Spielerprofil
Johann Neumann
Zweifacher Torschützenkönig und ein Mal Meister
Vereine & Saisonen
Aufstellungen
| Datum | Heim | Gast | Position |
|---|---|---|---|
| 1920-11-12 | Vienna | WAC | inside_left |
| 1920-11-21 | WAC | Amateure | inside_left |
| 1920-11-28 | WAC | Hakoah | inside_left |
| 1920-12-05 | Rudolfshügel | WAC | inside_left |
| 1921-01-02 | WAC | Rapid | inside_right |
| 1921-02-20 | Admira | WAC | inside_left |
| 1921-03-06 | Wacker | WAC | inside_left |
| 1921-03-13 | WAC | WAF | inside_left |
| 1921-04-03 | Vienna | WAC | inside_left |
| 1921-04-10 | Rapid | WAC | inside_left |
| 1921-05-29 | WAC | Rudolfshügel | inside_left |
| 1921-06-04 | Hertha | WAC | inside_left |
| 1921-06-08 | Amateure | WAC | inside_left |
| 1921-06-12 | FAC | WAC | inside_left |
| 1921-06-24 | Hakoah | WAC | inside_left |
| 1921-06-29 | WAC | Sportclub | inside_left |
Zur Person
Johann Neumann war der Verbindungsstürmer neben Mittelstürmer Johann Studnicka und vermutlich auch dessen bester Freund. Anders ist kaum zu erklären, warum er als einziger Spieler bei der großen Abspaltung von 1910 nicht das Weite suchte. Während alle anderen ihre Koffer packten und dem WAC den Rücken kehrten, blieb Neumann mit Studnicka auf den Trümmern sitzen und sagte sinngemäß: „Na gut, dann bauen wir den Laden halt selber wieder auf.“ Es war ungefähr so, als würde nach einem Schiffsuntergang einer noch den Besen holen und fragen, ob man das Deck nicht zusammenkehren sollte.
Kurz vor 1910 war Neumann in die Kampfmannschaft aufgerückt und machte bereits in der ersten Meisterschaft 1911/12 auf sich aufmerksam. Er besaß einen scharfen Schuss und zielte mit einer Präzision, die manchen Schiedsrichter dazu verleitete, aus Sicherheitsgründen einen Schritt zur Seite zu machen. Der ganz große Durchbruch gelang ihm aber erst in den beiden folgenden Saisonen, als er sich gleich zweimal hintereinander die Torjägerkrone sicherte. Wer den Ball zu Neumann brachte, durfte anschließend meist schon zum Mittelkreis zurücktrotten.
Auch in der ersten Kriegssaison 1914/15 war er in Hochform und hatte mit seinen Treffern großen Anteil am ersten Meistertitel des WAC. Doch gerade als er am Gipfel seiner Karriere angekommen war, hatte die Weltgeschichte andere Pläne. Noch während der Saison wurde er eingezogen, an die Front geschickt und schaffte dort das Kunststück, praktisch unmittelbar nach seiner Ankunft von den Russen gefangen genommen zu werden. Andere machten Urlaub am Semmering, Johann Neumann bekam eine unfreiwillige Bildungsreise bis an die chinesisch-mongolische Grenze spendiert.
Dort arbeitete der ehemalige Torjäger ausgerechnet als Bäcker. Statt gegnerische Verteidiger zu verspeisen, musste er nun Brote backen. Seine Briefe in die Heimat verraten, dass er von dieser Karriereänderung wenig begeistert war. Man kann es ihm kaum verdenken. Vom Torschützenkönig zum Mann, der um vier Uhr früh den Teig knetet, ist schließlich ein Karriereweg, den sich selbst die kühnsten Fußballphilosophen nicht ausdenken würden.
Doch selbst das Ende des Ersten Weltkriegs brachte ihm noch keine Erlösung. Gerade als die Österreicher und Russen Frieden geschlossen hatten und Neumann vermutlich schon den Fahrplan nach Wien suchte, brach der russische Bürgerkrieg aus. Das war ungefähr so, als würde man nach einer stundenlangen Verlängerung endlich den Schlusspfiff hören – und der Schiedsrichter verkündet plötzlich, dass jetzt noch drei weitere Halbzeiten gespielt werden.
Erst in den zwanziger Jahren tauchte Johann Neumann wieder in Wien auf. Der Mann, der einmal an der chinesisch-mongolischen Grenze Brot gebacken hatte und wahrscheinlich mehr von Russland gesehen hatte als die meisten Russen selbst, schnürte tatsächlich noch einmal die Fußballschuhe. Er kehrte zum WAC zurück, spielte später bei der Vienna und versuchte an alte Zeiten anzuknüpfen. Aber die Klasse, die ihn vor dem Krieg zweimal zum Torschützenkönig gemacht hatte, fand sich leider nicht mehr ein. Die hatte vermutlich irgendwo zwischen Sibirien, Mehlsäcken und den Wirren des Bürgerkriegs endgültig beschlossen, dortzubleiben.
Anekdoten & Zitate
Johann Neumann, kongenialer Sturmpartner von Johann „Jan“ Studnicka, traf beim Spiel WAC - FAC 3:2 zwei Mal für die Gastgeber. In den letzten zwei Saisonen vor dem Krieg holte er sich 2 Mal die Torjägerkrone, darunter 10 Tore in 9 Spielen in der Kriegssaison Frühjahr 1915. Er überlebte den ersten Weltkrieg nicht und starb darin.
Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 99
Im Spiel WAC - Rapid (1:1) traf Johanns Neumanns Schuss in der letzten Minute die Stange eines leeren Tores. Rapid-Tormann Kaltenbrunner hatte sich beim Herauslaufen falsch kalkuliert.
Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 480
Im Spiel WAC - Sportclub (9:1) erzielte Topstar Johann Neumann alleine 7 Treffer. Im Städtespiel Wien gegen Berlin wurde er beschrieben: 'Hohe Qualität, durchsetzungsstark im 1 vs 1, kann weite Bälle punktgenau an das Ziel bringen, ausgezeichneter Schütze' - 'Er war fleißig wie ein Läufer und schusstüchtig wie ein österreichischer Artillerist', schrieb das Sportblatt. Anfang März 1915 musste er nach seinem letzten Einsatz (7:5 beim FAC, dreifacher Torschütze) endlich an die Front. Im April 1915 wurde er vermisst gemeldet: 'Hans Neumann, der brillante Torschützer des WAC, wird vermisst. Er wurde vorher wegen eines geschickten Patrouillenganges, zur Auszeichnung vorgeschlagen.' Im Mai 1915 wurde er offizieller Kriegsgefangener Russlands, später im Lager Sabaikalsk (an der Grenze zu China und der Mongolei) - eine sehr abgelegene Siedlung, sodass seine Rückreise nach dem Krieg, in den Wirren des russischen Bürgerkriegs, Jahre dauerte und 'einen ganzen Roman füllen könnte'. Neumann überlebte den Krieg, lief zwischen 1921 und 1923 noch 4 Mal für Österreich auf und spielte bis 1925 erstklassig - zuletzt für Vienna (Vizemeister 1923/24) und Sportclub.
Quelle: Fussball im Ersten Weltkrieg: Österreichs erste Meisterschaft im Krieg 1914/15, Abs. 459, 481, 1436-1440, 1493-1494, 2019-2024, 2140, 2503
Der WAC-Goalgetter Johann Neumann, dessen Tore in der Saison 1914/15 für den ersten Meistertitel der "Praterleute" sorgten, befand sich als Kriegsgefangener in einem Lager im Dreiländereck Russland, Mongolei und China und lebte in bitterster Not. Eine Spendenaktion sollte seine Rückkehr finanzieren. Neumann war von Beruf Bäcker.
Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 4194
Nach sechs Jahren sibirischer Kriegsgefangenschaft kehrte der "Friedensstürmer" des WAC mit dem Heimkehrertransport auf dem Dampfer "Nankai Maru" nach Triest und schließlich nach Wien zurück. Die Vertreter der Wiener Vereine und des Fußballverbandes empfingen ihn am Hütteldorfer Bahnhof. Er stand verlegen inmitten der Begrüßenden, erzählte kurz von seinen Erlebnissen und erbat ausführlichen Bericht über seinen Verein. Trotz einer in Sibirien durchgemachten schweren Krankheit fühlte er sich körperlich in vorzüglicher Verfassung und wollte sich wieder einem Lauftraining unterziehen.
Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 1035
Bei seinem ersten Pflichtspiel nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft, gegen die Vienna am Nationalfeiertag, stand der gelernte Bäcker Neumann im Mittelpunkt des Interesses. Er führte sich sehr gut ein und erweckte mit seinen bekannten Pass- und Schussaktionen großen Beifall. Allerdings war er noch zu langsam und hatte mangels Training noch nicht die erforderliche Ausdauer, beherrschte den Ball aber weiterhin vortrefflich und sein Schussvermögen hatte trotz der vieljährigen Gefangenschaft nicht gelitten.
Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 1055
Beim 0:9-Debakel gegen Rapid kam der Vorkriegsstar und Kriegsgefangenenrückkehrer Neumann zu keinem einzigen Schuss. Er wurde auch "der dicke Dick" genannt - wobei dies tatsächlich auf seinen Mitspieler Johann Dick gemünzt war, der die einzige vernünftige Leistung des WAC ablieferte ("Nomen est omen").
Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 1674
Beim sensationellen 9:5-Spektakel gegen Rapid kam der Superstar der Vorkriegszeit aus klarer Abseitsstellung an den Ball, zeigte kurz seine technische Klasse und legte für Mohammed al-Anwar zum zwischenzeitlichen 5:3 ab. Das Sporttagblatt monierte allerdings, ein fähigerer Trainer hätte Neumann ins Mittelfeld zurückziehen sollen, um den überragenden Josef Uridil besser zu bewachen - stattdessen schenkte Uridil dem WAC mit sieben eigenen Treffern die Show.
Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 2802
Beim 5:3-Erfolg über die Amateure schoss der Altstar gleich zweimal Tor um Tor wie in seinen alten Tagen vor dem Krieg, als er sich 1912/13 und 1913/14 die Torjägerkrone holte. Das 1:1 war ein unhaltbarer Weitschuss, der Ausgleich zum 2:2 stammte ebenfalls von ihm.
Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 3661
Beim 4:2-Sieg über den Sportclub erzielte der Altstar im Alleingang alle vier Tore des WAC - darunter auch den von ihm selbst herausgeholten Elfmeter zum 4:2, nachdem sein Sololauf von Josef Teufel regelwidrig gestoppt worden war. Damit rettete der "Vorkriegssuperstar" seinem abstiegsbedrohten Verein die Hoffnung auf den Klassenerhalt.
Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 4229
'Ein Bein wurde gefunden' – Scherzglosse über sein angeblich 'fehlendes rechtes Bein', das wieder auftaucht (Okt. 1922).
Quelle: Fußball Tagebuch 1922/23 (Buch12), Zeile ~1500
'Glück gehört dazu' – erzielt 5 Tore in einem Spiel gegen WAF (5:3, Feb. 1923).
Quelle: Fußball Tagebuch 1922/23 (Buch12), Zeile ~3300