Spielerprofil
Franz Köhler
Vereine & Saisonen
Zur Person
Franz Köhler war kein Mann, der sich mit Kleinigkeiten aufhielt. Andere Torhüter blieben ein Leben lang bei einem Verein und waren froh, wenn ihnen die Zuschauer nicht die Schuld an jeder Niederlage gaben. Franz Köhler hingegen behandelte Fußballvereine wie andere Leute Wirtshäuser: Kaum hatte er sich an eines gewöhnt, stand er schon im nächsten.
Geboren wurde er 1901, zu einer Zeit, als ein Torhüter noch nicht durch Handschuhe geschützt wurde, sondern hauptsächlich durch Gottvertrauen und einen kräftigen Schnurrbart, den Franz allerdings nie trug. Er begann seine Laufbahn bei Kaisermühlen, zog weiter zu Olympia, Donau, Straßenbahn und Elektra. Allein diese Vereinsnamen klingen wie die Haltestellen einer besonders verwirrenden Wiener Bimlinie.
1924 landete er schließlich bei Rapid. Nun hätte jeder vernünftige Mensch gesagt: „Franz, jetzt bist du bei Rapid, bleib dort, werde eine Legende!“ Aber Franz war kein vernünftiger Mensch. Er spielte fünf Meisterschaftspartien, sah sich um, nickte zufrieden und dachte vermutlich: „Gut, das hätten wir auch erledigt.“
Neben ihm liefen Berühmtheiten wie Josef Uridil und Ferdinand Wesely auf. Während die Stürmer Tausende Zuschauer begeisterten und Zeitungen seitenlang über ihre Tore schrieben, bestand die Hauptaufgabe eines Torhüters damals darin, sich in den Schlamm zu werfen und anschließend so auszusehen, als hätte er gerade einen Häuserkampf überlebt.
Nach Rapid zog Franz weiter. Ostmark, Brigittenauer AC, Rasenfreunde, Austria Aspern, DFC Wien und schließlich Angern. Man hatte manchmal den Verdacht, er wolle sämtliche Vereinsstempel Österreichs sammeln. Der Brigittenauer AC schien ihm besonders gefallen zu haben, denn dort blieb er tatsächlich länger. Vermutlich hatte man dort ein gutes Gulasch.
Und dann geschah etwas, womit niemand gerechnet hatte. Ausgerechnet dieser Mann, der bei Rapid nur fünfmal im Tor gestanden hatte, wurde österreichischer Nationalspieler. Drei Länderspiele! Wahrscheinlich waren einige Wiener Kaffeehausbesucher überzeugt, dass ein Irrtum vorliegen müsse. Aber nein, Franz Köhler spielte tatsächlich für Österreich und gewann sogar gegen Schweden und Belgien.
Doch das genügte ihm noch immer nicht. Andere Fußballer gingen nach ihrer Karriere ins Kaffeehaus und erzählten zum hundertsten Mal von ihrem schönsten gehaltenen Ball. Franz hingegen packte seine Koffer und begann, halb Europa zu trainieren.
Er gewann Meisterschaften mit Slavia Sofia, trainierte die bulgarische Nationalmannschaft, tauchte in Deutschland auf, verschlug es zu den Go Ahead Eagles in die Niederlande und schließlich sogar nach Island. Vermutlich stand irgendwann ein isländischer Fischer am Hafen von Reykjavík und fragte sich: „Woher kommt dieser Österreicher, und warum erklärt er uns, wie man Eckbälle verteidigt?“
Als Franz Köhler 1982 starb, hinterließ er keine Statue und kein Stadion mit seinem Namen. Aber er hinterließ eine wunderbare Geschichte: die Geschichte eines Mannes, der nie der größte Star war, der aber mit erstaunlicher Beharrlichkeit von Verein zu Verein, von Land zu Land und von Abenteuer zu Abenteuer zog.
Und wenn heute irgendwo im Fußballhimmel Josef Uridil von seinen Toren erzählt, dann sitzt Franz Köhler wahrscheinlich daneben, lächelt und sagt:
„Sehr schön, Pepi. Aber warst du jemals Nationaltrainer in Island?“
Und dann wird es selbst im Himmel plötzlich ganz still.
Anekdoten & Zitate
Zu Franz Köhler sind derzeit keine Anekdoten verzeichnet.