Spielerprofil
Karl Pekarna
Vereine & Saisonen
Zur Person
Als in Österreich in der Saison 1911/12 erstmals um Meisterehren gespielt wurde, war Karl Pekarna bereits mehr als nur ein Torhüter. Der damals 30-Jährige war eine lebende Legende, ein Name, den man weit über die Grenzen Wiens hinaus kannte. Während die junge österreichische Meisterschaft ihre ersten Schritte machte, stand Pekarna bereits beim FC Bayern München unter Vertrag. Schon 1905 hatten ihn die Glasgow Rangers verpflichtet. Damit war er nicht nur der erste Legionär des österreichischen Fußballs, sondern überhaupt der erste Spieler vom europäischen Festland, der sein Glück auf der britischen Insel suchte. Von 1910 bis 1914 hütete er das Tor der Münchner Bayern, ehe der Ausbruch des Ersten Weltkriegs ihn aus Bayern zurück nach Wien führte, wo er bei den Deutschmeistern seinen Militärdienst versah.
Am 16. November 1915 berichteten die Zeitungen mit sichtlicher Freude über das Wiederauftreten des alten Meisters. Nach langer Abwesenheit stand Karl Pekarna wieder auf dem grünen Rasen und bewies, dass die Jahre seiner Klasse kaum etwas anhaben konnten. Noch immer strahlte er jene Ruhe und Sicherheit aus, die ihn einst berühmt gemacht hatten.
1916 kehrte er schließlich zu seinem alten Herzensverein Vienna zurück. Am 21. Mai stand der mittlerweile 35-Jährige in Prag gegen Slavia vor 4.000 Zuschauern zwischen den Pfosten. Die Döblinger gingen mit 0:5 unter, doch während die Mannschaft auseinanderfiel, stemmte sich der alte Meister mit aller Kraft gegen die Niederlage. Karl Pekarna war der beste Mann der Vienna und verhinderte mit zahlreichen Glanzparaden eine noch größere Demütigung.
In der Saison 1916/17 schloss sich der einstige internationale Star dem Zweitligisten Slovan an. Man schrieb, er habe nichts von seiner alten Klasse eingebüßt. Selbst als die Kräfte langsam nachließen, blieb sein Name ein Synonym für Zuverlässigkeit. Es war vor allem sein Verdienst, dass Slovan im Mai 1917 gegen Donaustadt nur knapp mit 1:2 unterlag.
Doch auch eine Legende blieb nicht vor bitteren Stunden verschont. Am 12. August 1917 musste er mit Slovan gegen Slavia Prag ein vernichtendes 1:9 hinnehmen. Im Laufe der Saison übernahm er sogar kurzfristig das Traineramt, kehrte aber bald wieder dorthin zurück, wo er sich am wohlsten fühlte: zwischen die Torpfosten.
Am 9. Juni 1918 zeigte der alte Meister noch einmal seine Größe. Slovan besiegte Donaustadt vor 2.000 Zuschauern mit 4:3. Die Sport-Rundschau sprach von einem hochklassigen Spiel, und im Tor stand Karl Pekarna, der trotz seines Alters immer noch Leistungen zeigte, die jüngere Kollegen vor Neid erblassen ließen.
So groß war sein Ruf, dass viele Leserbriefschreiber im Herbst 1918 sogar seine Rückkehr in die Nationalmannschaft forderten. Für die Länderspiele gegen Ungarn wünschten sie sich keinen der jungen Torhüter, sondern den alten Karl Pekarna. Ende Oktober schrieb die Sport-Rundschau voller Hochachtung:
„Der alte Pekarna ist routinierter und namentlich verlässlicher als irgend ein anderer Wiener Torwächter.“
Selbst im Jahr 1919, als er bereits auf sein vierzigstes Lebensjahr zuging, ließ er sein Können immer wieder aufblitzen. Am 13. April hielt er für Slovan beim 1:1 gegen Admira überragend und bewahrte seine Mannschaft vor einer Niederlage.
