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Aus der Buchreihe Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde
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Spielerprofil

Leopold Bode

Leopold Bode – Leopold Bode
Leopold Bode (WAF)

Vereine & Saisonen

WAF
1912/13 1913/14 1914/15 1915/16

Zur Person

Leopold Bode gehörte zu jener seltenen Sorte Tormänner, die keine Kunststücke aufführten, keine spektakulären Purzelbäume schlugen und sich nicht bei jeder Flanke wie ein frisch erlegter Karpfen auf den Boden warfen. Er hielt einfach die Bälle, die zu halten waren. Eine Eigenschaft, die im Wiener Fußball schon damals beinahe als unhöflich galt.

Geboren wurde er am 12. September 1894. Als er beim Wiener AF auftauchte, stand dort noch der erfahrene Isidor Emil Weinberg im Tor. Weinberg war ein verdienter Mann, Nationalspieler und eine Institution. Aber der junge Leopold Bode hatte einen Nachteil, den viele ältere Torhüter fürchten: Er war jünger und sprang schneller. So begann langsam die Wachablöse.

Schon in einem Schlager gegen Rapid sprang plötzlich ein gewisser Bode ins Tor. Der WAF spielte 2:2 und die Zeitungen stellten verwundert fest, dass dieser junge Mann erstaunlicherweise keine Showeinlagen benötigte. Er hielt die Bälle einfach. Das Publikum wusste zunächst gar nicht, wie es darauf reagieren sollte. Ein Torwart ohne Theater? Fast schon revolutionär.

In der Meistersaison 1913/14 verdrängte Bode den armen Weinberg endgültig und wurde Stammtorhüter. Der WAF holte seine erste Meisterschaft. Damit hatte Leopold Bode innerhalb weniger Monate zwei Karrieren zerstört: jene der gegnerischen Stürmer und jene seines Vorgängers.

Besonders im berühmten Schlammspiel gegen Rapid zeigte Bode, was in ihm steckte. Als gleich drei Rapidstürmer alleine auf ihn zuliefen, behielt er die Nerven. Andere Menschen wären vermutlich ausgewandert, Bode aber lief heraus und bereinigte die Sache. Später wehrte er aus kurzer Distanz einen Schuss von Grundl ab. Unglücklicherweise landete der Ball direkt vor den Füßen von Heinrich Krczal, der einschoss. Selbst der am Boden liegende Bode konnte dagegen nichts machen. Es war ungefähr so, als würde man eine Lawine aufhalten und anschließend von einem herunterfallenden Blumentopf erschlagen werden.

Im November 1914 feierte Leopold Bode gegen Ungarn sein Debüt in der Nationalmannschaft. Das Ergebnis lautete 1:2. Damit begann und endete praktisch seine Karriere als Nationaltorhüter. Andere Torhüter sammeln hundert Länderspiele, Bode sammelte lieber Kriegserlebnisse.

Denn inzwischen tobte der Erste Weltkrieg, und Bode fand sich bei den Hoch- und Deutschmeistern an der Ostfront wieder. Dort traf er auf andere Fußballer, unter ihnen Karl Duschek vom Sportclub. Gemeinsam gründeten sie kurzerhand eine Fußballmannschaft. Denn selbst zwischen Schützengräben und Kanonendonner fanden Wiener Fußballer noch Zeit, über Abseitsentscheidungen zu diskutieren.

Bei einem Frontbesuch beschrieben Beobachter Leopold Bode als „einen besseren armen Sünder“. Ein Brand in der Schützendeckung hatte ihm nämlich seinen gesamten Besitz vernichtet. Der arme Mann stand ohne Mantel und ohne Kappe im eisigen Wind herum und sah aus, als wäre er gerade von einem besonders misslungenen Faschingsfest geflohen.

Trotzdem warf sich Bode bei improvisierten Fußballspielen mit Begeisterung in den Schlamm. Das Wasser spritzte meterhoch. Bereits vorher hatte er einen Ball ruiniert. Beim nächsten Spiel schoss Josef Haist die Hülle erneut kaputt. Zur Strafe musste Haist den Ball selbst flicken. Das war damals ungefähr so, als müsste heute ein Stürmer nach einem Fehlschuss eigenhändig das Stadion renovieren.

Nach langer Kriegszeit kehrte Bode tatsächlich wieder ins WAF-Tor zurück. Die Anhänger jubelten, weil sie endlich wieder „Meisterschaftsluft schnuppern“ durften. Gegen die Amateure hielt er beim 2:0 fehlerlos, gegen Hertha gewann der WAF sogar 6:0. Es war, als hätte man einen Torhüter direkt aus dem Schützengraben geholt und festgestellt, dass er immer noch besser war als die meisten Kollegen.

1916 dachte sogar Rapid über eine Verpflichtung nach. Bode verstand sich prächtig mit Rapid-Boss Dionys Schönecker. Doch aus dem Wechsel wurde nichts. Vielleicht ahnte Leopold Bode bereits, dass sein Schicksal anderswo lag.

Nach dem Krieg verschlug es ihn ins Waldviertel. Dort gründete er 1926 die Sportvereinigung Groß Siegharts. Man muss sich das vorstellen: Andere Männer kaufen sich in mittleren Jahren einen Hut oder beginnen zu angeln. Leopold Bode gründete einfach einen Fußballverein.

