Zum Inhalt springen
Aus der Buchreihe Admira Wien: Außenseiter auf Siegeskurs
Bei Amazon bestellen Alle Bücher

Spielerprofil

Josef Brandstetter

Josef Brandstetter – Josef Brandstetter
Josef Brandstetter war damals ein unverzichtbarer Teil Rapids und hatte Riesenanteil an allen Meistertiteln.

Vereine & Saisonen

Rapid Wien Rapid Sportclub Rapid
1914/15 1915/16 1919/20 1921/22 1925/26

Aufstellungen

Datum Heim Gast Position
1920-09-05 Hertha Rapid centre_half
1920-09-12 Wacker Rapid centre_half
1920-09-19 Rudolfshügel Rapid centre_half
1920-10-03 Simmering Rapid centre_half
1920-10-10 Rapid Sportclub centre_half
1920-10-24 Rapid Amateure centre_half
1920-11-14 Hakoah Rapid centre_half
1920-11-21 Rapid WAF centre_half
1920-11-28 Rapid FAC centre_half
1920-12-05 Vienna Rapid centre_half
1920-12-12 Rapid Admira centre_half
1921-01-02 WAC Rapid centre_half
1921-02-20 Rapid Hakoah centre_half
1921-03-06 Admira Rapid centre_half
1921-03-13 FAC Rapid centre_half
1921-03-20 WAF Rapid centre_half
1921-04-03 Rapid Rudolfshügel centre_half
1921-04-10 Rapid WAC centre_half
1921-05-14 Rapid Simmering centre_half
1921-05-22 Sportclub Rapid centre_half
1921-05-29 Rapid Vienna centre_half
1921-06-15 Rapid Wacker centre_half
1921-06-26 Rapid Hertha centre_half
1921-06-29 Amateure Rapid centre_half

Zur Person

Die ersten Erfolge Rapids sind untrennbar mit Josef Brandstetter verbunden. Als gerade einmal zwanzigjähriger Bursche war er bereits beim ersten Meisterschaftsspiel der Hütteldorfer mit von der Partie und verrichtete im zentralen Mittelfeld jene Arbeit, die andere lieber dem Herrgott oder der Feuerwehr überlassen hätten.

Brandstetter war ein richtiger Kämpfer. Kopfballstark, zweikampfstark, technisch ausgezeichnet – und vor allem mit jener Eigenschaft ausgestattet, die man nicht trainieren kann: Er wollte immer gewinnen. Nicht ein bisschen. Nicht wenn es gerade angenehm war. Sondern immer. Er holte aus seinem Körper jedes einzelne Prozent heraus, das darin verborgen lag. Wahrscheinlich auch noch ein paar Prozent, die dort eigentlich gar nicht vorgesehen waren.

Selbst Kriegsverletzungen und die traumatischen Erlebnisse an vorderster Front des Ersten Weltkriegs konnten ihn nicht stoppen oder seine Klasse als Fußballspieler mindern. Während andere Menschen nach solchen Erfahrungen wohl verständlicherweise beschlossen hätten, es künftig etwas ruhiger anzugehen und vielleicht Briefmarken zu sammeln, wirkte Brandstetter auf dem Spielfeld weiterhin wie eine Maschine. Unzerstörbar. Als hätte man ihn nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Gusseisen und schlechter Laune gebaut.

Ob Rapid auf ihn verzichten musste oder nicht, machte häufig den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage aus. Er stabilisierte die Defensive, organisierte das Spiel und sorgte mit seinen Vorlagen und gefürchteten Freistößen stets auch für Unruhe vor dem gegnerischen Tor. Damals nannte man so etwas einen Mittelläufer. Heute würde vermutlich irgendein Fernsehkommentator von einem „Box-to-Box-Leader mit Leadership-Qualitäten“ sprechen und dabei ganz zufrieden mit sich selbst sein.

Brandstetter stand immer unter Strom und wollte gewinnen. Hatte er schlechte Laune oder erlaubte sich ein Gegenspieler ein Foul, das nach seiner persönlichen Rechtsauffassung unter die Kategorie „unverzeihlich“ fiel, dann war es ratsam, die Umgebung rasch zu verlassen. Sein Gegenspieler beim WAF, Mittelstürmer Leopold Neubauer, suchte einmal den Streit mit ihm und durfte unmittelbar darauf feststellen, dass Diskussionen mit Josef Brandstetter nur selten auf philosophischer Ebene geführt wurden. Brandstetter packte ihn kurzerhand und schleuderte ihn zu Boden, als hätte er heimlich Jahrzehnte vor der Erfindung des MMA bereits dessen Grundzüge studiert. Neubauer befand sich schneller auf dem Rasen, als er „Herr Schiedsrichter!“ rufen konnte.

Die Zuschauer liebten solche Typen. Nicht weil sie kunstvoll mit dem Außenrist zauberten, sondern weil sie den Eindruck vermittelten, dass sie notfalls auch noch den Donaukanal mit bloßen Händen umgraben würden, wenn es Rapid zum Sieg verhelfen konnte.

Später versuchte sich Brandstetter auch als Trainer. Der Erfolg wollte sich dabei allerdings nicht in jenem Ausmaß einstellen wie bei einigen seiner berühmten Kollegen, die lukrative Angebote aus dem Ausland erhielten und dort ihr Glück suchten. Brandstetter blieb eher der bodenständige Arbeiter als der internationale Fußballprofessor.

Am 25. März 1945 starb er während der letzten chaotischen Kriegstage in den Luftschutzkellern seiner Heimatstadt an einer Lungenentzündung. Es mutet beinahe tragisch an, dass ausgerechnet jener Mann, der jahrelang gegnerische Stürmer, Kriegsverletzungen und die Grausamkeiten eines Weltkriegs überstanden hatte, letztlich nicht von einem Verteidiger und nicht von einer Granate besiegt wurde, sondern von einer Krankheit.

