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Aus der Buchreihe Fussball im Ersten Weltkrieg
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Spielerprofil

Ludwig Pekarna

Vereine & Saisonen

First Vienna FC
1920/21

Zur Person

Der Torhüter Ludwig Pekarna war der jüngere Bruder der großen Torwartlegende Karl Pekarna. Ein Schicksal, das zugleich Auszeichnung und Bürde war. Denn wo immer Ludwig auftauchte, fiel unweigerlich auch der Name seines berühmten Bruders. So verlief seine kurze Laufbahn stets im Schatten eines Mannes, dessen Ruhm bereits weit über Wien hinausreichte. Ludwig selbst blieb bescheiden, geduldig und wartete still auf jene Gelegenheit, die ihm erlauben sollte, aus diesem Schatten herauszutreten.

Zum ersten Mal trat der damals 22-Jährige am 1. September 1918 bei strahlendem Sonnenschein und spätsommerlichen Temperaturen im Zweitligaderby gegen Nussdorf für die Vienna in Erscheinung. Die als großer Fang angekündigte Verpflichtung von August Kraupar war noch nicht zustande gekommen, und so stand plötzlich nicht ein berühmter Name, sondern der jüngere Pekarna zwischen den Pfosten der Döblinger. Nachdem sich der Transfer Kraupars endgültig zerschlagen hatte, vertraute die Vienna weiterhin dem ruhigen und gewissenhaften Ludwig Pekarna.

Als am 8. Dezember 1918 Tabellenführer Vienna auf Verfolger Admira traf, zeigte er, dass auch in ihm Torhüterblut floss. Gleich zu Beginn der Partie pflückte er einen gefährlichen Eckball sicher aus der Luft. Später, beim Stand von 3:0, rettete er bereits am Boden liegend in höchster Not. Die Vienna gewann am Ende mit 6:2, und Ludwig Pekarna durfte sich als verlässlicher Rückhalt feiern lassen.

Bis zum Ende der Saison stand er im Tor der Döblinger und durfte im Sommer 1919 mit seinen Kameraden den Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse bejubeln. Es hätte der Beginn seiner großen Zeit sein können.

Doch stattdessen folgte die Enttäuschung.

Die Vienna verpflichtete mit dem jungen Franz Schubert ein großes Talent vom Lokalrivalen Nussdorf. Plötzlich war Ludwig Pekarna wieder nur die Nummer zwei. Wieder einmal musste er zusehen. Wieder einmal wartete er. Wieder einmal war da jemand, der vor ihm stand.

Erst am 8. Februar 1920 erhielt er eine neue Chance. Inzwischen hatte die Vienna sogar drei Torhüter im Kader. Ausgerechnet sein Bruder Karl war nach Döbling zurückgekehrt und hatte Franz Schubert verdrängt. Doch Karl zog es bald weiter zum FC Bayern München. Als sich die Tür erneut öffnete, war es überraschenderweise Ludwig, der sie durchschreiten durfte.

Im Cupspiel gegen den Sportclub unterlag die Vienna zwar mit 1:3, doch Ludwig Pekarna verhinderte mit mehreren guten Paraden eine noch deutlichere Niederlage. Wenige Wochen später folgte sein erster Einsatz in der höchsten Spielklasse. Wieder hieß der Gegner Sportclub. Wieder setzte es eine Niederlage.

Und dann ereignete sich jene Szene, die ihm lange nachhängen sollte.

Als Johann Kanhäuser versuchte, ihm den Ball aus den Händen zu treten, verlor Ludwig Pekarna die Beherrschung und stieß seinem Gegner ins Gesicht. Der Schiedsrichter stellte ihn vom Platz. Die Presse verurteilte zwar seine Reaktion, verwies aber gleichzeitig auf die immer gefährlicher werdende Unsitte, Torhütern den Ball aus den Händen zu treten.

Es war ein Augenblick der Unbeherrschtheit, geboren aus Schmerz, Frustration und vielleicht auch aus dem Wunsch, sich endlich behaupten zu können.

Die Strafe fiel hart aus. Drei Monate Sperre.

Und ausgerechnet jetzt stand die Vienna plötzlich ohne Torhüter da. Franz Schubert hatte den Verein verlassen, Ersatztormann Prohaska war nicht spielberechtigt. Das Sportblatt schrieb von einer schwierigen Lage, in welche die Sperre Ludwig Pekarnas die Döblinger gebracht hatte.

