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Aus der Buchreihe Fussball Legenden 1916/17
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Spielerprofil

Franz Semenka

Franz Semenka – Franz Semenka
Franz Semenka

Vereine & Saisonen

Zu diesem Spieler liegen keine Vereins- oder Saisonangaben vor.

Zur Person

Franz Semenka – oder: Der Mann, der Bälle fing und ansonsten lieber in Ruhe gelassen worden wäre

Es gibt Menschen, die stehen im Rampenlicht. Und es gibt Menschen wie den Franz Semenka. Der Franz war Torhüter bei der Hertha. Also bei der Hertha aus Wien, nicht bei irgendeiner anderen Hertha. Damals, in den Zwanzigerjahren, als die Männer noch Frisuren hatten, die aussahen, als wären sie mit Kernseife und Hoffnung in Form gebracht worden.

Geboren worden ist er irgendwann. Genau weiß man's nicht. Das war damals auch nicht so wichtig. Da hat niemand gesagt: „Bitte schicken Sie mir Ihr Geburtsdatum und Ihren LinkedIn-Account.“ Da hat die Hebamme gesagt: „Jawohl, ein Bub!“ und damit war die Sache erledigt.

Jedenfalls stand der Franz plötzlich im Tor der Hertha. Warum gerade im Tor? Weil irgendwer muss ja dort stehen. Die anderen wollten Tore schießen und berühmt werden. Der Franz hingegen war offenbar der Meinung: „Wenn schon blamieren, dann aus sicherer Entfernung.“

Und da stand er. Woche für Woche. Gegen Rapid, gegen den WAC, gegen den Sportclub. Immer mit dieser Miene, als hätte er gerade erfahren, dass die Straßenbahn schon wieder nicht fährt.

Dabei war das Tormannspiel damals nichts für schwache Gemüter. Keine Handschuhe. Keine Protektoren. Keine Sportpsychologen. Wenn ein Mittelstürmer mit zwanzig Stundenkilometern und der Eleganz eines wütenden Mistkäfers auf einen zugelaufen kam, dann hieß es für den Franz: Augen zu und hoffen, dass entweder der Ball oder der Gegner vorbeifliegt.

Man weiß nicht, wie viele Bälle er gehalten hat. Aber man darf annehmen, dass es genug waren. Sonst hätte ihn die Hertha wohl nicht immer wieder aufgestellt. Damals war man da pragmatisch. Wenn einer gut war, durfte er weitermachen. Wenn nicht, hat irgendein Funktionär gesagt: „Semenka, heute setzen wir auf den Cousin vom Fleischhauer. Der hat große Hände.“

Der Franz selbst machte kein großes Aufheben um seine Person. Es gibt keine Berichte über Skandale. Keine Memoiren. Kein Buch mit dem Titel „Zwischen Latten und Leidenschaft – mein Weg zum Ruhm“. Nichts. Wahrscheinlich ist er nach dem Match heimgegangen, hat die Schuhe ausgezogen und gesagt: „Na gut, wieder keinen Ball ins Gesicht bekommen. Auch ein Erfolg.“

Und während andere Fußballer längst vergessen wurden, ist der Franz Semenka heute beinahe ein Phantom. Ein Name in alten Aufstellungen, ein Gesicht auf vergilbten Fotos und irgendwo im Himmel vermutlich immer noch die einzige Seele, die bei Petrus nachfragt:

„Sag einmal, wer steht denn eigentlich im Tor? Weil wenn sich keiner meldet, dann mach ich's halt.“

Und Petrus seufzt.

„Semenka, du bist seit hundert Jahren tot.“

„Ja eh. Aber wenn der Ball kommt, schaut wieder jeder deppert.“

Und so steht er dort oben vermutlich noch immer. Zwischen zwei Wolken. Mit verschränkten Armen. Im hellblau-weiß gestreiften Hemd. Und mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der genau weiß:

Die anderen dürfen glänzen.

Aber irgendeiner muss den Schlamassel ja aufhalten.

Anekdoten & Zitate

Zu Franz Semenka sind derzeit keine Anekdoten verzeichnet.