Spielerprofil
Karl Kurz
Galt in jungen Jahren als "Das Wunderkind".
Vereine & Saisonen
Aufstellungen
| Datum | Heim | Gast | Position |
|---|---|---|---|
| 1920-09-08 | Amateure | WAF | right_half |
| 1920-09-12 | Sportclub | Amateure | right_half |
| 1920-09-19 | Amateure | Vienna | centre_half |
| 1920-10-24 | Rapid | Amateure | left_half |
| 1920-12-05 | Admira | Amateure | left_half |
| 1920-12-12 | Amateure | FAC | centre_half |
| 1921-01-16 | Simmering | Amateure | left_half |
| 1921-04-17 | Vienna | Admira | left_half |
| 1921-05-29 | Rapid | Vienna | left_half |
| 1921-06-05 | FAC | Vienna | left_half |
| 1921-06-19 | Vienna | Hakoah | left_half |
| 1921-06-22 | Wacker | Vienna | left_half |
| 1921-06-29 | Vienna | Rudolfshügel | right_half |
| 1921-07-03 | Hertha | Vienna | left_half |
| 1921-07-07 | Vienna | WAF | left_half |
Zur Person
Karl Kurz – der Mann, der zwar Kurz hieß, aber überall lange Spuren hinterließ
Karl Kurz wurde am 21. November 1898 geboren und sollte später einer der elegantesten Fußballer Österreichs werden. Was ihm an Körpergewicht fehlte, ersetzte er durch Technik, Übersicht und eine gewisse Unverschämtheit gegenüber dem Ball, der sich weigerte, sich von ihm zu trennen. Zeitgenossen beschrieben ihn als schmächtig. Mit anderen Worten: Wenn damals ein stärkerer Wind durch Döbling wehte, mussten Mitspieler aufpassen, dass der Nationalspieler nicht versehentlich bis nach Brünn getragen wurde.
Seine ersten Fußballversuche unternahm er als Gymnasiast auf dem Exerzierplatz in Klosterneuburg. Dort lernte er alles, was ein zukünftiger Meister seines Fachs können musste: Ball stoppen, passen und rechtzeitig verschwinden, wenn irgendein Feldwebel schlechte Laune hatte.
Nach Jugendjahren bei der Vienna und einer Zwischenstation beim FAC wechselte er 1915 zu den Wiener Amateuren. Eigentlich hätte die Weltkarriere beginnen können, aber die Geschichte hatte andere Pläne. 1916 musste er einrücken, wurde im Krieg verwundet und kehrte erst 1917 zurück. Andere Menschen hätten sich nach so etwas vielleicht eine ruhige Tätigkeit als Briefmarkensammler gesucht. Karl Kurz beschloss dagegen, Nationalspieler zu werden.
Er war kein Mann für Muskelspiele. Während andere Außenläufer aussahen, als würden sie Kohlesäcke schleppen, wirkte Karl Kurz eher wie ein Student, der versehentlich auf einem Fußballplatz gelandet war. Aber wehe, er bekam den Ball. Dann spielte er Pässe, die so präzise waren, dass manche Zuschauer überzeugt waren, er hätte vorher heimlich mit einem Lineal Maß genommen.
Seine Fähigkeiten führten sogar zu handfesten Prügeleien. Nach einem Spiel der niederösterreichischen Auswahl gegen Süddeutschland gerieten zwei Buben darüber in Streit, ob Karl Kurz oder Johann Baar der bessere Spieler gewesen sei. Die Diskussion eskalierte in einer Weise, die österreichischen Fußballstammtischen bis heute zur Ehre gereicht.
Nachdem der Baar-Anhänger ordentlich vermöbelt worden war, fragte ihn der Sieger:
„Na, wer war jetzt der Bessere?“
Darauf antwortete das geschlagene Opfer mit der Weisheit eines Philosophen:
„Der Kurz, aber er wäre viel schlechter gewesen, wenn der Baar nicht so gut gewesen wäre.“
Diese Antwort löste zwar keine wissenschaftlichen Probleme, dafür aber sämtliche Zähne im vorderen Bereich.
1920 galt Karl Kurz bereits als Jungstar. Das Problem war nur, dass die Amateure so stark besetzt waren, dass Trainer und Funktionäre manchmal schlicht keinen Platz für ihn fanden. Man stelle sich das vor: Man besitzt einen Karl Kurz und weiß nicht, wohin mit ihm. Das war ungefähr so, als hätte Mozart im Orchester sitzen müssen und man hätte ihm erklärt, leider sei gerade kein Klavier frei.
Später wechselte er zwischen Austria, Vienna und Simmering hin und her. Dass ihn dabei alle Vereine mochten, war ein Wunder, das von der katholischen Kirche bis heute nicht untersucht worden ist.
Bei Simmering entwickelte sich Karl Kurz zu einer Art Schiffskapitän. Er kommandierte seine Mannschaft derart energisch über den Platz, dass Beobachter überzeugt waren, der Mann müsse in seiner Freizeit Dampfer auf der Donau steuern.
„Steuerbord! Vorwärts! Deckung übernehmen!“
Manche Mitspieler waren sich nicht sicher, ob sie Fußball spielten oder kurz vor Triest in einen Sturm geraten waren.
Allerdings war auch ein Genie nicht vor Rückschlägen geschützt. Gegen den FAC wurde er auf der linken Seite eingesetzt und irrte dort dermaßen orientierungslos herum, als hätte man einen Fiakerfahrer plötzlich ins Cockpit eines Flugzeugs gesetzt. Karl Kurz war Spielmacher und kein Tourist.
Im Dezember 1922 unterlief ihm dann „ein arger Fehler“. Er verschoss einen Elfmeter. Die Tragödie war vermutlich bis nach Favoriten zu hören. Manche Zuschauer sollen noch Jahre später beim Anblick eines Elfmeterpunktes nervös gezuckt haben.