Als die Vienna im Sommer 1919 in die höchste Spielklasse zurückkehrte, erinnerte man sich an ihren alten Helden. Am 18. Oktober stand Karl Pekarna überraschend wieder im Tor der Döblinger. Viele hatten gezweifelt. Doch der Vierzigjährige belehrte alle eines Besseren. Mit seiner Ruhe und Erfahrung verlieh er der Mannschaft Sicherheit, und die Vienna bezwang den WAC mit 3:0.
Drei Tage später schrieb das Sportblatt bewundernd, man habe seinem Wiederauftreten mit Sorge entgegengesehen, denn in einem Alter, in dem sich gewöhnlich Behäbigkeit und Ruhebedürfnis einstellten, sei Pekarna noch immer bereit gewesen, Verantwortung zu übernehmen. Technisch seien seine Aktionen tadellos gewesen, und vor allem seine taktische Klugheit habe die Reinheit seines Heiligtums bewahrt.
Doch die Zeit war unerbittlich. Die Rückkehr des alten Helden kostete das junge Tormanntalent Franz Schubert den Stammplatz. Dieser dachte bereits daran, die Vienna zu verlassen. Und auch Pekarna selbst konnte den Lauf der Jahre nicht aufhalten. Gegen die übermächtigen Amateure unterlief ihm beim 1:3 ein unglücklicher Fehler, als er sich den Ball selbst ins Tor schlug. Fortan häuften sich die Unsicherheiten. Der einst unbezwingbare Torwart wurde mehr und mehr vom Alter eingeholt.
Anfang 1920 war sogar der MTK Budapest an ihm interessiert. Noch immer galt er als wertvolle Kraft, doch selbst die Zeitungen schrieben inzwischen, dass der große Karl Pekarna wohl nicht mehr allzu lange spielen werde.
Er entschied sich gegen das Angebot aus Budapest und kehrte noch einmal zu den Münchner Bayern zurück. Fast sechs Jahre nach seinem Abschied stand er wieder im Tor jenes Vereins, bei dem er einst große Erfolge gefeiert hatte. Doch die Rückkehr wurde kein glückliches Kapitel. Die Leistungen entsprachen nicht mehr den Erwartungen, auch finanziell war er unzufrieden, und schon bald zog es ihn wieder nach Wien.
Doch das Schicksal sollte noch grausamer mit ihm verfahren.
Im Jahr 1920 verlor Karl Pekarna seinen jüngeren Bruder Ludwig. Dieser starb während eines Spiels der Vienna in Deutschland. Der Verlust traf ihn schwer.
Noch einmal versuchte er sich als Trainer in Westdeutschland und betreute Vereine wie Düren und Alemannia Aachen. Doch seine Heimat blieb Wien, wohin er schließlich zurückkehrte.
Der schwerste Schlag aber sollte erst noch folgen.
1926 erlitt Karl Pekarna, mittlerweile als Lehrer tätig, einen Schlaganfall. Der einst gefeierte Torhüter, der beste seiner Zeit, war plötzlich halbseitig gelähmt und an den Rollstuhl gefesselt. Er konnte seinen Beruf nicht mehr ausüben. Aus dem Mann, dessen Name einst bis nach Glasgow und München geklungen hatte, wurde ein stiller, schwer gezeichneter Mensch, der sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurückzog.
Als Karl Pekarna im Jahr 1946 in Wien starb, nahm die Welt kaum noch Notiz von ihm. Der Held vergangener Tage, der erste österreichische Legionär und einer der größten Torhüter seiner Epoche, starb vereinsamt und beinahe vergessen.
Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Sieveringer Friedhof im 19. Bezirk.
Otto Nerz, der deutsche Reichstrainer, hatte ihn einst mit wenigen Worten unsterblich gemacht. Er nannte Karl Pekarna
„den besten Torhüter seiner Zeit“.
