Spielerprofil
Karl Lanzer
Vereine & Saisonen
Zur Person
Karl Lanzer war einer von gleich vier fußballspielenden Lanzer-Brüdern und in Österreichs erster Meisterschaft 1911/12 so etwas wie die Speerspitze der familiären Fußballproduktion. Während andere Vereine froh waren, überhaupt elf Spieler aufzutreiben, konnte die Hertha gleich auf mehrere Lanzers zurückgreifen. Karl war dabei allerdings das Prunkstück der Sammlung.
Meist wirbelte er als rechter Flügelangreifer über den Platz, wobei „wirbeln“ manchmal auch bedeutete, dass er sich mit Gegnern, Schiedsrichtern oder seinem eigenen Temperament anlegte. Karl Lanzer galt nämlich als ausgesprochener Heißsporn. Ausschlüsse gehörten bei ihm beinahe zum Arbeitsalltag. Wenn irgendwo ein Spieler mit hochrotem Kopf diskutierte und kurz darauf Richtung Kabine marschierte, bestand eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass es Karl Lanzer war.
Trotz seiner gelegentlichen Ausflüge aus dem Spielgeschehen galt er als der talentierteste der vier Brüder und wurde schon früh als einer der ersten Stars der Hertha angesehen. Damals, als man noch keine Autogrammkarten und keine sozialen Medien hatte, musste man sich seinen Ruhm eben ganz altmodisch durch Tore, Dribblings und gelegentliche Aufregungen verdienen.
Seine Leistungen blieben nicht unbemerkt. In der Saison 1912/13 klopfte der große WAF an und verpflichtete den Hertha-Mann. Für Karl war das gewissermaßen der Sprung in die erste Klasse der Wiener Fußballgesellschaft. Doch der große Durchbruch blieb aus. Im Trikot des WAF kam er nur zu wenigen Einsätzen und stellte wohl fest, dass auch ein großer Verein keine Garantie dafür ist, ständig auf dem Rasen herumzustürmen.
Schon zu Beginn der Saison 1913/14 kehrte der verlorene Sohn wieder zur Wiener Hertha zurück. Offenbar waren die Herthaner und Karl Lanzer füreinander geschaffen. Und wahrscheinlich wusste man dort auch schon ganz genau, was man bekam: einen hervorragenden Flügelstürmer, einen Publikumsliebling und einen Mann, bei dem es niemals langweilig wurde – weder für die Zuschauer noch für den armen Schiedsrichter.
Anekdoten & Zitate
Einer der berüchtigten Lanzer Brüder der Hertha - Karl - entpuppte sich im Spiel Hertha - Cricket (3:0) wieder einmal als Heißsporn und wurde gegen Ende des Spiels ausgeschlossen.
Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 1246
Im Spiel Hertha - FAC (1:0) waren alle 4 Lanzer-Brüder (Leopold, Gustav, Karl und Adolf) für Hertha im Einsatz. Das Goldtor erzielte Karl Lanzer.
Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 853
Der WAF verstärkte sich in der Sommerpause 1912 mit dem rechten Flügelstürmer Karl Lanzer von der Hertha. Beim 4:1-Testspielsieg gegen die Cricketer gelang ihm ein Tor und er konnte sich gut einfügen. Glücklich wurde er beim WAF aber nicht; im Frühjahr lief er bereits wieder für die Hertha auf.
Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 199