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Aus der Buchreihe Fussball Legenden 1916/17
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Spielerprofil

Johann Studnicka

Absolute Legende

Johann Studnicka – Johann Studnicka
Jan Studnicka (WAC) - eine absolute Legende.

Vereine & Saisonen

WAC
1911/12 1914/15 1915/16 1918/19 1919/20

Zur Person

Johann Studnicka war beim Beginn der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft bereits 28 Jahre alt und damit in einem Alter, in dem andere Fußballer langsam über warme Pantoffeln und Zimmerpflanzen nachdenken. Nicht aber der gute Johann. Der hatte bis dahin schon mehr erlebt als mancher Verein in seiner gesamten Geschichte. Unter anderem wurde er 1902 und 1903 sogar zum „Welttorjäger“ geehrt – ein Titel, der damals ungefähr so exotisch klang, als würde heute jemand „Intergalaktischer Strafraumminister“ auf seine Visitenkarte drucken.

Mit dem WAC gewann er 1901, 1903 und 1904 den Challenge Cup. Beim ersten Triumph am 21. April 1901 reichte ein mageres 1:0 gegen Slavia Prag. Studnicka wirbelte als linker Flügelstürmer über den Cricketplatz in der Engerthstraße und bescherte dem WAC den ersten großen Titel seiner Geschichte. Die Zuschauer waren begeistert, die Torhüter weniger.

Den zweiten Challenge Cup holte man sich am 24. Mai 1903 auf besonders energiesparende Weise. Der Gegner, der Cesky Athletic & Football Club Praha, erschien schlicht nicht. Eine Strategie, die später von manchen Finanzämtern und Wohnungsvermietern übernommen wurde. Ganz untätig war der WAC allerdings nicht gewesen. Im Halbfinale hatte man Ferencváros Budapest mit 5:1 abgefertigt. Studnicka spielte diesmal als linker Verbindungsstürmer, was damals ungefähr so geheimnisvoll klang wie ein hoher Beamtenrang in der Monarchie.

Ein Jahr später, am 10. April 1904, gab es dann überhaupt kein Halten mehr. Auf dem WAC-Platz, der seit 1899 bestand und schon damals mehr Geschichten erlebt hatte als manche Kaffeehäuser, wurden die Cricketer mit 7:0 überrollt. Studnicka gewann damit seinen dritten und letzten Challenge Cup, der damals als inoffizielle Meisterschaft der Donaumonarchie galt. Kaiser Franz Joseph dürfte trotzdem keinen Autokorso veranstaltet haben.

Doch seine größte Leistung war vielleicht gar nicht sportlicher Natur. Als 1910 beinahe die gesamte Kampfmannschaft des WAC davonlief, blieb Studnicka zurück. Andere hätten vermutlich resigniert oder begonnen, Kaninchen zu züchten. Nicht so Johann. Er baute einfach eine neue Mannschaft auf. Der Legende nach sammelte er die Spieler buchstäblich auf der Straße ein. Wahrscheinlich konnten junge Männer in Wien damals kaum gefahrlos eine Semmel kaufen, ohne plötzlich von Jan Studnicka entdeckt und zum Training verpflichtet zu werden. Ein Jahr später spielte diese bunt zusammengewürfelte Truppe bereits um den Meistertitel mit. Da staunten sogar die Leute, die sonst nur über Pferderennen redeten.

Beruflich leitete Studnicka die Sportartikelabteilung des Kaufhauses Westend gegenüber dem Westbahnhof. Man kann sich vorstellen, dass Kunden, die eigentlich nur ein Paar Schnürsenkel kaufen wollten, am Ende mit Fußballschuhen und einem Probetraining beim WAC nach Hause gingen.

Der Erste Weltkrieg blieb ihm erspart. Zwischen 1914 und 1918 durfte er ausschließlich auf Wiens Fußballplätzen kämpfen, wo die Granaten durch schlechte Schiedsrichterentscheidungen ersetzt wurden.

Irgendwann beschloss Johann auch noch, dass „Johann“ offenbar nicht international genug klang und nannte sich selbst „Jan“. Wahrscheinlich war ihm einfach nach etwas mehr böhmischem Flair. Als Spieler entwickelte er sich vom Flügelstürmer über den Verbindungsstürmer bis zum Mittelstürmer und Dirigenten der Angriffsreihe. Er war Spielertrainer, Taktiker, Ballkünstler und vermutlich der einzige Mensch, der gleichzeitig dachte wie ein Schachmeister und dribbelte wie ein Straßenmusikant auf Koffein.

1919/20 bestritt er schließlich seine letzte Meisterschaft für seinen geliebten WAC. Danach trainierte er die Vienna. Nach zwei Jahren lockte die Schweiz mit ihren Franken und wahrscheinlich auch mit der Aussicht auf pünktliche Züge. Also ging Jan zum FC Zürich und wurde 1924 sogar Schweizer Meister. Anschließend kehrte er nach Wien zurück und übernahm 1925 den SC Rudolfshügel. Doch dort war der Kassenstand so unerquicklich, dass die Spieler schneller verschwanden als Freibier bei einem Vereinsfest. Selbst ein Altmeister wie Studnicka konnte da nicht mehr zaubern.

Die Presse nannte ihn liebevoll „den Altmeister“. Ein Titel, den man sich verdienen musste und der weit ehrenvoller war als jedes moderne „Fußball-Influencer“-Etikett. Am 18. Oktober 1967 starb Jan Studnicka. Und irgendwo im Fußballhimmel dürfte er noch heute neue Mannschaften zusammenstellen und vorbeischlendernde Engel fragen:

„Sagen Sie, junger Mann, hätten Sie nicht Lust, linker Verbindungsstürmer zu werden?“

Anekdoten & Zitate

Johann 'Jan' Studnicka, auch genannt 'der Gstutzte', war einer jener Spieler aus der Anfangszeit des Wiener Fußballs, die beim Start der ersten regulären Meisterschaft noch aktiv waren.

