Spielerprofil
Josef Haist
Vereine & Saisonen
Aufstellungen
| Datum | Heim | Gast | Position |
|---|---|---|---|
| 1920-09-08 | Amateure | WAF | right_wing |
| 1920-09-12 | WAF | Vienna | right_wing |
| 1920-09-19 | Wacker | WAF | left_wing |
| 1920-10-03 | WAF | WAC | left_wing |
| 1920-10-24 | WAF | Hakoah | right_wing |
| 1920-11-12 | WAF | Sportclub | left_wing |
| 1920-11-21 | Rapid | WAF | left_wing |
| 1920-11-28 | Admira | WAF | right_wing |
| 1920-12-05 | WAF | Simmering | left_wing |
| 1921-03-06 | WAF | FAC | right_wing |
| 1921-03-13 | WAC | WAF | inside_right |
| 1921-03-20 | WAF | Rapid | right_wing |
| 1921-04-03 | Simmering | WAF | right_wing |
| 1921-04-10 | WAF | Amateure | right_wing |
| 1921-05-08 | Rudolfshügel | WAF | inside_left |
| 1921-05-29 | WAF | Hertha | inside_left |
| 1921-06-04 | Hakoah | WAF | inside_left |
| 1921-06-12 | WAF | Admira | inside_left |
| 1921-06-19 | Sportclub | WAF | inside_left |
| 1921-07-07 | Vienna | WAF | inside_left |
Zur Person
Wenn man sich die Geschichte von Josef „Pepi“ Haist ansieht, könnte man meinen, der liebe Gott habe sich bei seiner Erschaffung gedacht: „Schauen wir einmal, wie oft man einem Menschen das Haxel brechen kann, ohne dass er die gute Laune verliert.“
Pepi Haist wurde am Silvestertag 1894 in Wien geboren. Wahrscheinlich wollte er schon bei seiner Geburt nicht bis Mitternacht warten und beschloss, den Jahreswechsel gleich persönlich einzuleiten. Als Bub begann er mit seinen Nachbarschaftsfreunden Fußball zu spielen. Einen richtigen Ball konnte sich die Bande nicht leisten, also wurde mit einem Erzeugnis der „Hausindustrie“ gekickt. Das bedeutete, dass ein paar alte Fetzen so lange zusammengebunden wurden, bis sie ungefähr rund waren und zumindest theoretisch als Ball durchgingen.
Mit fünfzehn schloss sich Pepi der Normannia Simmering an, jenem Verein, der auch Josef Kudin hervorbrachte. Danach spielte er noch kurz bei einem Verein namens Neptun. Ob er dort schwimmen lernen musste, ist nicht überliefert. Jedenfalls stieg der feine Techniker mit siebzehn bereits in die Kampfmannschaft des WAF auf.
Dort traf er auf eine goldene Generation mit Adolf Fischera, Johann Schwarz, Leopold Neubauer, Felix Tekusch und Franz Sedlacek. Es war eine Truppe, die so gut war, dass sie 1913 Vizemeister, 1914 Meister und 1915 noch einmal Vizemeister wurde. Und mitten drin arbeitete Pepi Haist. Er war kein Star, der sich geschniegelt vor Fotografen stellte. Er war eher jener Mann, der den Motor am Laufen hielt, während andere die Kühlerfigur spielten.
Besonders berühmt wurde er beim denkwürdigen 5:4 gegen den FAC. Der neunzehnjährige Haist lief damals herum wie ein aufgezogener Wecker. Kaum hatte ein Mitspieler den Kopf hängen lassen, war Pepi schon da, gewann einen aussichtslosen Zweikampf und holte einen Ball zurück, der eigentlich schon das Aufenthaltsrecht beim Gegner beantragt hatte. Er riss seine Kameraden mit, motivierte sie unermüdlich und hätte vermutlich sogar einen erschöpften Fiakergaul noch dazu gebracht, über die Mittellinie zu sprinten.
Im November 1913 erzielte er beim 5:1 gegen die Vienna sogar ein Tor. Damit stand fest, dass Haist nicht nur laufen und kämpfen konnte, sondern gelegentlich auch wusste, wo das Tor stand – ein Talent, das nicht jedem Läufer jener Zeit gegeben war.