Vielleicht ist genau das die Tragik seines Lebens: Dass ein Mann, der einst seiner Zeit voraus gewesen war, schließlich von der Zeit selbst überholt und vergessen wurde.
Anekdoten & Zitate
Karl Pekarna war ein damals 34-jähriger Torhüter, der als erster Fußballlegionär Österreichs gilt. Der gelernte Postbote erkämpfte sich im Mai 1900 als 18-jähriger einen Stammplatz im Tor der Vienna, nachdem sich Viennas erster Torwartstar Karl Mollisch verletzte, und avancierte binnen kurzer Zeit zur Tormannsensation Wiens - er beherrschte den Strafraum wie kein anderer und war am Boden ebenso stark wie in der Luft. 1904 wurden die Glasgow Rangers auf ihn aufmerksam und boten ihm einen Profivertrag - Pekarna reiste zu Weihnachten 1904 nach Glasgow und wurde damit zum ersten Fußballlegionär vom europäischen Festland auf der britischen Insel und zu Österreichs erstem Fußballprofi überhaupt. Doch das Heimweh plagte ihn: er pfiff auf seinen hochdotierten Vertrag und kehrte schon Mitte 1905 nach Wien zurück, stand ab September 1905 wieder bei der Vienna im Tor. Drei Jahre später wechselte er zu Wacker München, 1910 mit einer Rekordsumme zum FC Bayern, wo er 4 Jahre im Tor stand bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Bis 1914 lebte er mit Frau und zwei Töchtern in München und arbeitete als Abteilungsleiter eines Sportartikelgeschäfts. Im November 1915 diente er bei den Deutschmeistern in Wien und spielte sonntags wieder für Viktoria. Nach dem Krieg zog er zurück nach Wien und beendete 1919 seine Spielerlaufbahn beim SK Slovan ve Vídni. 1921 versuchte er sich kurz als Trainer in Deutschland (Düren, Alemannia Aachen). 1926 erlitt er einen Schlaganfall, der ihn halbseitig lähmte und in den Rollstuhl zwang - er musste seinen Beruf als Lehrer aufgeben. 1946, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, verstarb der einstige Fußballheld Karl Pekarna vollkommen vereinsamt und von der Öffentlichkeit vergessen in Wien. Sein Grab befindet sich auf dem Sieveringer Friedhof (Gruppe 27, Reihe 8, Nr. 9).
Quelle: Rapid Wien oder FAC: Der spannende Krimi um den Meistertitel 1915/16, Abs. 1195-1199
Der 40-jährige Karl Pekarna gab anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums der Vienna ein Comeback im Tor gegen den WAC.
Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 1509
Beim Pokalspiel gegen den Sportclub stand schon nicht mehr Karl Pekarna im Tor der Vienna, sondern sein jüngerer Bruder Ludwig Pekarna, der gut hielt und eine höhere Niederlage verhinderte.
Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 3084
Die alte Torhüterlegende Karl Pekarna war beim ungarischen Spitzenklub MTK Budapest im Gespräch, der ihm eine wertvolle Verstärkung erhofft hätte, obwohl Pekarna nicht mehr zu den Jüngsten zählte.
Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 3057
Karl Pekarna entschied sich gegen das lukrative Angebot von MTK Budapest und kehrte wieder nach München zum FC Bayern zurück.
Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 3197
Kaum nach München zurückgekehrt, hatte Karl Pekarna schon wieder Sehnsucht nach Wien: Er hatte im Spiel seines Vereins gegen Stuttgart nicht überzeugt, war mit seinem Münchner Aufenthalt finanziell unzufrieden und stand bereits nicht mehr in seiner Mannschaft.
Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 4554
Karl Pekarna wurde als Trainer des Zweitligisten Slovan in der offiziellen Trainerliste der Saison genannt.
Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 1853