Spielerprofil
Leopold Neuhauser
Vereine & Saisonen
Zur Person
Leopold Neuhauser war der erste Stammtorhüter des SC Simmering in den Anfangsjahren der österreichischen Fußballmeisterschaft und bewachte das Tor der Simmeringer mit der Ernsthaftigkeit eines Nachtwächters, der überzeugt war, persönlich für die Sicherheit des gesamten Bezirks verantwortlich zu sein. Erst der Ausbruch des Ersten Weltkriegs brachte ihn um seinen Stammplatz zwischen den Pfosten.
Neuhauser galt als ausgesprochen jähzornig. Wer mit ihm Streit suchte, durfte sich ungefähr so wohl fühlen wie ein Regenschirm bei einem Orkan. Auch mit der Disziplin stand er anfangs auf eher lockerer Bekanntschaft. Nach den ersten Runden der Meisterschaft 1911/12 wurde er kurzerhand aus dem Kader entfernt, vermutlich weil man der Meinung war, dass ein Torhüter zwar Bälle, aber nicht unbedingt die Nerven aller Beteiligten durch die Gegend werfen sollte.
Doch schon im Frühjahr des folgenden Jahres kehrte er zurück. Und wie! Plötzlich stand da wieder jener Leopold Neuhauser, der Gegentore behandelte wie ungebetene Vertreter an der Haustür. Aus dem hitzköpfigen Problemfall wurde ein Leistungsträger, dessen Fehlen die Simmeringer ungefähr so angenehm empfanden wie einen Heurigen ohne Wein. Bald war klar: Einen Neuhauser ersetzte man nicht einfach. Man konnte höchstens hoffen, irgendwo einen zweiten zu finden – und selbst das wäre vermutlich am Temperament gescheitert.
Anekdoten & Zitate
Simmering-Torhüter Leopold Neuhauser wurde im weiteren Verlauf der Herbstmeisterschaft vom Verein aus disziplinären Gründen suspendiert, bekam aber im Frühjahr 1912 eine zweite Chance, die er nützte und bis zum Saisonende im Tor blieb. Er dankte es seinem Verein mit großartigen Leistungen, hielt unter anderem in den Spielen gegen Rapid (Hinspiel 5:2, Rückspiel 4:3) jeweils grandios.
Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 156, 451, 1350, 1360-1392
Im entscheidenden Spiel Simmering - Rapid (2:1) am 28. Juni 1914 - dem Tag der Schüsse von Sarajevo - blieb das Spiel bis zur 65. Minute torlos, dann brach Johann Ehrlich am Flügel durch und Ferdinand Swatosch traf zum 1:0, kurz darauf machte Rapids Vinzenz Dittrich ein sinnloses Foul und Swatosch verwandelte den Freistoß zum 2:0. Richard Kuthan verkürzte in der 77. Minute, doch es reichte nicht. Den Simmeringer Torhüter Leopold Neuhauser starrten zwei Rapid-Stürmer nach dem Spiel mitleidig an, nachdem er ihnen wieder eine tolle Chance zunichte gemacht hatte. Damit verspielte Rapid die Chance, den Meistertitel aus eigener Kraft zu holen - ein Unentschieden hätte genügt.
Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 2622-2643
Leopold Neuhauser spielte ein Spiel, in dem er mehrfach grobe Patzer unterlief, was ausführlich beschrieben wurde - im klaren Kontrast zu einem früheren Spiel, in dem er großes Lob für seine Leistung erhalten hatte.
Quelle: Österreich Ungarn Fussball 1917/18 - Die letzte Meisterfeier der Habsburger Monarchie, Zeile 423, 485-497