Spielerprofil
Gustav Lanzer
Vereine & Saisonen
Aufstellungen
| Datum | Heim | Gast | Position |
|---|---|---|---|
| 1920-09-05 | Hertha | Rapid | centre_half |
| 1920-09-12 | Rudolfshügel | Hertha | centre_half |
| 1920-10-03 | Amateure | Hertha | centre_half |
| 1920-10-10 | Admira | Hertha | inside_right |
| 1920-11-14 | Hertha | Simmering | centre_half |
| 1920-11-21 | Vienna | Hertha | centre_half |
Zur Person
Gustav Lanzer war einer von gleich vier Lanzer-Brüdern, die sich bei der Hertha tummelten. In Österreichs erster Fußballmeisterschaft 1911/12 gehörte er als rechter Mittelfeldspieler regelmäßig zur Startformation. Während andere Vereine mühsam nach Spielern suchten, konnte die Hertha offenbar einfach „Lanzer!“ rufen und bekam gleich mehrere Kandidaten.
Der fleißige Läufer überstand den Ersten Weltkrieg und hielt seiner Hertha noch bis in die frühen 1920er Jahre die Treue. Danach tauschte er die Fußballschuhe gegen die Trainerpfeife und stellte fest, dass es deutlich angenehmer war, andere laufen zu lassen.
Und was für eine Trainerkarriere das wurde! Vom 15. Februar 1922 bis zum 30. Juni 1927 betreute Gustav Lanzer die Kampfmannschaft der Austria und schrieb Vereinsgeschichte. Der ehemalige Hertha-Spieler wurde zum ersten Meistertrainer der Wiener Austria und schaffte in der Saison 1923/24 gleich das Double aus Meisterschaft und Cup. Offenbar war Gustav Lanzer der Ansicht, dass man Pokale nicht einzeln sammelt, sondern am besten gleich paarweise.
In seine Amtszeit fiel auch der Wechsel von Matthias Sindelar zur Austria – keine ganz schlechte Personalentscheidung, wie sich später herausstellen sollte. Überhaupt schien Lanzer ein besonderes Talent dafür zu besitzen, aus guten Fußballern noch bessere Fußballer zu machen.
Die Austria war mit ihrem Meistermacher jedenfalls hochzufrieden. Im Dienstzeugnis wurde ihm ein beinahe poetisches Lob ausgestellt:
„Herr Lanzer hat während seiner 5-jährigen Tätigkeit sich durch außergewöhnliche Sachkenntnis und als Kenner der Wiener Schule seinen Posten in der gewissenhaftesten Weise ausgefüllt.“
Mit anderen Worten: Der Mann wusste, wie der Hase läuft – und wie die Läufer laufen sollten.
Zwischen 1922 und 1927 räumte Gustav Lanzer gewaltig ab. Unter seiner Regie wurde die Austria zweimal österreichischer Meister (1924 und 1926) und gewann gleich dreimal den Cup (1924, 1925 und 1926). Aus dem rechten Mittelfeldspieler der Hertha war ein Titelhamster geworden, der Pokale sammelte, als wären sie Rabattmarken.
Dass ausgerechnet einer der vier Lanzer-Brüder später zum ersten Meistertrainer der Austria werden sollte, hätte sich im Jahr 1911 wohl niemand gedacht. Damals war Gustav einfach einer von vier Lanzers. Einige Jahre später war er Gustav Lanzer – und die Austria hatte ihre erste goldene Ära.
Anekdoten & Zitate
Das Goldtor für die Hertha im Spiel Hertha - Rudolfshügel (1:0) erzielte Gustav Lanzer nach einem Eckball - er lauerte genau an der richtigen Stelle. Der Ersatztorhüter Josef Heitzer war machtlos, da ihm die Sicht verstellt war.
Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 971
Gustav Lanzer, der Bruder des Torschützen zum 1:0, wurde im Relegationsspiel Hertha - Rudolfshügel (3:1) wegen Schiedsrichterbeleidigung ausgeschlossen - gegenüber dem renommierten Heinrich Retschury, ehemaligem Nationalspieler und Vienna-Star, der sich persönlich beleidigt fühlte.
Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 73