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Aus der Buchreihe Rapid Wien, WAC, FAC oder WAF: Der spannende Krimi um den Meistertitel 1915/16
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Spielerprofil

Leopold Grundwald

Leopold Grundwald – Leopold Grundwald
Leopold Grundwald in der Saison 1912/13.

Vereine & Saisonen

Rapid
1911/12 1912/13 1913/14 1914/15

Aufstellungen

Datum Heim Gast Position
1920-09-05 Hertha Rapid left_half
1920-09-12 Wacker Rapid left_half
1920-10-03 Simmering Rapid left_half
1920-11-21 Rapid WAF left_half
1920-11-28 Rapid FAC inside_left
1920-12-05 Vienna Rapid left_half
1920-12-12 Rapid Admira left_wing
1921-01-02 WAC Rapid left_half
1921-02-20 Rapid Hakoah left_half
1921-03-06 Admira Rapid left_half
1921-04-03 Rapid Rudolfshügel left_back

Zur Person

Leopold „Grundl“ Grundwald – Der blonde Wirbelwind, der mit dem Ball spazieren ging

Als am 28. Oktober 1891 in Wien ein Bub namens Leopold Grundwald das Licht der Welt erblickte, ahnte niemand, dass aus dem kleinen Blondschopf einmal einer jener Männer werden würde, die Rapid zur Großmacht machten. Wahrscheinlich ahnte nicht einmal der kleine Leopold selbst etwas davon, denn zunächst musste er einmal lernen, wie man ordentlich gehen kann. Später sollte er dann lernen, wie man mit dem Ball ins Tor geht.

Schon als junger Bursch schloss er sich Rapid an. Dort fiel er nicht nur durch seine Haarfarbe auf, sondern auch dadurch, dass er wie ein aufgezogener Kreisel über den Platz wirbelte. Die Zeitungen beschrieben ihn als frisch, beweglich und manchmal sogar ein wenig kindlich wirkend. Mit anderen Worten: Der Mann war eine Mischung aus Lausbub und Torpedo.

1909 schaffte er den Sprung in die Kampfmannschaft. Neben Größen wie Gustav Blaha und Heinrich Körner durfte der junge „Grundl“ mitmischen. Und während andere Neunzehnjährige damals darüber nachdachten, wie man den Eltern erklärt, warum die Schuhe schon wieder kaputt sind, schoss Leopold Grundwald beim 9:2 von Rapid gegen den FAC gleich vier Tore. Vier Stück! Der arme gegnerische Tormann dürfte danach überlegt haben, ob er nicht lieber Briefmarken sammeln sollte.

1911/12 wurde Rapid zum ersten österreichischen Meister überhaupt. Und Grundl hatte daran erheblichen Anteil. Im entscheidenden Gipfeltreffen gegen den WAF lag Rapid kurz vor Schluss mit 1:2 zurück. Die Meisterschaft schien zu wackeln wie ein Heurigenstuhl mit drei Beinen.

Doch dann kam die 90. Minute.

Der frische Blondschopf tauchte auf, schoss das 2:2 und sicherte damit praktisch den Titel. Nach dem Schlusspfiff stürmten die Rapid-Anhänger den Platz. Damals sprach man noch nicht von Sicherheitskonzepten. Damals sprach man von Begeisterung und davon, dass plötzlich hundert Männer mit Hüten und Schnurrbärten auf den Rasen liefen.

Im Sommer 1912 durfte der gerade einmal zwanzigjährige Grundl sogar zu den Olympischen Spielen nach Stockholm reisen. Österreich schied zwar gegen die Niederlande aus, durfte aber in der Hoffnungsrunde weiterspielen. Gegen Italien schoss Grundl zwei Tore. Wahrscheinlich dachten sich die Italiener damals, dieser blonde Wiener müsse irgendwo heimlich einen zweiten linken Fuß versteckt haben.

In der Meisterschaft blieb er ebenfalls eine Plage für sämtliche Verteidiger. Beim 3:0 gegen die Vienna bekam er einmal einen derartigen Energieanfall, dass er die halbe Mannschaft der Döblinger ausspielte und samt Ball ins Tor hineinlief. Manche behaupteten später, er habe aus Höflichkeit sogar noch angeklopft.

1913/14 gehörte er mit zehn Treffern zu den besten Torschützen Österreichs. Alles schien auf eine große Karriere hinauszulaufen.

Doch dann beschloss die Weltgeschichte, sich einzumischen.

Der Erste Weltkrieg begann.

Aus dem Stürmer wurde Feldwebel Leopold Grundwald. Im Dezember 1914 erhielt er die silberne Tapferkeitsmedaille erster Klasse. Ein Wiener Fußballfan schrieb damals voller Bewunderung:

„Solche Burschen wie zum Beispiel Grundl werden jetzt gebraucht.“

Eine Aussage, die gleichzeitig patriotisch und tragisch war.

Während andere Fußballer versuchten, möglichst oft für ihren Verein aufzulaufen, pendelte Grundl zwischen Front und Fußballplatz. Kaum hatte er wieder ein paar Tore erzielt, schickte ihn das Militär erneut dorthin, wo statt Eckbällen Granaten flogen.

Er überlebte den Wahnsinn.

Und als er 1915/16 zurückkehrte, tat er das auf die einzig vernünftige Art: mit zwölf Toren in achtzehn Spielen und dem nächsten Meistertitel.

1916/17 kamen noch sechs Treffer dazu und Meistertitel Nummer vier. Außerdem bestritt er am 1. Oktober 1916 sein letztes Länderspiel gegen Ungarn. Österreich gewann 3:2, und selbstverständlich war es Grundl, der das entscheidende Tor erzielte. Wenn schon Abschied, dann bitte mit Stil.

