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Aus der Buchreihe Admira Wien: Außenseiter auf Siegeskurs
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Spielerprofil

Ludwig Hussak

Ludwig Hussak – Ludwig Hussak
Ludwig Hussak: Bankbeamter, violette Fußballlegende, Soldat und Kriegsgefangener. Alles in einer Person.
Ludwig Hussak – Ludwig Hussak
Ludwig Hussak

Vereine & Saisonen

Amateure (Wiener Austria) Amateure
1911/12 1912/13 1914/15 1920/21

Aufstellungen

Datum Heim Gast Position
1920-09-08 Amateure WAF left_wing

Zur Person

Ludwig Hussak war beim Start der ersten österreichischen Meisterschaft bereits 27 Jahre alt und gehörte damit schon zu jener Altersklasse, die im Fußball damals beinahe als archäologischer Fund galt. Während anderswo noch halbe Schulklassen über die Plätze stolperten, stand Hussak bereits als erfahrener Herr im Angriff auf dem rechten Flügel.

Er war bei Mannschaftskameraden, Mitgliedern, Fans und sogar bei den Gegnern beliebt – was im Wiener Fußball ungefähr so häufig vorkam wie ein Schiedsrichter, der von beiden Seiten gelobt wird. Hussak galt als äußerst fairer Sportsmann, war schnell und verfügte über einen kräftigen Schuss. Mit anderen Worten: Er besaß sämtliche Eigenschaften, die einen Gegner ärgern konnten, ohne dass man ihm dabei auch nur einen Vorwurf machen konnte.

Dann kam der Erste Weltkrieg und machte mit den üblichen Lebensplanungen kurzen Prozess. Hussak geriet schon früh in russische Kriegsgefangenschaft und wurde einmal quer durch das Zarenreich bis fast an die chinesisch-mongolische Grenze verfrachtet. Dort verbrachte er den Rest des Krieges – gewissermaßen die denkbar längste Auswärtsfahrt der Fußballgeschichte. Gesellschaft erhielt er unter anderem vom zweifachen Torschützenkönig des WAC, Johann Neumann. Man kann also sagen, dass selbst in der sibirischen Einöde noch genügend Wiener Fußballsachverstand vorhanden war.

Erst Ende 1921, mitten im Chaos des russischen Bürgerkriegs, gelang ihm die Rückkehr. Sieben Jahre war er von seiner Familie getrennt gewesen. Als er schließlich wieder daheim ankam, war mit einer Fortsetzung der Fußballkarriere natürlich Schluss. Sieben Jahre Pause waren selbst damals etwas zu viel, und Transfermarkt hatte leider noch keine Rubrik „vom Ende der Welt zurückgekehrt“ vorgesehen.

Immerhin sorgte die Familie Hussak später erneut für sportliche Schlagzeilen. Seine Tochter Elfi wurde eine berühmte Eiskunstläuferin. Offenbar hatte der Vater genügend sportliche Gene mitgebracht – trotz eines kleinen Umwegs über die mongolische Grenze.

Anekdoten & Zitate

Der damals 28-jährige Flügelstürmer Ludwig Hussak erzielte im Spiel WAC - Amateure (3:1) den Ehrentreffer für die Amateure 5 Minuten vor Abpfiff. Er war einige Tage vor dem Spiel Vater eines Sohnes geworden und dürfte das erste Tor als Papa seinem Nachwuchs gewidmet haben.

Amateure (Wiener Austria) · Saison 1911/12 ·lustig

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 346

Im Spiel Amateure - Vienna (2:1) erzielte der charismatische Ludwig Hussak (Spitzname 'Luigi') 3 Minuten vor Abpfiff den Siegtreffer, gefeiert von der Presse als 'Prachtleistung'. Hussak war wenige Monate später Teil der olympischen Fußballmannschaft Österreichs, die Deutschland 5:1 schlagen sollte. Er war außerdem der Spieler, der das allererste Tor in der Geschichte der Wiener Austria schoss. Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges endete seine hoffnungsvolle Karriere; er geriet in sibirische Kriegsgefangenschaft, von der er erst 1921 zurückkehrte. Seine Tochter Elfi wurde als Eiskunstläuferin bekannt, u.a. engagiert 1941 von der Karl-Schäfer-Eisrevue.

