Spielerprofil
Leopold Neubauer
Vereine & Saisonen
Aufstellungen
| Datum | Heim | Gast | Position |
|---|---|---|---|
| 1920-09-12 | Sportclub | Amateure | inside_right |
| 1920-09-19 | Sportclub | WAC | inside_right |
| 1920-10-03 | Sportclub | Hakoah | inside_right |
| 1920-10-10 | Rapid | Sportclub | inside_right |
| 1920-11-12 | WAF | Sportclub | inside_left |
| 1920-11-21 | Wacker | Sportclub | inside_left |
| 1921-04-30 | Rudolfshügel | Sportclub | centre_forward |
| 1921-05-22 | Sportclub | Rapid | centre_forward |
| 1921-05-29 | Sportclub | Wacker | centre_forward |
Zur Person
Der linke Verbindungsstürmer Leopold Neubauer feierte seinen ersten Meisterschaftseinsatz als 22-Jähriger am 8. Oktober 1911 auf dem WAC-Platz. Gegner waren die Amateure, das Spiel endete 2:2, doch schon in der 16. Minute hatte Neubauer mit dem Führungstreffer seine Visitenkarte abgegeben. Es war der Auftakt zu einer Laufbahn, die ihn zu einem der gefürchtetsten Angreifer seiner Epoche machen sollte.
Leopold Neubauer gehörte zur Elite der österreichischen Stürmer. Wo andere Verteidiger noch nach Luft schnappten, roch er bereits das Tor. Seine Schusskraft, seine Kaltschnäuzigkeit und sein Gespür für gefährliche Situationen machten ihn zu einem Albtraum für jede Abwehrreihe.
Im Sommer 1912 führte ihn sein Weg sogar bis zu den Olympischen Spielen nach Stockholm. In allen fünf Begegnungen stand er auf dem Feld, erzielte zwei Treffer und trug seinen Teil dazu bei, dass Österreich bis ins Finale des Trostturniers vorstieß. Dort setzte es zwar eine 0:3-Niederlage gegen Ungarn, doch Neubauer hatte sich längst auf internationalem Parkett einen Namen gemacht.
Am 16. März 1913 schoss er beim 2:0-Heimsieg gegen Simmering den Führungstreffer und bestätigte erneut seinen Ruf als Mann für die wichtigen Momente. Torhüter und Verteidiger wussten längst: Wenn Leopold Neubauer anrollte, war höchste Alarmstufe angesagt.
Besonders dramatisch verlief die Partie gegen Hertha am 4. Mai 1913. Der Sportclub gewann zwar mit 6:1, doch die Gäste aus Favoriten gingen derart rustikal zur Sache, dass Neubauer nach schweren Attacken ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Während einige Hertha-Spieler vom Platz flogen, zahlte der Torjäger den Preis für die aufgeheizte Schlacht mit einer schmerzhaften Verletzung. Selbst das konnte seinen Ruf als unerschrockener Angreifer nicht erschüttern.
Als im Sommer 1913 beim Sportclub dicke Luft herrschte, griff der WAF zu und lotste den begehrten Stürmer nach Hütteldorf. Gemeinsam mit Johann Schwarz und Adolf Fischera bildete Neubauer eine Offensivreihe, die in Wien beinahe mythischen Status erreichte. Die Zeitungen überschlugen sich vor Begeisterung und beschrieben das Trio als Angriffswalze, die gegnerische Verteidigungen in ihre Einzelteile zerlegte.
Beim Gipfeltreffen mit Rapid vor 10.000 Zuschauern am 17. Mai 1914 zeigte Neubauer dann eine Szene, die lange in Erinnerung blieb. Nur Sekunden nach dem Wiederanpfiff fing er einen hohen Ball ab, nahm ihn perfekt mit und jagte ihn unhaltbar ins Netz. Der Rapid-Schlussmann Josef Kaltenbrunner konnte dem Geschoss nur noch hinterherschauen. Es war eines jener Tore, die aus guten Stürmern Stars machen.
1914 krönte sich der WAF zum österreichischen Meister, und Leopold Neubauer gehörte zu den großen Architekten dieses Erfolges. Doch kaum war die Meisterfeier verklungen, erschütterte der Ausbruch des Ersten Weltkriegs Europa. Während andere an die Front mussten, blieb Neubauer zunächst verschont und setzte seine Torjagd fort. Nach einem 5:0 gegen Simmering hieß es sogar, er habe aus allen Lagen geschossen und mit drei Treffern die Begegnung praktisch im Alleingang entschieden.
Auch während der Kriegsjahre blieb Neubauer eine feste Größe. Er traf regelmäßig, wurde immer wieder als bester Mann am Platz gefeiert und lief mehrfach für die Nationalmannschaft auf. Als er 1917 wegen Untauglichkeit vom Militärdienst befreit wurde, jubelten die Anhänger des WAF beinahe so laut wie nach einem Derbysieg, denn ihr Torgarant blieb ihnen erhalten.
Selbst als jüngere Kräfte aufkamen, bewies Neubauer immer wieder seine Klasse. Beim 7:2 gegen Wacker im März 1918 ließ er mit vier Toren noch einmal seine ganze Wucht aufblitzen und erinnerte die Fußballwelt daran, dass alte Kanonen manchmal am lautesten donnern.
1919 kehrte er schließlich als Trainer zum Sportclub zurück, doch ganz loslassen konnte er den Fußball nie. Immer wieder streifte er sich selbst noch das Trikot über und dirigierte seine Mannschaft gleichzeitig von der Seitenlinie und vom Spielfeld aus. Spielertrainer, Taktiker und Torjäger in Personalunion – ein Kuriosum selbst für die wilden Pioniertage des österreichischen Fußballs.
Nach der Saison 1919/20 verschwand Leopold Neubauer aus der Fußballöffentlichkeit. Über sein späteres Leben ist kaum etwas bekannt. Geblieben ist die Erinnerung an einen Stürmer, der in einer Zeit ohne Fernsehen und Millionenverträge zu den schillerndsten und gefürchtetsten Offensivkünstlern Österreichs zählte – einen Mann, dessen Name einst bei Verteidigern Unruhe und bei den Zuschauern Vorfreude auslöste.
Anekdoten & Zitate
Der 22-jährige Leopold Neubauer erzielte im Spiel Wiener Sportclub - WAF den Ausgleich zum 1:1. Ihm standen trotz des Weltkriegs im Fußballsport noch einige Erfolge bevor; unter anderem holte er sich 1917 die Torjägerkrone.
Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 356
Sportclub-Angreifer Leopold Neubauer musste im Spiel Sportclub - Hertha (6:1) mit einer üblen Verletzung in das Krankenhaus eingeliefert werden, nachdem die Hertha (vor allem Gustav Lanzer und Oskar Fischer-Lustig) mit einer derben und unsportlichen Spielweise antwortete. Schiedsrichter Karl Schediwy (alte Rapid-Legende, 1899-1902) schloss beide aus, war damit laut Presse aber noch sehr nachsichtig - ein guter Schiedsrichter hätte noch viel mehr Hertha-Spieler ausschließen müssen.
Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 1358-1366