1917/18 war er überhaupt nicht mehr im Einsatz. Vielleicht war selbst der liebe Gott der Meinung gewesen, dass der arme Mann irgendwann einmal durchschnaufen sollte.

Nach dem Krieg war er nicht mehr derselbe unaufhaltsame Wirbelwind wie früher. Die Beine waren älter geworden, die Konkurrenz jünger, und die Welt hatte sich verändert.

Aber ganz los wurde Rapid ihn nicht.

Er blieb bis 1922 dabei, saß oft auf der Ersatzbank und sprang ein, wenn er gebraucht wurde. Dabei sammelte er Meistertitel wie andere Leute Briefmarken. 1919, 1920 und 1921 durfte er noch dreimal den Meisterpokal in die Höhe stemmen. Dazu kamen die ersten beiden Cupsiege überhaupt.

Sieben Meisterschaften.

Alle sieben mit Rapid.

Das schaffen nicht viele. Eigentlich schaffen das nur Leute, die schon beim Fußballgott persönlich ein Stammplatzerl reserviert haben.

1922 verabschiedete sich Grundl aus Hütteldorf und wechselte zum WAF. Anschließend versuchte er sich als Trainer und verschlug es ihn sogar in die Schweiz zum FC St. Gallen und später nach Schaffhausen. Wahrscheinlich erklärte er dort den Eidgenossen, dass Fußball eine ernste Angelegenheit sei, aber man dabei trotzdem Spaß haben dürfe.

Am 9. April 1969 starb Leopold Grundwald in Wien.

Er hinterließ acht Länderspiele, drei Tore, 112 Meisterschaftsspiele für Rapid, 49 Meisterschaftstore, zwei Cupsiege, sieben Meisterschaften und unzählige Geschichten.

Und irgendwo im Himmel, so munkeln alte Rapidler, bekommt noch heute jeder Verteidiger Schweißausbrüche, wenn ein kindlich wirkender Blondschopf auftaucht, die halbe Mannschaft ausspielt und mit dem Ball einfach gemütlich ins Tor spaziert.

Anekdoten & Zitate

Leopold Grundwald, vierfacher Torschütze im Spiel Rapid - FAC (9:2), war damals gerade einmal 19 Jahre alt und nahm im gleichen Sommer 1912 bei den Olympischen Sommerspielen in Stockholm teil. Er galt als hoffnungsvolles Talent. Sein Karriereknick war der erste Weltkrieg, an dem er gegen Ende teilnehmen musste; er überlebte zwar, konnte aber nie mehr an frühere Leistungen anschließen. Trotzdem wurde er noch 3 weitere Male mit Rapid Meister - insgesamt 7 Mal, alle 7 Mal mit Rapid.

Rapid · Saison 1911/12 ·außergewöhnlich

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 1254

Im entscheidenden Schlagerspiel WAF - Rapid (2:2) traf der frische und bewegliche, manchmal kindlich wirkende Blondschopf Leopold 'Grundl' Grundwald in der 90. Minute zum 2:2-Ausgleich, was die endgültige Titelentscheidung für Rapid bedeutete. Die fanatisierten Rapid-Anhänger stürmten nach dem Schlusspfiff den Rasen und feierten den neuen Meister.

Rapid · Saison 1912/13 ·außergewöhnlich

Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 1338

Spektakulär war das 3:0 von Rapid gegen die Vienna durch Grundl (Leopold Grundwald), der in einem Energieanfall die halbe Vienna-Mannschaft ausspielte und mit dem Ball in das Tor lief.

Rapid · Saison 1913/14 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 239

Rapid-Stürmer und Feldwebel Leopold 'Grundl' Grundwald wurde im Dezember 1914 mit der silbernen Tapferkeitsmedaille erster Klasse ausgezeichnet - damals 23 Jahre alt. Während der vier Kriegsjahre konnte er vereinzelt für Rapid auflaufen, seine Karriere litt aber sehr, da er immer wieder an die Front befohlen wurde. Ein Feldpostbrief eines Wiener Fußballfans erwähnte ihn: 'Unsere jungen Wiener Fußballer, die jetzt ins Feld ziehen, werden brave, tapfere Soldaten sein, Burschen, die mit dem festen Vorsatz gegen den Feind gehen: Ohne Auszeichnung komm ich nicht nach Haus. Und solche Burschen, wie zum Beispiel Grundl, solche Tapferen werden jetzt gebraucht.' In der Saison 1915/16 kehrte er in die Stammelf zurück, erzielte 12 Tore in 18 Spielen und holte den dritten Meistertitel. In der nächsten Saison trug er noch 6 Tore zum vierten Meistertitel bei und absolvierte am 1. Oktober 1916 sein letztes Länderspiel gegen Ungarn, wo er das entscheidende Tor beim 3:2 erzielte. 1917/18 kam er gar nicht mehr zum Einsatz. Nach dem Krieg blieb er bis 1922 Ersatzspieler, wurde aber regelmäßig eingesetzt und feierte drei weitere Meistertitel (1919-1921) und die ersten beiden Pokalsiege (1919-1920) - insgesamt sieben Meistertitel, alle mit Rapid. Danach wechselte er zum WAF und versuchte sich als Trainer beim FC St. Gallen.

Rapid · Saison 1914/15 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball im Ersten Weltkrieg: Österreichs erste Meisterschaft im Krieg 1914/15, Abs. 1146-1150, 1224, 1462, 1549