Spielerprofil
Gustav Chrenka
Vereine & Saisonen
Aufstellungen
| Datum | Heim | Gast | Position |
|---|---|---|---|
| 1920-09-05 | WAC | FAC | centre_half |
| 1920-09-12 | Simmering | WAC | centre_half |
| 1920-09-19 | Sportclub | WAC | centre_half |
| 1920-10-03 | WAF | WAC | centre_half |
| 1920-10-10 | WAC | Wacker | centre_half |
| 1920-10-24 | WAC | Admira | centre_half |
| 1920-10-31 | WAC | Hertha | centre_half |
| 1920-11-12 | Vienna | WAC | centre_half |
| 1920-11-21 | WAC | Amateure | centre_half |
| 1920-11-28 | WAC | Hakoah | centre_half |
| 1920-12-05 | Rudolfshügel | WAC | centre_half |
| 1921-01-02 | WAC | Rapid | centre_half |
| 1921-03-06 | Sportclub | Vienna | centre_half |
| 1921-03-13 | Vienna | Simmering | centre_half |
| 1921-04-03 | Vienna | WAC | centre_half |
| 1921-04-17 | Vienna | Admira | centre_half |
| 1921-05-29 | Rapid | Vienna | centre_half |
| 1921-06-19 | Vienna | Hakoah | centre_half |
| 1921-06-22 | Wacker | Vienna | centre_half |
| 1921-07-03 | Hertha | Vienna | right_half |
Zur Person
Gustav Chrenka – Der Mann mit der Pferdelunge und dem Gesichtsausdruck eines schlecht gelaunten Buchhalters
Als Gustav Chrenka am 4. Juli 1895 das Licht der Welt erblickte, ahnte noch niemand, dass hier ein Mann geboren worden war, der später gleichzeitig die Ausdauer eines Arbeitspferdes, die Technik eines Feingeistes und den Gesichtsausdruck eines Menschen besitzen würde, dem gerade jemand die letzte Powidlpalatschinke weggegessen hatte.
Seine ersten fußballerischen Schritte machte er beim SC Frem Wien. Dieser Verein hieß ursprünglich Vindobona, benannte sich aber um, nachdem die Herren vom dänischen Frem Kopenhagen bei einem Gastspiel derart beeindruckt hatten, dass die Wiener offenbar beschlossen: „Wenn schon nicht so spielen wie die Dänen, dann wenigstens so heißen.“ So etwas wäre heute ungefähr so, als würde sich ein Bezirksligaklub nach einem Freundschaftsspiel gegen Manchester City plötzlich „SC Pep Guardiola Favoriten“ nennen.
Beim Turnier von Rapid auf der Pfarrwiese durfte der junge Gustav erstmals für den WAC auflaufen. Die Begeisterung hielt sich zunächst in Grenzen. Er war schlicht noch zu jung und konnte nicht überzeugen. Manche Zuschauer waren vermutlich der Meinung, der Bub habe sich im Mannschaftsfoto verlaufen. Doch Gustav war geduldig. Er wusste, dass auch ein Schnitzel nicht schneller fertig wird, wenn man den Deckel anschreit.
Schon 1913 erzielte er gegen Rudolfshügel den Ausgleich zum 1:1 und begann langsam, sich in der höchsten Spielklasse heimisch zu fühlen. Bald war er ohnehin überall zuhause. Im Mittelfeld, in der Verteidigung, vorne, hinten – vermutlich hätte er notfalls auch den Linienrichter ersetzt, wenn dieser kurz zum Würstelstand gemusst hätte.
1914 explodierte seine Karriere regelrecht. Beim legendären 9:1 gegen den Sportclub spielte er mit Johann Neumann die gegnerische Mannschaft schwindlig. Das Sportblatt schwärmte von seiner „vollendeten Technik“ und seiner „bedeutenden Ausdauer“. Beim 15:0 gegen Simmering stand Chrenka sogar in der Verteidigung und schoss trotzdem zwei Tore. Andere Verteidiger freuten sich damals schon, wenn sie den Ball nicht versehentlich ins eigene Netz droschen.
Doch dann kam der Erste Weltkrieg. Im Mai 1915 wurde Chrenka an die Front transportiert. Dort erlitt er schwere Verwundungen. Monate lang konnte er sich nur auf Krücken fortbewegen. Jeder andere hätte wahrscheinlich gesagt: „Das war’s mit dem Fußball.“
Nicht Gustav Chrenka.
Der Mann kam zurück.
Beim Spiel gegen den WAF erinnerte sein Auftreten laut Sport-Rundschau an seine beste Friedensform. Die Ärzte hatten ganze Arbeit geleistet, aber wahrscheinlich mussten sie ihm irgendwann sagen:
„Herr Chrenka, bitte hören Sie auf, bereits im Krankenzimmer Lauftraining zu machen.“
Selbst während des Krieges schaffte er es, auf Heimaturlaub gegen Simmering wieder in der Verteidigung aufzutauchen. Gegen den FAC bildete er mit dem angeblich „fußballmüden“ Franz Schlosser ein Abwehrduo. Schlosser war müde, Chrenka dagegen spielte, als hätte er zwei Herzen und vier Lungen.
