Spielerprofil
Josef Richter
Vereine & Saisonen
Zu diesem Spieler liegen keine Vereins- oder Saisonangaben vor.
Zur Person
Josef Richter war beim Start der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12 für die Kampfmannschaft der Hertha ungefähr so relevant wie ein Regenschirm in der Wüste. Während andere bereits um Punkte und Tabellenplätze stritten, war von ihm in der ersten Garnitur noch nichts zu sehen.
Erst in der zweiten Meisterschaftssaison 1912/13 begann der Name Josef Richter langsam in den Zeitungen aufzutauchen. Am 1. November 1912, als die Hertha zu Hause gegen den FAC mit 1:2 verlor, sorgte er wenigstens dafür, dass die Zuschauer nicht völlig umsonst gekommen waren. Mit seinem Anschlusstreffer in der zweiten Halbzeit brachte er noch einmal Leben in die Angelegenheit und stellte gleichzeitig seine Visitenkarte bei der Kampfmannschaft ab.
Danach entwickelte sich Richter zu einem jener Herren, die den Berichterstattern regelmäßig Arbeit verschafften. Immer häufiger tauchte sein Name unter den Torschützen auf, und ehe man sich versah, war er auf dem linken Flügel der Hertha so selbstverständlich geworden wie die Beschwerden über den Schiedsrichter oder die Diskussionen nach dem Match im Wirtshaus. Wer die Startformation aufschrieb und Josef Richter vergaß, konnte den Bleistift gleich wieder spitzen.
Besonders in seiner Glanzsaison 1913/14 machte sich der flinke Linksaußen einen Namen. Der Mann besaß Tempo und war für gegnerische Verteidiger ungefähr so angenehm wie ein Zahnweh am Sonntag. Kaum hatte man ihn im Griff, war er schon wieder vorbeigehuscht und sorgte für allgemeine Aufregung im Strafraum. Kein Wunder, dass er als gefürchteter Flügelstürmer galt.
Dabei war Richter nicht nur schnell, sondern auch ein Mann mit reichlich Gemüt. Er spielte mit dem Herzen, und dieses Herz kochte gelegentlich schneller über als ein schlecht beaufsichtigter Suppentopf. Emotional und aufbrausend war er, und vermutlich hätte er sogar mit dem eigenen Schatten eine hitzige Diskussion beginnen können, wenn dieser im falschen Moment aufgetaucht wäre.
Dann kam der Erste Weltkrieg, der bekanntlich keine Rücksicht auf die Aufstellung einer Fußballmannschaft nahm. Josef Richter geriet in russische Kriegsgefangenschaft. Nach dem Frieden mit Russland im März 1918 konnte er jedoch überraschend rasch nach Wien zurückkehren. Andere hätten sich vielleicht erst einmal ein paar Wochen Ruhe gegönnt. Nicht so Richter. Kaum wieder daheim, zog es ihn offenbar stärker zum Fußballplatz als zum Lehnstuhl. Schon am 7. April 1918 stand er wieder für die Hertha in einem Meisterschaftsspiel auf dem Feld, als hätte er bloß einen etwas längeren Auswärtsausflug hinter sich.
Seine Laufbahn näherte sich allerdings langsam dem Ende. Nach der Sommerpause 1919 verliert sich seine Spur. So verschwand Josef Richter aus den Fußballberichten beinahe so plötzlich, wie er einige Jahre zuvor darin aufgetaucht war. Zurück blieb die Erinnerung an einen pfeilschnellen Linksaußen mit heißem Temperament, der seine Gegner zur Verzweiflung und die Zeitungssetzer regelmäßig zum Buchstabieren seines Namens brachte.
Anekdoten & Zitate
Zu Josef Richter sind derzeit keine Anekdoten verzeichnet.