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Aus der Buchreihe Österreich Ungarn Fussball 1917/18
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Spielerprofil

Karl Tekusch

Karl Tekusch – Karl Tekusch
Karl Tekusch

Vereine & Saisonen

WAF
1911/12 1912/13 1913/14 1919/20 1920/21

Zur Person

Karl Tekusch war beim Start der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12 gerade einmal 20 Jahre alt und eigentlich schon dort, wo andere Fußballer erst mit 30 und drei autobiographischen Büchern hinwollen: am Höhepunkt seiner Karriere. Das Problem war nur, dass der junge Herr nebenbei Germanistik und Romanistik studierte. Während andere ihre Freizeit mit Flanken und Eckbällen verbrachten, kämpfte Tekusch mit französischen Verben und deutschen Satzgefügen. Der Ball musste sich den Stundenplan mit Goethe und Molière teilen – und verlor diesen Kampf meist deutlich.

Ganz reichte es später nicht mehr an seine frühen Glanzleistungen heran, aber schlecht war er deswegen noch lange nicht. Immerhin wurde er weiterhin regelmäßig in die österreichische Nationalmannschaft berufen und brachte es auf insgesamt 15 Länderspiele. Andere Spieler hätten dafür ihre gesamte Bibliothek verkauft.

Schon mit 17 Jahren gehörte Karl Tekusch jener legendären WAC-Mannschaft an, die den dreifachen englischen Meister FC Sunderland mit 2:1 bezwingen konnte. Für die Engländer war das ungefähr so angenehm wie ein Regentag in Brighton, für Wien hingegen eine Sensation, über die man noch lange sprach.

Im Sommer 1910 krachte es beim WAC. Es ging ums Mitspracherecht, und Karl Tekusch entschied, dass man sich nicht alles gefallen lassen müsse. Also verließ er den Verein und gehörte zu den Gründern des WAF. Sozusagen ein Fußball-Revolutionär mit Wörterbuch.

Am 27. August 1911 schrieb er dann Geschichte. Beim ersten Spiel einer österreichischen Meisterschaft überhaupt stand er als linker Mittelfeldspieler in der Mannschaft des WAF. Am Cricketplatz in der Engerthstraße wurde der FAC mit 3:1 besiegt. Links im Mittelfeld fühlte sich Tekusch derart wohl, als hätte man die Position eigens für ihn erfunden. Dort feierte er auch seine größten Erfolge und verteilte Bälle mit der Zuverlässigkeit eines Wiener Briefträgers aus besseren Zeiten.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, war Tekusch von Anfang an als Soldat im Einsatz. Anders als sein Bruder Felix Tekusch verspürte er während eines Heimaturlaubs keinerlei Drang, zwischen zwei militärischen Verpflichtungen noch rasch ein Fußballspiel einzuschieben. Andere gingen auf den Ballplatz, Karl offenbar lieber auf Distanz. Fußball war schön, aber Urlaub war Urlaub.

Im zivilen Leben arbeitete er als Lehrer. Seine Karriere nach dem Zweiten Weltkrieg verlief allerdings deutlich weniger erfolgreich. Aufgrund seiner Mitgliedschaft in der NSDAP erhielt er Berufsverbot. So endete das Leben eines Mannes, der einst zu den größten Stars des österreichischen Fußballs gezählt hatte, auf sehr stille und traurige Weise. Karl Tekusch starb am 28. Dezember 1977 verarmt in einem Pflegeheim in Wien.

Zu Beginn der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12 gehörte Karl Tekusch zu den ganz großen Namen. Er war ein Mann, der den FC Sunderland schockierte, Nationalspieler wurde, den WAF mitgründete und nebenbei noch versuchte, lateinische Wurzeln und französische Grammatik unter einen Hut zu bringen. Für einen 20-Jährigen war das nicht schlecht. Andere schaffen in diesem Alter gerade einmal die Bedienungsanleitung ihrer Kaffeemaschine.

