Spielerprofil
Franz Twaroch
Vereine & Saisonen
Zur Person
Einer der wenigen bekannten Spieler der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft im Trikot der Viktoria – vielleicht sogar der einzige, dessen Name die Zeit überdauert hat – war der Mittelstürmer Franz Twaroch. Als die Viktoria ihre wenigen Erstligapartien bestritt, gehörte er zur Angriffsreihe jener Mannschaft, die bald darauf mit den Cricketern fusionierte. Twaroch zog es anschließend zum zweitklassigen Wacker nach Meidling.
Als im Herbst 1911 die erste Meisterschaft Österreichs begann, war Franz Twaroch gerade einmal 18 Jahre alt. Am 24. September 1911 schrieb er auf der alten Hohen Warte ein kleines Stück Fußballgeschichte. Beim 1:5 gegen die Hertha erzielte er in der 48. Minute das Ehrentor für die Viktoria – ein einzelner Lichtblick an einem ansonsten bitteren Nachmittag.
Seine eigentliche Zeit sollte jedoch erst bei Wacker beginnen. Jahr für Jahr führte er die Meidlinger zum Meistertitel der zweiten Liga. Doch immer wieder zerschlugen sich die Hoffnungen in den Relegationsspielen. Wenn der Aufstieg zum Greifen nahe war, fehlte das letzte Quäntchen Glück und die ersehnte Rückkehr in die höchste Spielklasse blieb aus. Wacker war Meister – und blieb doch zweitklassig.
Nach der Saison 1913/14 änderte sich schließlich das Reglement. Die ungeliebte Relegation wurde abgeschafft, der Zweitligameister durfte nun direkt aufsteigen. Und wieder hieß der Meister Wacker. Wieder hatte Franz Twaroch entscheidenden Anteil daran. Endlich war es geschafft. Nach Jahren des Wartens und der Enttäuschungen hatte sich sein großer Traum erfüllt: In der kommenden Saison sollte er mit Wacker in der höchsten Spielklasse Österreichs auflaufen.
Doch das Leben fragte nicht nach den Träumen eines Fußballers.
Noch bevor der Ball zur neuen Meisterschaft ins Rollen kommen konnte, brach der Erste Weltkrieg aus. Die Herbstsaison 1914 wurde abgesagt. Statt auf die Fußballplätze führte Franz Twarochs Weg an die Front.
Mehr als vier Jahre stand er in den vordersten Linien des Krieges. Er überlebte, während Millionen andere ihr Leben verloren. Doch der Krieg hatte ihm etwas genommen, das sich nie mehr zurückholen ließ. Als er heimkehrte, war auch seine große Fußballzeit vorbei.
Nach 1918 verließ er Wien und baute sich im Norden der neu gegründeten Tschechoslowakei eine neue berufliche Existenz auf. Der Mann, der so lange auf seine Chance in der höchsten Spielklasse gewartet hatte und sie im entscheidenden Augenblick durch die Wirren der Weltgeschichte verlor, geriet nach und nach in Vergessenheit.
Am 28. Oktober 1933 starb Franz Twaroch im Alter von nur vierzig Jahren.
Von seinem großen Traum blieb am Ende nur die Erinnerung an einen Fußballer, der den Aufstieg endlich erreicht hatte – und dem das Schicksal die Erfüllung dieses Traumes im letzten Augenblick wieder aus den Händen nahm.
Anekdoten & Zitate
Der damals 19-jährige Franz Twaroch von Wacker hatte einen kräftigen Schuss und avancierte zum ersten Publikumsliebling der Meidlinger. Aus der zweitklassigen Wacker wurde er in die Nationalmannschaft einberufen und feierte am 27. April 1913 sein Debüt gegen Ungarn. Ein Jahr vor dem ersten Weltkrieg wurde er zum Wehrdienst nach Galizien eingezogen, danach folgten 4 weitere Kriegsjahre. Nach dem Krieg fand er nie wieder Anschluss an seine früheren Leistungen, kehrte nicht nach Österreich zurück und starb am 28. Oktober 1933 im mährischen Olbersdorf an der polnischen Grenze. Im Relegationsfinale gegen Rudolfshügel (0:6) zählte er zum besten Wacker-Spieler, konnte aber alleingelassen nichts ausrichten.
Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 210, 212
Im zweiten Relegationsspiel Wacker - Hertha (2:2) gelang Franz Twaroch der Ausgleich per Elfmeter und in der 46. Minute die 2:1-Führung, aber trotz seiner zwei Tore konnte er nie zu seiner bekannten Stärke aus Meisterschaftsspielen finden - er spielte sehr nervös und verunsichert, da der Druck, seine Mannschaft in die 1. Liga zu schießen, zu schwer auf seinen Schultern lastete.
Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 42, 50