Als die Sperre Anfang Juni 1920 abgelaufen war, erhielt er nochmals eine Gelegenheit. Franz Schubert war inzwischen zurückgekehrt, hatte aber im letzten Meisterschaftsspiel gepatzt. Gegen die Admira stand deshalb wieder Ludwig Pekarna im Tor. Das Sport-Tagblatt lobte seine „gewagten, allerdings erfolgreich verlaufenden Exkursionen“. Eine Woche später gewann die Vienna im strömenden Regen gegen Simmering mit 4:1.

Langsam schien sich das Blatt endlich zu wenden.

Der SC Simmering zeigte Interesse an ihm, doch Ludwig Pekarna dachte nicht an einen Wechsel. Warum auch? Nach Jahren des Wartens schien er bei der Vienna endlich angekommen zu sein. Endlich hatte er seinen Platz gefunden. Endlich musste er sich nicht mehr hinter anderen Namen verstecken.

Im Sommer 1920 reiste die Vienna zu einer Tournee nach Deutschland. Niemand konnte ahnen, dass diese Reise für den jungen Torhüter zur letzten seines Lebens werden sollte.

Ende Juli bestritt die Vienna ein Freundschaftsspiel in Solingen. Bei einer Szene im Strafraum wurde Ludwig Pekarna von einem gegnerischen Mittelstürmer unterlaufen. Er stürzte unglücklich und zog sich einen Bruch der Wirbelsäule zu. Noch brachte man Hoffnung auf, noch kämpften Ärzte und Mitspieler um ihn.

Vergeblich.

Zwei Tage später, am 30. Juli 1920, starb Ludwig Pekarna im Krankenhaus von Solingen.

Er wurde nur 24 Jahre alt.

Gerade als sich nach Jahren des Wartens die ersten Sonnenstrahlen über seiner Karriere zeigten, gerade als er sich seinen Stammplatz erkämpft hatte und zum ersten Mal nicht mehr bloß „der Bruder von Karl Pekarna“ war, endete sein Weg auf grausame Weise.

Er hinterließ keine großen Titel, keine lange Liste von Länderspielen und keinen Ruhm wie sein berühmter Bruder.

Er hinterließ etwas anderes.

Die Erinnerung an einen stillen, tapferen Mann, der niemals aufhörte zu warten, niemals aufhörte zu hoffen und dessen Leben gerade in dem Augenblick erlosch, als es endlich begann, ihm die Anerkennung zu schenken, die er so lange entbehrt hatte.

Anekdoten & Zitate

Im Tor der Vienna stehend, traf der Bruder des "berühmten Internationalen" (Karl Pekarna) während der Deutschlandtournee in Aachen bei der Abwehr eines Eckballs mit hohem Sprung den Ball an. Im selben Moment rannte ihn ein ungestümer Stürmer des Ohliger Vereins an - er fiel kopfüber und unglücklich, sodass er sich einen Bruch der Wirbelsäule zuzog. Zunächst sah der Sturz nicht gefährlich aus, man vermutete einen Schock oder eine Verstauchung. Erst im Lazarett wurde die schwere Verletzung festgestellt, und nach 48-stündigem, äußerst schmerzvollem Krankenlager verschied er. Er war 24 Jahre alt und spielte seit 1913 für die Vienna.

First Vienna FC · Saison 1920/21 ·tragisch

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 125

Nach seinem Tod setzte die Vienna ihre Tournee trotz des erschütternden Unglücksfalls fort, spielte ein 3:3 gegen Bewegungsspieler in Aachen und 2:1 gegen Kerkradschen Voetball-Club Oranje in Holland. Die Heimreise erfolgte in gedrückter Stimmung; Ferdinand Fridthum zog sich zudem einen Schlüsselbeinbruch zu, während er seinen Torwächterposten innehatte.

First Vienna FC · Saison 1920/21 ·tragisch

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 146

Zu seinen Gunsten fand am neuen Simmeringer Sportplatz ein Benefizspiel statt: eine Auswahl der ersten Liga siegte gegen eine Auswahl der zweiten Liga mit 7:0, Ferdinand Swatosch traf viermal. Die Bruttoeinnahmen betrugen 150.000 Kronen.

First Vienna FC · Saison 1920/21 ·tragisch

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 1888