Gerade als sich Pepi in Hochform befand und als einziger WAF-Spieler sogar das Nationaltrikot tragen durfte, beschloss das Schicksal Anfang 1914, ihm einen besonders gemeinen Tacklingversuch zu verpassen. In einem Testspiel auf steinhart gefrorenem Boden brach er sich das Bein. Das war nicht nur eine Katastrophe für den WAF, sondern auch für sämtliche Wirte rund um den WAF-Platz, denn ein schlecht gelaunter WAF-Anhang war damals ungefähr so angenehm wie ein Zahnarztbesuch mit Blasmusik.
Im Elisabethspital lag Haist nun mit Gipsverband und erzählte dem Sportblatt gerührt von den vielen Sympathiebeweisen und der aufopfernden Pflege. Andere hätten wahrscheinlich geschimpft, Pepi bedankte sich höflich und sprach liebevoll über seine Jugend mit dem Fetzenball. Man hatte fast den Eindruck, er würde sich beim Beinbruch noch entschuldigen, dass er den Ärzten zusätzliche Arbeit machte.
Während er sich langsam wieder zusammenflicken ließ, geriet Europa aus den Fugen. Als Josef Haist endlich wieder halbwegs auf den Beinen war, herrschte bereits Krieg. Während andere Rekonvaleszenten nach Hause geschickt wurden, durfte Pepi praktisch vom Krankenbett direkt an die Ostfront reisen. Dort erlebte er in einem schweren Gefecht seine Feuertaufe, blieb unverletzt, wurde aber krank und fand sich – ganz traditionsbewusst – erneut im Krankenbett wieder. Offenbar fühlte sich Josef Haist zwischen Bettgestell und Verbandsmaterial fast schon heimisch.
Bei einem Frontbesuch bot sich allerdings ein erstaunliches Bild. Pepi schlenderte seelenvergnügt durch die Gegend und kaute an einem gewaltigen Stück Kriegsbrot. Seine frischen Backen und die gesunde Gesichtsfarbe galten als Beweis dafür, dass die Wiener Küche selbst im Felde noch erstaunliche Leistungen vollbrachte. Wegen seines gebrochenen Haxels wurde er nur für leichtere Dienste verwendet. Bei den Vorgesetzten war er beliebt, und zur vollkommenen irdischen Glückseligkeit fehlte ihm eigentlich nur eines: regelmäßiger Fußball.
Selbst aus der russisch-polnischen Front schrieb er wie ein Fußballer. Im Mai 1915 meldete er optimistisch:
„Wir haben auf unserem Armee-Gepäcksmarsch an die Weichsel noch einige Stacheldrahthürden zu nehmen, rasten auf dieser Stelle einige Zeit aus, um dann sicher im Spurt die letzte Etappe überwinden zu können.“
Andere beschrieben den Krieg als Hölle. Josef Haist beschrieb ihn wie ein besonders unangenehmes Auswärtsspiel.
Während des Krieges absolvierte er fünf Länderspiele für Österreich. Wenn er Fronturlaub bekam, fuhr er nicht nach Ischl oder setzte sich gemütlich ins Kaffeehaus, nein, er spielte gegen Ungarn, Italien und die Schweiz. Anschließend ging es wieder zurück an die russische Front. Heute würde man das als eine sehr eigenartige Work-Life-Balance bezeichnen.
Als hätte das Schicksal noch nicht genug Spaß mit ihm gehabt, erlitt Haist 1917 einen zweiten Beinbruch. Diesmal war seine aktive Laufbahn praktisch beendet. Zweimal gebrochene Haxen, kein Physiotherapeut, kein Eisbad, kein Wunderheiler und nicht einmal ein Instagram-Fitnesscoach – für viele wäre das das Ende gewesen.
Nicht aber für Pepi Haist.
Er blieb dem Fußball erhalten und wurde Trainer. Er coachte den WAF, Sturm Graz, den Brigittenauer AC, Brühl, Basel, Winterthur, Admira und den Grazer AK. 1922 gewann er als WAF-Trainer sogar den österreichischen Cup und führte 1927 den Brigittenauer AC sensationell zur Vizemeisterschaft.