Und tatsächlich bekam er später seinen berühmten Spitznamen:
**„Der Mann mit der Pferdelunge.“**
Man erzählte sich, dass Gustav Chrenka so ausdauernd war, dass sogar Straßenbahnen freiwillig langsamer fuhren, damit sie nicht von ihm überholt wurden. Brieftauben sollen sich an ihn drangehängt haben, um Energie zu sparen.
Sein einziges Problem war sein Gesicht.
Denn Gustav Chrenka war berühmt für seinen dauerhaft traurigen Gesichtsausdruck. Selbst wenn der WAC 15:0 gewann, schaute Chrenka drein, als hätte ihm jemand erklärt, dass die Bäckerei bereits geschlossen hat.
Nach einem Torjubel fragten Mitspieler regelmäßig:
„Gustl, freut dich das überhaupt?“
Und Chrenka antwortete vermutlich:
„Schon. Aber morgen ist Montag.“
Trotzdem liebten ihn alle. Zwischen 1914 und 1924 absolvierte er sechs Länderspiele für Österreich. Später wechselte er zur Vienna und blieb bis Mitte der zwanziger Jahre erstklassig aktiv.
Wenn Gustav Chrenka heute leben würde, hätte man wahrscheinlich GPS-Daten ausgewertet und festgestellt, dass er während eines Spiels ungefähr die Strecke Wien–St. Pölten zurücklegte, während sein Gesichtsausdruck weiterhin den Charme eines Mannes ausstrahlte, der gerade erfahren hat, dass die Sachertorte ausverkauft ist.
Und so bleibt Gustav Chrenka in Erinnerung:
Nicht als Lautsprecher.
Nicht als Selbstdarsteller.
Sondern als jener wunderbare Fußballarbeiter mit der Pferdelunge, der den Krieg überlebte, sechsmal für Österreich spielte, technisch brillierte, nie aufgab und dabei stets aussah, als hätte ihm jemand erzählt, dass es ab sofort nur noch Karfiol statt Schnitzel geben würde.
Anekdoten & Zitate
Beim Turnier von Rapid auf der Pfarrwiese debütierte Gustav Chrenka vom SC Frem Wien (benannt nach dem dänischen Frem Kopenhagen, nachdem ein Verein 'Vindobona' sich nach einem beeindruckenden Gastspiel der Dänen umbenannte) beim WAC. Chrenka konnte zunächst nicht überzeugen, da er für diese Saison noch zu jung war, machte aber später noch seinen Weg in der höchsten österreichischen Spielklasse.
Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 181
Gustav Chrenka, der vom SC Frem Wien (benannt nach dem dänischen Frem Kopenhagen) zum WAC kam, traf beim 1:1 gegen Rudolfshügel zum Ausgleich in der 48. Minute. Chrenka spielte noch bis Mitte der 20er Jahre erstklassig, ging später zur Vienna und brachte es auf zwei Länderspieleinsätze.
Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 195
Im Spiel WAC - Sportclub (9:1) wurde Gustav Chrenka im Sportblatt beschrieben als bedeutende Ausdauer und vollendete Technik - in dieser Partie wuchs er über sich hinaus und erledigte den Sportclub mit Johann Neumann fast im Alleingang, indem er die Vorlagen aus dem Mittelfeld lieferte. Im Spiel WAC - Simmering (15:0) spielte er in der Innenverteidigung und trug trotzdem 2 Tore bei. Im Mai 1915 wurde er an die vorderste Front transportiert. Er überlebte den Krieg an der Front, spielte noch bis Mitte der 20er Jahre erstklassig, ging später zur Vienna und brachte es zwischen 1914 und 1924 auf 6 Länderspieleinsätze.
Quelle: Fussball im Ersten Weltkrieg: Österreichs erste Meisterschaft im Krieg 1914/15, Abs. 361, 1440, 1447, 1519-1521, 2144
Der spielstarke Gustav Chrenka feierte beim 8:3-Sieg gegen Simmering seine Rückkehr in der Innenverteidigung (Heimaturlaub). Beim 5:3-Sieg gegen den FAC ließen Chrenka und der 'fußballmüde' Franz Schlosser kaum etwas zu - Chrenka war der elegantere und technisch stärkere Verteidiger, da er vor dem Krieg im zentralen Mittelfeld spielte, und das sehr gut.
Quelle: Rapid Wien oder FAC: Der spannende Krimi um den Meistertitel 1915/16, Abs. 2040, 2148, 2169
Gustav Chrenka war für sein dauerhaft trauriges Gesicht bekannt. Wegen seines Fronteinsatzes konnte er in dieser Saison nicht zum Einsatz kommen.
Quelle: Österreich Ungarn Fussball 1917/18 - Die letzte Meisterfeier der Habsburger Monarchie, Zeile 23
Über WAC Mittelfeldspieler Gustav Chrenka berichtete die Sport Rundschau: "WAC Mittelläufer Gustav Chrenka, der infolge einer vor dem Feinde erlittenen schweren Verwundung lange Zeit dem Sporte fern bleiben musste, muss unserer medizinischen Wissenschaft viel verdanken. Er, der sich Monate hindurch nur auf Krücken fortbewegen konnte, lieferte in der zweiten Halbzeit gegen den WAF als Mittelläufer ein Spiel, das an seine beste Friedensform gemahnte."
Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1918/19, Zeile 1030
Spielmacher Gustav Chrenka wurde wegen seiner Ausdauer und seines unermüdlichen Einsatzes liebevoll "der Mann mit der Pferdelunge" genannt.
Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 3575