WAC ·skurril

Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 135

Der kleinwüchsige aber technisch hochbegabte Dribbler Johann 'Jan' Studnicka traf kurz vor Abpfiff zum 2:2-Ausgleich im Spiel WAF - WAC (2:2) und nahm dem WAF damit den ersten Punkt der Saison ab.

WAC · Saison 1911/12 ·außergewöhnlich

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 268

Als der beste Mittelstürmer Wiens im Oktober 1911 wurde der damals 28-jährige Johann 'Jan' Studnicka auf das Podest gehoben. Er war erster Rekordnationalspieler und gleichzeitig Rekordtorschütze seines Landes und erhielt posthum zwei Mal die Ehrung des Welttorjägers. Das Sportblatt schrieb: 'Studnicka gibt jedem anderen Wiener Spieler noch eine Gehirnhälfte vor.'

WAC · Saison 1911/12 ·Zitat

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 319-323

Studnicka machte einmal ein 'Hands'. Sofort ertönte aus dem Raum der ordentlichen Mitglieder eine fette Stimme: 'Dreizehn Jahre, ich bitte, drei-zehn Jahre spielt dieser Mensch Fußball und weiß noch immer nicht, dass man den Ball nicht mit der Hand angreifen darf!'

WAC · Saison 1911/12 ·lustig

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 823-825

WAC-Altstar Johann 'Jan' Studnicka war bei der Musterung als 'nicht geeignet' befunden worden und blieb damit Führer der Athletiker, in seinem 18. Jahr als Fußballer. Im Spiel WAF - WAC (0:1) erzielte er den einzigen, etwas unglücklichen Treffer des Spiels - der Tormann hatte den Ball schon gefangen, ließ ihn aber im Sturz wieder fallen. Das Sportblatt schrieb: 'Tor ist Tor, gleichviel ob es durch einen effektvollen Volley oder Spitzler erzielt wird.' Im Länderspiel Österreich-Ungarn (5:2) erzielte er als Kapitän zwei Tore (3:1 und Mittäter beim ersten Tor). Im Sommer 1915 war er trotz Tauglichkeit beim Saisonstart 1915/16 immer noch dabei - 'Der Vater und Retter des Clubs'.

WAC · Saison 1914/15 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball im Ersten Weltkrieg: Österreichs erste Meisterschaft im Krieg 1914/15, Abs. 495-499, 1304, 1951-1955, 2033-2053, 2482

WAC-Altstar und Spielertrainer Johann 'Jan' Studnicka war bei der Musterung als 'nicht geeignet' befunden worden und blieb damit im 18. Jahr seiner Fußballkarriere - 'der Vater und Retter des Clubs'. Beim 5:2-Sieg gegen Rapid spielte er sich in den letzten 30 Minuten in einen Rausch, erzielte den Ausgleich, das 3:2 und schließlich mit einem sehenswerten Volleyschuss in der 75. Minute das 5:2 - der beste Mann am Feld, der genau wusste, wo Rapid in der Defensive seine Schwächen hatte. Beim 8:1 gegen die Hertha traf er dreimal, beim 5:3 gegen den FAC zweimal. Beim 2:0-Sieg gegen den Sportclub im Dezember 1915 erzielte er das 2:0 mit einer klassischen Einzelaktion, bei der er die halbe Sportclub-Mannschaft ausspielte und den Ball lässig ins Netz lupfte.

WAC · Saison 1915/16 ·außergewöhnlich

Quelle: Rapid Wien oder FAC: Der spannende Krimi um den Meistertitel 1915/16, Abs. 89, 856-866, 1457-1465, 1508, 2152, 2155, 2175

Johann Studnicka spielte so stark wie in seinen besten Tagen, hieß es - Studnicka stand damals kurz vor seinem 35. Geburtstag, für damalige Verhältnisse in Österreichs oberster Liga ein ungewöhnlich hohes Alter. Die Sport Rundschau schrieb über ihn: "Sein Stellungsspiel, seine Routine, sein Kopfballspiel sind Faktoren von hohem Werte, auch seine Schnelligkeit machte gestern wieder den besten Eindruck. Von Behäbigkeit, die man ihm in letzter Zeit so gerne nachsagte, keine Spur."

WAC · Saison 1918/19 ·außergewöhnlich

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1918/19, Zeile 334

Die beiden ehemaligen WAC-Legenden Johann Studnicka und August Huber wurden in einer Karikatur gegenübergestellt: Huber sagte zu Studnicka, sein WAC gewinne halt nichts, während seine Hakoah in der zweiten Spielklasse erfolgreich sei.

WAC · Saison 1919/20 ·lustig

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 3408

Altmeister und WAC-Trainer Johann Studnicka äußerte sich zur sportlichen Krise seines Vereins: Er bedauerte, dass der WAC nicht die Stellung einnehme, die ihm gebühre, sah die Schuld im unzulänglichen Spielermaterial und betonte, er habe nie Wert darauf gelegt, fertige Spieler von anderen Vereinen zu holen, sondern junge Leute selbst auszubilden. Sein Verhältnis zum WAC sei noch ungeklärt, da er an einer Knieverletzung leide, hoffe aber auf eine Bäderkur und fühle sich noch immer fähig, Ersprießliches zu leisten.

WAC · Saison 1919/20 ·persönlich

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 4318