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Aus der Buchreihe Rapids erste Titelverteidigung 1912/13
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Spielerprofil

Johann Horvath

wurde Nationalstürmer

Johann Horvath – Johann Horvath
Johann Horvath

Vereine & Saisonen

Simmering

Aufstellungen

Datum Heim Gast Position
1921-07-02 Simmering FAC inside_right

Zur Person

Es heißt, dass manche Fußballer den Ball jagen. Bei Johann „Hansi“ Horvath war es eher umgekehrt. Der Ball schien ihm aus irgendeinem unerklärlichen Grund überallhin nachzulaufen, wie ein besonders anhänglicher Dackel.

Geboren wurde Hansi 1903 in Wien, einer Stadt, in der damals jeder zweite Bub Fußball spielte und jeder dritte behauptete, der Schiedsrichter sei ein Verbrecher. Der junge Hansi war schmächtig, nicht besonders groß und sah auf vielen Fotos eher aus wie ein Buchhalter, der sich auf dem Weg zur Sparkasse verlaufen hatte. Aber wehe, man ließ ihn in die Nähe des Balles. Dann verwandelte sich dieser freundliche Herr mit der hohen Stirn in einen Mann, der Verteidiger in Verzweiflung und Torhüter in nervöse Alkoholiker verwandelte.

Beim Simmeringer SC begann seine Laufbahn. Dort fiel rasch auf, dass Horvath nicht nur Tore schießen konnte, sondern dies mit einer derartigen Selbstverständlichkeit tat, als würde er Briefmarken sammeln. Andere Stürmer rannten wie wilde Bisons über den Platz. Hansi hingegen bewegte sich mit jener Gelassenheit, mit der ein Wiener Oberkellner einem Touristen erklärt, dass das Schnitzel selbstverständlich nicht mit Tunke serviert wird.

Bald holte ihn Rapid. Dort erreichte er zweimal das Mitropacup-Finale. Zweimal. Und verlor beide Male. Das war ungefähr so, als würde man zweimal hintereinander die schönste Frau Wiens zum Tanz auffordern und beide Male feststellen, dass sie bereits mit einem ungarischen Herrn unterwegs ist.

Im Nationalteam schoss Horvath Tore in einem Tempo, das beinahe unanständig war. Er erzielte Hattricks gegen Bulgarien, Schweden und die Schweiz. Besonders die Bulgaren dürften irgendwann beim Anblick von Horvath überlegt haben, ob man Fußball nicht vielleicht doch besser durch Schach ersetzen sollte.

Dann kam das Wunderteam. Österreich schlug Schottland 5:0, ein Spiel, das später Legendenstatus erreichte. Und Hansi? Er war krank. Es war wahrscheinlich das berühmteste Krankenlager der österreichischen Fußballgeschichte. Während ganz Wien jubelte, dürfte Horvath daheim gelegen sein und sich gedacht haben:

„Na geh, ausgerechnet heute.“

Und wie das Leben manchmal spielt, verlor er dadurch seinen Stammplatz. Andere Menschen verlieren ihre Brieftasche oder ihren Regenschirm. Hansi verlor durch einen Schnupfen einen Platz in einer der berühmtesten Mannschaften der Welt.

1934 fuhr Österreich zur Weltmeisterschaft nach Italien. Normalerweise reist man gemeinsam an. Nicht so Hansi. Der musste vorher noch ein Nachtragsspiel für seinen Verein FC Wien absolvieren. Man stelle sich vor: Die Nationalmannschaft sitzt bereits in Italien, Sindelar bestellt wahrscheinlich einen Espresso, und irgendwo in Wien läuft Hansi noch einem Verteidiger davon, weil irgendein Funktionär gesagt hatte:

„Das Spiel muss aber noch ausgetragen werden.“

Er stieß später zur Mannschaft, schoss gegen Ungarn das wichtige 1:0 und half Österreich ins Halbfinale. Rang vier bei einer Weltmeisterschaft. Nicht schlecht für einen Mann, der aussah, als würde er eigentlich Versicherungen verkaufen.

Nach seiner Karriere wurde Hansi Trainer. Aber die große Zeit des Wunderteams war vorbei. Die Menschen sprachen immer mehr von Sindelar, Schall und Bican. Horvath wurde ein wenig vergessen, was ungefähr so gerecht war, als würde man bei einer Sachertorte nur über die Schlagobershaube sprechen.

1968 starb Johann Horvath. Auf dem Simmeringer Friedhof fand er seine letzte Ruhe. Und manchmal, wenn alte Fußballhistoriker vergilbte Zeitungen durchblättern und auf einen Bericht stoßen, in dem wieder einmal „Horvath erzielte drei Tore“ steht, schütteln sie den Kopf und sagen:

„Der Hansi. Der hat damals Tore geschossen, wie andere Leute Semmeln kaufen.“

Und irgendwo im Fußballhimmel sitzt Hansi Horvath wahrscheinlich mit einem kleinen Schmunzeln, während ein Torhüter aus den 1920er Jahren noch immer versucht herauszufinden, wo der Ball eigentlich geblieben ist.

Anekdoten & Zitate

Zu Johann Horvath sind derzeit keine Anekdoten verzeichnet.