Zum Inhalt springen
Aus der Buchreihe Rapids erste Titelverteidigung 1912/13
Bei Amazon bestellen Alle Bücher

Spielerprofil

Ludwig Jetzinger

Vereine & Saisonen

Hertha
1912/13 (Relegation) 1913/14

Zur Person

Ludwig Jetzinger war beim Start der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft gerade einmal 19 Jahre alt und stand bei der Hertha praktisch vom ersten Tag an in der Startformation. Sein Debüt feierte er am 3. September 1911 beim ersten Meisterschaftsspiel der Vereinsgeschichte überhaupt. Ausgerechnet auswärts gegen den großen WAC. Die Experten hatten wohl mit einem gemütlichen Nachmittag für den Favoriten gerechnet, doch Jetzinger verriegelte mit einer ruhigen und soliden Leistung die Innenverteidigung, und so nahm die Hertha beim 0:0 völlig unerwartet einen Punkt mit nach Hause. Der WAC schaute etwas verdutzt, die Herthaner dagegen wahrscheinlich wie Leute, die soeben einen Geldschein auf der Straße gefunden hatten.

Seine Leistungen blieben natürlich nicht verborgen. Der damalige Großklub WAF streckte in der Winterpause 1916 seine Fühler aus und lockte den zuverlässigen Verteidiger an. Schon im Mai 1915 durfte Jetzinger sogar erstmals das Trikot der Nationalmannschaft überstreifen. Das Debüt gegen Ungarn endete allerdings mit einer 2:5-Niederlage. Ludwig hatte sich die Sache vermutlich etwas festlicher vorgestellt. Statt eines triumphalen Einstands gab es fünf ungarische Tore und die Erkenntnis, dass auch Nationalspieler keine Wunderheiler sind.

Danach verliert sich seine Spur ein wenig. Nach der Saison 1916/17 verschwand Jetzinger aus dem Meisterschaftsbetrieb beinahe so plötzlich, als hätte ihn jemand in der Kabine vergessen. Auch bei der Hertha tauchte er bis zum Ende des Krieges nicht mehr auf. Die Fußballchronisten standen ratlos da und konnten nur mit den Schultern zucken.

Erst nach dem Krieg kehrte Ludwig Jetzinger wieder zur Hertha zurück. Allerdings nicht mehr in kurzen Hosen und mit schmutzigen Knien, sondern als Mitglied des Vereins. Er hatte den aktiven Fußball offenbar endgültig den Jüngeren überlassen und begnügte sich damit, dem Klub auf friedlichere Weise die Treue zu halten.

Im September 1923 packte Jetzinger schließlich seine Koffer und wanderte aus beruflichen Gründen nach Rio de Janeiro aus. Während die Wiener weiterhin über Abseitsstellungen und Schiedsrichter schimpften, tauschte Ludwig die Donaumetropole gegen Palmen, Samba und tropische Temperaturen ein. In Wien wurde er danach nie mehr gesehen. Man könnte also sagen: Einer der ersten Herthaner verabschiedete sich nicht mit einem letzten Tackling, sondern mit einer einfachen, aber durchaus stilvollen Variante – er verschwand gleich auf einen anderen Kontinent.

Anekdoten & Zitate

Ludwig Jetzinger fiel im Relegationsspiel Hertha - Rudolfshügel (3:1) verletzt aus - er erlitt trotz der damals schon existierenden Schienbeinschützer einen Schienbeinbruch, ausgelöst durch das überharte Spiel beider Mannschaften. Einwechslungen waren damals nicht gestattet, auch nicht bei Verletzungen.

Hertha · Saison 1912/13 (Relegation) ·tragisch

Quelle: Rapids erste Titelverteidigung 1912/13, Abs. 79

Im Spiel Hertha - Sportclub (0:3) war Ludwig Jetzinger einer der stärksten Hertha-Spieler - der Innenverteidiger zählte bisher zu den beständigsten Herthanern und konnte immer seine volle Leistungsfähigkeit abrufen.

Hertha · Saison 1913/14 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 1830