Spielerprofil
Hans Bloch
Vereine & Saisonen
Zur Person
Hans Bloch war der Torwart der Vienna Cricketer in deren erster und zugleich letzter Erstligasaison 1911/12. Beim legendären 1:7-Ausflug nach Simmering am 23. Juni 1912 stand er im Kasten und durfte dort aus nächster Nähe studieren, wie großzügig die Simmeringer mit Toren umzugehen pflegten.
Schon damals galt Bloch als routinierter Mann. Kein Wunder, hatte er doch zuvor beim AC Viktoria zwischen den Pfosten gestanden und bereits einige Stürmer, Schiedsrichter und Fußballkatastrophen überlebt.
Später zog es ihn zur Vienna. In der Saison 1913/14 war er dort der Ersatztorhüter hinter dem unantastbaren Roland Steinbrecher, dessen Platz in der Mannschaft ungefähr so sicher war wie die Existenz des Stephansdoms. Für Bloch blieb daher nur ein einziger Meisterschaftseinsatz. Am 25. März 1914 musste er beim 2:5 gegen den WAC auf der alten Hohen Warte aushelfen. Die Vienna lag damals abgeschlagen am Tabellenende und kämpfte verzweifelt gegen den Abstieg. Es war die Art von Saison, bei der selbst die Eckfahnen den Eindruck machten, als hätten sie genug gesehen.
Doch Hans Bloch war ein Mann der Vielseitigkeit. Beim 0:5 gegen Rapid am 14. September 1913 lief er nämlich nicht als Torhüter, sondern als linker Flügelstürmer auf. Offensichtlich war man bei der Vienna zu der Überzeugung gelangt, dass jemand, der ohnehin schon alles Elend aus dem Tor heraus beobachten musste, es auch einmal aus nächster Nähe im Angriff erleben durfte. Das Experiment brachte zwar keinen Treffer, aber wenigstens konnte Bloch behaupten, sowohl hinten als auch vorne bei einer ordentlichen Watschn dabei gewesen zu sein.
Nach seiner aktiven Laufbahn wechselte er auf die Trainerbank und entwickelte sich dort zu einem wahren Fußballnomaden. Mit bemerkenswertem Erfolg arbeitete er vor dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland, Italien, Rumänien, der Tschechoslowakei und Jugoslawien. Hans Bloch war gewissermaßen der Vertreter des europäischen Gedankens, lange bevor Politiker auf die Idee kamen, daraus ein Projekt zu machen.
Nach dem Krieg kehrte er zunächst nach Wien zurück. Doch im Juli 1947 flatterte ein verlockendes Angebot aus Brasilien ins Haus. Während andere Auswanderer von Kaffeeplantagen oder Copacabana träumten, packte Hans Bloch seine Koffer und verabschiedete sich endgültig von seiner Heimatstadt. Vielleicht hatte er sich nach Jahrzehnten voller 1:7-, 0:5- und 2:5-Erlebnisse einfach gedacht, dass ein Leben unter Palmen und mit etwas weniger österreichischem Fußballleid keine ganz schlechte Idee wäre.
Anekdoten & Zitate
Hans Bloch war Torwart der Cricketer im Spiel Hertha - Cricket (3:0). Ein Jahr nach dem zweiten Weltkrieg wurde er Mitbegründer und erster Trainer des kroatischen Fußballclubs 'Kvarner', der als Vorläufer des NK Rijeka gilt.
Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 1234-1238