Ein Jahr später kehrte er nach Wien zurück und wurde beim Sportklub Burgtheater Leiter der Fußballsektion. Wahrscheinlich war er der einzige Mensch Österreichs, der sowohl Schützengräben, Rapid-Verhandlungen, Meisterschaftsspiele als auch Theaterproben überlebt hatte.

Und während viele seiner berühmten Mitspieler längst gestorben waren, lebte Leopold Bode weiter. Er erlebte den Wunderteam-Fußball, den Wiederaufbau nach dem Krieg, die Ära von Krankl, Prohaska und wahrscheinlich auch einige Torwartfehler, bei denen er nur den Kopf schüttelte.

Am 7. Oktober 1985 starb Leopold Bode im Alter von 91 Jahren.

Von ihm sind heute kaum persönliche Geschichten erhalten. Aber vielleicht hätte ihn das gar nicht gestört. Denn Leopold Bode war nie ein Mann für große Gesten. Er war ein Torhüter, der einfach nur die Bälle hielt, die zu halten waren.

Und manchmal reicht genau das, um Meister, Nationalspieler, Frontkämpfer, Vereinsgründer und eine der seltsamsten Figuren der Wiener Fußballgeschichte zu werden.

Anekdoten & Zitate

Im entscheidenden Schlagerspiel WAF - Rapid (2:2) spielte statt Stammtorhüter Isidor Emil Weinberg ein Leopold Bode, der sich sehr stark und sicher zeigte und ohne Showeinlagen die Bälle hielt, die er halten musste. Bode nahm später bei den 'Hoch- und Deutschmeistern' an der Ostfront am ersten Weltkrieg teil, überlebte und gründete 1926 im Waldviertel die Sportvereinigung Groß Siegharts. Er feierte am 8. November 1914 sein Nationalmannschaftsdebüt (1:2 gegen Ungarn), wurde aber keine große Karriere als Nationaltorhüter. In der Meistersaison 1913/14 verdrängte er Weinberg endgültig aus dem Tor und wurde mit dem WAF Meister - der erste Höhepunkt, gefolgt vom zweiten Höhepunkt im November mit dem ersten Länderspieleinsatz. Danach war seine kurze Karriere bereits wieder vorbei, der erste Weltkrieg forderte seine Opfer.

WAF · Saison 1912/13 ·außergewöhnlich

Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 1336, 1340, 1353

Im Schlammspiel WAF - Rapid (1:1) begeisterte WAF-Torhüter Leopold Bode mit tollen Reflexen auf der Linie. Auch beim Herauslaufen zeigte er Extraklasse, als Rapid mit 3 Stürmern alleine auf sein Tor lief - er behielt die Nerven und entschärfte die kritische Situation souverän. Bei einem unglaublichen Reflex aus kurzer Distanz gegen Grundl rettete Bode, doch der Abpraller fiel Heinrich Krczal vor die Füße, der aus kurzer Distanz zum 1:0 für Rapid abzog - dagegen hatte der am Boden liegende Bode keine Abwehrchance.

WAF · Saison 1913/14 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 2240-2245

WAF-Torhüter Leopold Bode wurde bei einem Frontbesuch beschrieben: er sah eigentlich 'wie ein besserer armer Sünder' aus, denn ein Brand in der Schützendeckung hatte ihn seiner gesamten beweglichen Habe beraubt, sodass er trotz eisigem Sturmwind weder Mantel noch Kappe trug. Beim improvisierten Fußballspiel an der Front befand er sich in prächtiger Form und warf sich auf den schlammbedeckten Boden, sodass das Wasser hoch aufspritzte. Er hatte vor diesem Spiel bereits einen Ball reißen lassen, dieses Mal verletzte Josef Haist mit einem scharfen Schuss die Hülle erneut, und musste sie zur Strafe selbst reparieren.

WAF · Saison 1914/15 ·lustig

Quelle: Fussball im Ersten Weltkrieg: Österreichs erste Meisterschaft im Krieg 1914/15, Abs. 1746, 1756-1757

Der ehemalige Toptorhüter Leopold Bode war lange mit den Deutschmeistern im Krieg und feierte beim 2:0-Sieg gegen die Amateure ein überraschendes Comeback - der WAF-Anhang konnte endlich wieder seine 'Wiener Meisterschaftsluft schnuppern'. Bode hielt fehlerfrei und begeisterte mit tollen Reflexen, war auch beim 6:0 gegen die Hertha im Tor und kam nach seiner langen Pause direkt aus dem Krieg zu großem Erfolg. Im März 1916 befand sich Rapid in Verhandlungen mit Bode für einen Wechsel - er pflegte ein gutes Verhältnis zu Rapid-Macher Dionys Schönecker und hatte großes Interesse am Wechsel. Nach dem Krieg ging Bode ins Waldviertel und gründete 1926 den SV Groß Siegharts, kehrte ein Jahr später nach Wien zurück und wurde im Sportklub Burgtheater Leiter der Fußballsektion.

WAF · Saison 1915/16 ·außergewöhnlich

Quelle: Rapid Wien oder FAC: Der spannende Krimi um den Meistertitel 1915/16, Abs. 1132-1152, 1259-1273, 2236-2244