International dagegen glänzte er regelmäßig. Im Länderspiel gegen die Schweiz lief praktisch jeder Angriff über ihn. Er war kaum vom Ball zu trennen. Mehrere Schweizer Spieler sollen sich nach dem Match gefragt haben, ob der Österreicher den Ball vielleicht heimlich angenäht hatte.
Bei der Eröffnung der Hohen Warte gegen die Hakoah überragte er laut Zeitungsberichten „seine gesamte Umgebung“. Das klingt ein wenig so, als wäre er zwei Meter fünfzig groß gewesen. Tatsächlich war gemeint, dass er überall gleichzeitig auftauchte. Vorne dirigierte er den Angriff, hinten rettete er in höchster Not. Vermutlich hätte er auch noch die Eintrittskarten kontrolliert, wenn man ihn darum gebeten hätte.
Beim Spiel Niederösterreich gegen Süddeutschland war allerdings nach einer Stunde die Luft draußen. Karl Kurz war vollkommen ausgepowert. Seine Gegner bemerkten dies aber nicht oder waren selbst zu erschöpft. Somit entstand ein seltenes Schauspiel: Zwei Mannschaften, die einander aus lauter Müdigkeit nicht besiegen konnten.
1925 entwickelte sich um seinen Wechsel ein Rechtsstreit zwischen Simmering und der Vienna. Die Presse amüsierte sich köstlich darüber. Ausgerechnet ein Spieler namens Kurz verursachte einen Streit, der sich in die Länge zog. Wäre er Lang geheißen, hätte man es wenigstens verstanden.
Später wurde Karl Kurz Trainer, arbeitete sogar in Lettland und führte den FC Basel 1933 zum ersten großen Titel der Vereinsgeschichte. Selbst die Schweizer, die normalerweise für ihre Ruhe bekannt sind, mussten zugeben, dass der Wiener ein außergewöhnlicher Fußballfachmann war.
Doch während er andere Mannschaften zum Erfolg führte, kämpfte er selbst gegen eine schwere Krankheit. Leukämie zwang ihn schon früh zum Karriereende. Am 26. November 1933 starb Karl Kurz in Basel, nur fünf Tage nach seinem 35. Geburtstag.
So endete das Leben eines Mannes, der überall spielte, überall geschätzt wurde und dessen Name zwar Kurz lautete, dessen Wirkung auf den österreichischen Fußball jedoch ausgesprochen lang war.
Und irgendwo im Himmel diskutieren vermutlich noch immer zwei Buben darüber, ob eigentlich Karl Kurz oder Johann Baar der bessere Spieler gewesen ist.
Anekdoten & Zitate
Bei der niederösterreichischen Verbandsauswahl gegen Süddeutschland erzielte der Mittelfeldspieler im Mittelfeld, doch nach dem Spiel gerieten zwei Buben über die Frage, ob er oder Johann Baar der bessere gewesen sei, derart in Streit, dass sie sich raufen mussten. Als der Kurz-Anhänger fragte, wer der Bessere gewesen sei, antwortete das geschlagene Baar-Opfer: "Der Kurz, aber er wäre viel schlechter gewesen, wenn der Baar nicht so gut gewesen wäre."
Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 220
Beim Saisonstart spielte der "Jungstar" zunächst nicht in der Startelf, da die Amateure mit Viktor Löwenfeld in bester Besetzung antraten und für ihn kein Platz war.
Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 568
Beim 0:2 gegen den FAC fand sich der "Topstar" auf seiner neuen Position im linken Mittelfeld gar nicht zurecht - er hatte sich zu sehr an seine Rolle als Spielmacher gewöhnt.
Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 1797
Im Länderspiel gegen die Schweiz glänzte der Topstar mit hervorragender Technik im Mittelfeld - kaum vom Ball zu trennen, exakt im Zuspiel, fast alle Angriffe der ersten Halbzeit liefen über ihn.
Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 3045
Bei der Eröffnung der neuen Hohen Warte gegen Hakoah überragte der linke Mittelfeldspieler "seine gesamte Umgebung" - er war der Dirigent des Angriffs und ständiger Retter in kritischen Situationen vor dem eigenen Tor.
Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 3899
Im Länderspiel Süddeutschland gegen Niederösterreich (26. Februar 1922, 0:2) war österreichischer Mittelläufer Karl Kurz nach einer Stunde völlig ausgepowert - eine Schwäche, die die Niederösterreicher jedoch nicht für einen Konter nutzen konnten.
Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Spielbericht 'Süddeutschland - Niederösterreich 2:0', Para. 1797
'Einen argen Fehler' – verschießt einen Elfmeter (Dez. 1922).
Quelle: Fußball Tagebuch 1922/23 (Buch12), Zeile ~2400
Um den Wechsel von Karl Kurz von Simmering zu Vienna entbrennt im März 1925 ein Rechtsstreit zwischen den beiden Vereinen. Die Kolumne kommentiert die Affäre ironisch, da der Name 'Kurz' so gar nicht zur Länge des Streits passe.
Quelle: Hakoah Wien: Der einzige Meistertitel - Fußball Tagebuch 1924/25 (Buch14.docx; Seitenzahlen im extrahierten Text nicht vorhanden)
Bei Simmering wird Karl Kurz wegen seiner kommandierenden Art auf dem Spielfeld humorvoll mit einem Schiffskapitän verglichen, der seine Mannschaft wie eine Crew dirigiert.
Quelle: Hakoah Wien: Der einzige Meistertitel - Fußball Tagebuch 1924/25 (Buch14.docx; Seitenzahlen im extrahierten Text nicht vorhanden)