Amateure (Wiener Austria) · Saison 1911/12 ·außergewöhnlich

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 895-905

Ludwig Hussak wurde bei dem von den Amateuren in Italien gewonnenen 'Pokal der Stadt Turin' (Ostern 1912) als bester Spieler des Turniers gewählt - der erste internationale Pokal einer österreichischen Mannschaft.

Amateure (Wiener Austria) · Saison 1911/12 ·außergewöhnlich

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 1029-1048

Anlässlich des Städtewettkampfes gegen Berlin beging Ludwig Hussak ein seltenes Jubiläum: er vertrat zum 25. Male Österreich/Wien. Er hatte das 29. Lebensjahr erreicht, war verheiratet und glücklicher Familienvater und huldigte schon zwölf Jahre dem Fußballsport. Nach dem Gymnasium studierte er vier Semester moderne Philologie, sattelte aber um und war seit fünf Jahren Bankbeamter. Hussak war außerdem guter Tennisspieler, Schwimmer und Bergsteiger - ein Allroundsportmann. Seinen jüngeren Mitspielern galt er als lieber Kamerad und vorzüglicher Klavierspieler und Sänger, der für Geselligkeit sorgte.

Amateure (Wiener Austria) · Saison 1912/13 ·außergewöhnlich

Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 518

Der schnelle und schussgewaltige Amateure-Legende Ludwig Hussak wurde als vermisst gemeldet - seit Anfang August gab es kein Lebenszeichen von ihm. Er wurde bereits in den ersten Kriegshandlungen von den Russen gefangen genommen und befand sich bereits in Sibirien. Erst 1921, 3 Jahre nach Kriegsende, kehrte er als damals 38-jähriger in seine Heimat zurück - mit der Fußballerkarriere war es da natürlich vorbei. Hussak überlebte auch den Zweiten Weltkrieg und starb als 81-jähriger in Wien. Er war hauptberuflich Bankbeamter, hatte vier Semester moderne Philologie studiert, und galt als der beliebteste Spieler Österreichs - auch ein guter Tennisspieler, Schwimmer, Bergsteiger, vorzüglicher Klavierspieler und Sänger.

Amateure (Wiener Austria) · Saison 1914/15 ·tragisch

Quelle: Fussball im Ersten Weltkrieg: Österreichs erste Meisterschaft im Krieg 1914/15, Abs. 317-330

Nach sechs Jahren sibirischer Kriegsgefangenschaft (gefangengenommen am 26. August 1914) kehrte der Tormann/Verteidiger zurück. Eine Deputation der Amateure empfing ihn am Bahnhof und gewährte ihm 24 Stunden Schonzeit im Familienkreis. Danach marschierten alte Freunde und Sportkollegen zu "Luitschi" in sein Landstraßer Heim - ohne Tränen ging es selten ab. Viele wollten nicht fragen "Wirst du wieder spielen?", aus Angst ihn zu verletzen. Hussak war fast unverändert, nur an den Schläfen ein bisschen angegraut, trug glattrasiert wie ein "waschechter Englishman" - den ersehnten sibirischen Vollbart blieb er den Fans schuldig.

Amateure · Saison 1920/21 ·tragisch

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 53

In Krasnajarjetschka ("rotes Bächlein") errichtete der Spieler im Gefangenenlager selbst einen Tennisplatz und gewann dort die Lagermeisterschaft im Einzel und Doppel. Nach Beresowka gebracht, errichtete er mit Schicksalsgenossen einen Fußballplatz, auf dem sogar Länderspiele Österreich-Ungarn gegen Deutschland ausgetragen wurden. Sein "Beresowka Team" erwies sich allen Gegnern überlegen - mit dabei waren auch der spätere Rudolfshügel-Verteidiger Leopold Kiesling und WAC-Goalgetter Johann Neumann.

Amateure · Saison 1920/21 ·außergewöhnlich

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 55

Die Comeback-Feier des Heimkehrers fand in "Lembachers Restauration" in der Hauptstraße des 3. Bezirks statt, Beginn 19:00 Uhr, eingeladen waren Mitglieder und Freunde der Amateure.

Amateure · Saison 1920/21 ·lustig

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 184

Beim 0:1 gegen den WAF feierte der Heimkehrer sein Comeback im violetten Trikot, spielte aber besonders schlecht. Er sah danach selbst ein, dass seine Zeit vorbei war, und kam nicht mehr in Betracht.

Amateure · Saison 1920/21 ·tragisch

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 301