Anekdoten & Zitate

Karl Tekusch galt bei Saisonbeginn 1911/12 als einer der besten Flügelstürmer der gesamten Liga. Seine Leidenschaft galt der deutschen Sprache; er widmete sich sein Leben lang der Sprachpflege und wurde nach seiner Fußballkarriere Gymnasiallehrer für Deutsch und Französisch. Er überlebte den ersten Weltkrieg als Soldat an der Front. Nach dem zweiten Weltkrieg erhielt er auf Grund seiner NSDAP-Mitgliedschaft ein lebenslanges Berufsverbot als Lehrer. Er starb am 28. Dezember 1977 mittellos in einem Wiener Pflegeheim.

WAF · Saison 1911/12 ·tragisch

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 20-27

Karl Tekusch und Johann Weinberg waren beim WAF Mannschaftskameraden (Bild zum Spiel WAF - Hertha 2:0), später aber politische Gegner: Karl Tekusch trat schon früh 1932 der illegalen NSDAP in Österreich bei, 10 Jahre später wurde Weinberg deportiert und ermordet. Der damals 22-jährige Tekusch verstarb am 28. Dezember 1977 unvermögend in einem Pflegeheim in Wien und wurde am 16. Januar 1978 beerdigt.

WAF · Saison 1912/13 ·tragisch

Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 256, 1190

Karl Tekusch erwischte im Spiel WAF - Simmering (0:1) einen eher schlechten Tag. 'Er dürfte überhaupt mit dem falschen Fuß aufgestanden sein, denn seine üble Laune war bis in die letzte Zuschauerreihe spürbar.'

WAF · Saison 1912/13 ·lustig

Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 1449

Im Spiel Simmering - WAF (3:2) wurde im Sportblatt scharf kritisiert: 'Verteidiger Rudolf Axmann hatte von seiner Leistungsfähigkeit schon einiges eingebüßt. Sein Kollege Felix Tekusch konnte seine seit Jahren bestehende Unsicherheit nicht mehr durch Schnelligkeit und Temperament aufwiegen, Adolf Fischera war trotz seiner famosen Balltechnik taktisch für die Position im Mittelfeld zu schwach, Leopold Heinz zu schwerfällig, und von dem einst schnellen, beweglichen, und unermüdlich tätigen Karl Tekusch war kaum mehr ein Schatten übrig. Bei Karl Tekusch vermutete man eine geheimnisvolle Erkrankung, oder es war eine Überlastung im Studium, die Schuld an diesem unerklärlichen Formrückgang war.'

WAF · Saison 1913/14 ·Zitat

Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 745

Im Spiel WAF - WAC (2:0) hatte Karl Tekusch seine Formkrise aus dem letzten Jahr überwunden und spielte jetzt wieder 'frisch und fleißig' wie in seinen besten Tagen - Teil des defensiven Mittelfelds, das mit grenzenloser Aufopferung an seiner Zerstörungsarbeit arbeitete.

WAF · Saison 1913/14 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 1512

Bester Mann beim WAF im Spiel FAC - WAF (2:3) war wieder einmal Karl Tekusch im Mittelfeld - er war Stabilisator, Spielgestalter und Motivator in einer Person. Besonders als es kurz vor Schluss noch 2:2 stand, wurde er nicht müde, seinen Mitspielern an ihre letzten Kraftreserven zu erinnern, um den wichtigen Siegestreffer zu erzielen.

WAF · Saison 1913/14 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 2084

Der 29-jährige Karl Tekusch, der beim Start der ersten Ligasaison 1911 zu den größten und populärsten Stars des Landes zählte, brachte nach langer Pause eine grandiose Leistung gegen Rapid und spielte so gut wie in seinen besten Zeiten - ein Grund für die sensationelle Niederlage Rapids.

WAF · Saison 1919/20 ·außergewöhnlich

Quelle: Österreichische Geschichte - Fussball Tagebuch 1919/20, Zeile 4293

Der ehemalige WAF-Star verkehrte gerne im Cafe Lovrana in der Löwengasse 36 im 3. Bezirk, einem beliebten Treffpunkt alter WAF-Stars. Das Cafe war zugleich Sitz des Zionistischen Landesverbandes; die Eigentümer Anna, Herta und Josef Schwimmer wurden am 11. November 1942 nach Riga deportiert und dort ermordet. Heute befindet sich an dieser Stelle eine Buchhandlung.

WAF · Saison 1920/21 ·tragisch

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 106