Wenige Tage später begann der Angriff der Roten Armee auf Wien. Die Kämpfe, die über die Stadt hereinbrechen sollten, musste er nicht mehr erleben. Vielleicht war es die letzte Gnade des Schicksals gegenüber einem Mann, der sein ganzes Leben hindurch stets unter Feuer gestanden hatte – auf dem Schlachtfeld ebenso wie auf dem Fußballplatz. Und vermutlich hätte Josef Brandstetter selbst über all das nur kurz die Schultern gezuckt und gefragt, wann endlich wieder angepfiffen werde.

Anekdoten & Zitate

Rapids Mittelfeldregisseur Josef Brandstetter erlitt beim Marschieren auf Grund des schweren Tornisters eine Nierenquetschung, dazu kam noch die Ruhr, durch die er vollends niedergeworfen wurde. Das Sportblatt schrieb: 'Brandstetter hat, wie er erzählt, an sechs Gefechten teilgenommen und wer ihn kennt, dieses Sinnbild von Kraft, Mut und Ausdauer, kann sich leicht ausmalen, dass er dem Feinde nichts schuldig geblieben ist. Eine ganze Armee aus lauter Brandstetters bestehend, müsste Wunderdinge leisten. Der Feind konnte Seppl nichts anhaben, wohl aber die niederträchtige Ruhr.' Im April 1915 erlitt er Erfrierungen an den Beinen, kehrte aber mit Fronturlaub für ein Comeback bei Rapid zurück. Im Spiel Rapid - Sportclub (16. Mai 1915) bekam der 'gestählte Frontkämpfer' Brandstetter nach einem umstrittenen Elfmeter so eine Rage, dass ihm Schiedsrichter Karl Rosa die rote Karte zeigte - doch Brandstetter weigerte sich, das Feld zu verlassen. Nach endlosen Diskussionen entschuldigte er sich, das Spiel wurde fortgesetzt, aber mit dem 'ausgeschlossenen' Brandstetter am Feld - der Verband wertete das Spiel später mit 1:0 für den Sportclub, alle Tore nach dem Ausschluss wurden annulliert. Brandstetter überlebte den Krieg, gewann nach 1918 noch vier Mal den Meistertitel mit Rapid, arbeitete zwischen 1927 und 1934 als Trainer im In- und Ausland und starb am 25. März 1945 als 54-jähriger an einer Lungenentzündung - kurz vor der Schlacht um Wien.

Rapid · Saison 1914/15 ·tragisch

Quelle: Fussball im Ersten Weltkrieg: Österreichs erste Meisterschaft im Krieg 1914/15, Abs. 151, 279, 676, 1825, 2100, 2155-2160

Rapids Mittelfeldregisseur Josef Brandstetter, der schon beim ersten Meistertitel 1911/12 mit dabei war, kam nach den Strapazen und Verwundungen im Krieg wieder in Form - das Sportblatt verglich ihn mit Paul Gascoigne in seiner besten Zeit: ein Mittelfeldspieler mit unbändigem Kampfeswillen, der weder sich noch den Gegner schonte. Beim Topspiel Rapid gegen FAC (2:1) bügelte er die Schwächen seiner Mitspieler aus und fing fast alles ab. Beim Freundschaftsspiel gegen den WAF im März 1916 packte Brandstetter den WAF-Stürmerstar Leopold Neubauer an der Gurgel und brachte ihn spektakulär zu Boden - er wurde daraufhin von Schiedsrichter Max Seemann ausgeschlossen und für ein Spiel gesperrt. Brandstetter war auch an der Front sehr gefürchtet, man erzählte sich wahre Wunderdinge über ihn als Soldat. Umso tragischer sein Ende: im März 1945 starb er als 54-jähriger im alliierten Bombenhagel Wiens, kurz vor dem russischen Angriff auf seine Heimatstadt, an einer Lungenentzündung im Luftschutzkeller.

Rapid · Saison 1915/16 ·tragisch

Quelle: Rapid Wien oder FAC: Der spannende Krimi um den Meistertitel 1915/16, Abs. 199, 1176, 1385, 1397, 1633, 2333-2335, 2391

Spielmacher Josef Brandstetter, der in den letzten Wochen viel Kritik einstecken musste und aus der Startformation genommen worden war, war im Cupfinale wieder voll da und nur schwer zu überspielen - er zeigte seinen Kritikern, dass man weiterhin auf ihn zählen konnte.

Rapid · Saison 1919/20 ·außergewöhnlich

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 5950

Nach einem Foul von Franz Schediwy an Karl Kurz löste ein Zuschauer mit einer abfälligen Bemerkung eine Reaktion aus: Josef Brandstetter stürmte auf den Mann los, und nur Funktionäre und die Sicherheitswache konnten die Ruhe und Ordnung wieder herstellen.

Rapid · Saison 1919/20 ·skurril

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 5959

Die drei Rapidler Josef Brandstetter, Karl Klär und Leopold Nitsch wurden als 'drei Musketiere der Schwerarbeit' bezeichnet, deren Motto zu sein scheine: 'Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?'

Sportclub Rapid · Saison 1921/22 ·lustig

Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Abschnitt 'Was sonst noch geschah', Para. 1281

Im November 1925 entlässt Rapid im Zuge einer finanziellen Krise mehrere Spieler, darunter Josef Brandstetter, Richard Kuthan und einen Spieler namens Bauer, was in der Chronik als 'Götterdämmerung' bezeichnet wird.

Rapid · Saison 1925/26 ·tragisch

Quelle: Buch 15, November 1925, Bericht 'Götterdämmerung' (Rapid)