Stockerau verabschiedet - er zählte gegen den FAC trotz vergebener Chancen zu den auffälligsten Spielern im WAF-Trikot.

WAF · Saison 1919/20 ·bemerkenswert

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 3244

Die fast 28-jährige Stürmerlegende Franz Heinzl übernahm das Training seines Heimatvereins SV Stockerau. Er hatte zu diesem Zeitpunkt nur noch zwei Jahre zu leben - im Mai 1922 starb er mit nur 28 Jahren an einem Lungenleiden. Heinzl absolvierte zwischen 1914 und 1917 sieben Länderspiele, in denen er vier Mal traf, und war Teil der WAF-Meistermannschaft 1913/14.

SV Stockerau · Saison 1919/20 ·tragisch

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 4083