Ab 1939 arbeitete er zusätzlich als Turnlehrer. Generationen von Schülern dürften sich gefragt haben, warum ihr Sportlehrer jeden noch so kleinen Kratzer mit einem Lächeln kommentierte. Wer zwei Beinbrüche, den Weltkrieg und unzählige Fußballschlachten überstanden hatte, den konnte ein verstauchter Daumen natürlich nicht mehr erschüttern.
Josef „Pepi“ Haist starb 1950 in Wien und wurde am Baumgartner Friedhof beigesetzt.
Er war kein schillernder Torjäger wie Adolf Fischera, kein exzentrischer Künstler und kein Mann großer Gesten. Aber er war ein feiner Techniker, ein unermüdlicher Antreiber und wahrscheinlich der einzige Mensch, der einen Krieg mit den Worten betrachtete, man müsse jetzt nur noch ein paar Stacheldrahthürden nehmen und dann im Spurt die letzte Etappe überwinden.
Und wenn im Himmel Fußball gespielt wird, dann läuft dort irgendwo sicher noch immer ein rundlicher, gut gelaunter Pepi Haist herum, gewinnt aussichtslose Zweikämpfe und ruft seinen Mitspielern zu:
„Gemma Buam! Des geht sich noch aus!“
Anekdoten & Zitate
Beim 4:5-Sieg des WAF gegen den FAC war der damals erst 19-jährige Josef Haist derjenige beim WAF, der seine Mitspieler immer wieder neu motivieren konnte und unermüdlich antrieb - er ging erfolgreich in die Zweikämpfe und holte sich oft aussichtslos erscheinende Bälle, und riss so seine Mannschaftskameraden mit.
Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 207
Josef Haist brach sich in einem Testspiel auf hart gefrorenem Boden in der Vorbereitung auf die Frühjahrssaison 1914 das Bein - eine empfindliche Schwächung für den WAF, denn Haist war zu diesem Zeitpunkt in Hochform und der einzige WAF-Spieler in der Nationalmannschaft. Im Elisabethspital gab er kurz vor Saisonbeginn dem Sportblatt ein Interview und erzählte über seine Anfänge im Fußball, die vor 7 Jahren mit Gleichaltrigen aus der Nachbarschaft und einem Fetzenball aus der 'Hausindustrie' begannen. 3 Jahre später, mit 15, schloss er sich seinem ersten Verein an, der Normannia aus Simmering - dem Verein, in dem auch Simmerings Goalgetter Josef Kudin entdeckt wurde. Bevor Haist zum WAF wechselte, spielte er noch kurze Zeit bei einem Verein mit dem klingenden Namen Neptun. Mit Rührung sprach Haist von den Sympathiebeweisen nach dem Unfall und hob die aufopfernde Pflege im Krankenhaus hervor.
Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 1192, 1305-1313
Josef Haist, gerade erst von einer schweren Verletzung vor der Frühjahrssaison 1914 genesen, musste fast vom Krankenbett direkt in den Krieg ganz vorne an die Front im Osten und erlebte dort in einem schweren Gefecht seine Feuertaufe - er blieb unverletzt, erkrankte aber und lag wieder im Krankenbett. Bei einem Frontbesuch wurde er beschrieben: er schlenderte 'seelenvergnügt' über die Straße und kaute an einem mächtigen Stück Kriegsbrot, mit frischer Gesichtsfarbe und vollen, runden Backen als Beweis dafür, dass die Wiener Küche selbst im Felde nicht völlig versagte. Wegen seines gebrochenen Haxels wurde er nur zu leichteren Diensten herangezogen, war bei Vorgesetzten gleich beliebt und es fehlte ihm zur vollen irdischen Glückseligkeit nur das regelmäßige Fußballspiel. Im Mai 1915 schrieb er von der russisch-polnischen Front: 'Wir haben auf unserem Armee Gepäcksmarsch an die Weichsel noch einige Stacheldrahthürden zu nehmen, rasten auf dieser Stelle einige Zeit aus, um dann sicher im Spurt die letzte Etappe überwinden zu können.'
Quelle: Fussball im Ersten Weltkrieg: Österreichs erste Meisterschaft im Krieg 1914/15, Abs. 177, 1238, 1748, 2421