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Aus der Buchreihe Sportclubs erster Meistertitel und Sindelars erster Auftritt
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Spielerprofil

Matthias Sindelar

junger Spieler, später Wunderteam-Legende

Matthias Sindelar – Matthias Sindelar
Der junge Matthias Sindelar (rechts) im Duell gegen Josef Ptacek – Wiener Amateur-Sportverein gegen SK Slovan Wien, Saison 1924/25.

Vereine & Saisonen

Amateure Hertha Wien Hertha
1921/22 1922/23 1924/25 1925/26

Zur Person

Matthias Sindelar war einer jener Menschen, bei denen man sich bis heute fragt, ob sie wirklich aus Fleisch und Blut bestanden oder ob der Herrgott beim Erschaffen kurz auf Wiener Kaffeehausluft und etwas Walzermusik umgestiegen war. Geboren wurde er am 10. Februar 1903 als Matěj Šindelář im mährischen Koslau. Die Familie zog bald nach Wien-Favoriten, wo man nicht unbedingt mit einem silbernen Löffel im Mund, dafür aber mit Kohlenstaub in der Nase und gelegentlich einem Fußball am Fuß aufwuchs.

Sein Vater arbeitete als Schmied, starb jedoch im Ersten Weltkrieg, weshalb der junge Matthias früh lernen musste, dass das Leben kein gemütlicher Sonntagnachmittag war. Während andere Buben vielleicht davon träumten, Lokomotivführer oder Kaiser zu werden, jagte der schmächtige Favoritner lieber dem Ball nach. Auf den Straßen Favoritens lernte er das Dribbeln zwischen Hunden, Kinderwagen und grantigen Nachbarinnen.

Seine Karriere begann bei Hertha Wien. Dort debütierte er am 29. Januar 1922 gegen den FAC. Der kaum neunzehnjährige Bursche wurde vom Sporttagblatt sofort zum „besten Mann am Feld“ erklärt. Das war ungefähr so, als würde ein Lehrling am ersten Arbeitstag gleich dem Direktor erklären, wie man den Betrieb führen sollte.

In diesem ersten Spiel schoss er sogar sein erstes Tor. Nach einem Doppelpass mit Johann Richter donnerte er den Ball ins Netz. Matthias jubelte vermutlich schon innerlich, doch der Schiedsrichter hatte andere Pläne. Alois Picha stand im Abseits, der Treffer wurde aberkannt und Sindelar musste lernen, dass auch im Fußball manchmal Unschuldige mitbestraft werden.

Bald wurde Hertha Wien plötzlich interessant. Das war vorher ungefähr so wahrscheinlich wie ein Opernball in Simmering. Zeitungen bezeichneten den jungen Mittelstürmer bereits als „Zukunftsgröße“. Manche Journalisten schrieben über ihn fast so begeistert, als hätten sie heimlich Aktien an Hertha besessen.

Am 12. März 1922 spielte Hertha gegen Hakoah und verlor 0:2. Die Mannschaft präsentierte sich ungefähr so harmonisch wie eine Straßenbahn voller grantiger Pensionisten. Der einzige Lichtblick war der junge Sindelar. Leider verstanden ihn seine Mitspieler nicht. Es war ein bisschen so, als würde Mozart plötzlich mit einer Tanzkapelle auftreten, die nur drei Akkorde beherrscht.

Dann schlug das Schicksal zu. Eine schwere Knieverletzung hätte seine Karriere beinahe beendet. Andere hätten vielleicht beschlossen, Briefmarken zu sammeln oder Kanarienvögel zu züchten. Nicht so Matthias. Er kämpfte sich zurück und trug fortan den berühmten Kniestrumpf, der beinahe ebenso bekannt wurde wie seine Dribblings. In Wien kannte man bald zwei Dinge: den Stephansdom und Sindelars Knieverband.

1924 wechselte er zu den Amateuren, aus denen später die Austria Wien wurde. Sein Debüt gegen die Vienna verlief unspektakulär. Niemand ahnte, dass hier gerade einer der größten Fußballer Europas auflief. Wahrscheinlich dachten einige Zuschauer eher darüber nach, ob sie nach dem Spiel noch ein Gulasch essen sollten.

Doch schon bald begann Sindelar, wichtige Siegtore gegen Hakoah, Slovan und Wacker zu schießen. Im Jänner, Februar und März 1926 wurde er gemeinsam mit Konrad und Hierländer bereits als künftiger Star gefeiert. Die Gegner fanden das weniger lustig, weil dieser dünne Bursche mit kaum sechzig Kilogramm ständig dort auftauchte, wo er gar nicht sein sollte.

Seine Figur brachte ihm den Spitznamen „Der Papierene“ ein. Manche Verteidiger glaubten anfangs, ein kräftiger Rempler würde reichen, um ihn bis nach Brünn zu befördern. Das Problem war nur: Sie erwischten ihn nie. Sindelar bewegte sich wie ein Mann, der den Gegnern die Gesetze der Physik nicht erklärt hatte. Er tanzte durch Abwehrreihen, als wäre er zu spät für einen Walzerabend.

Beim historischen Spiel Rapid gegen die Amateure am 11. Mai 1926 zeigte er gemeinsam mit Vanicek ein Angriffsspiel, das Zuschauer und Journalisten gleichermaßen in Begeisterung versetzte. Es war eines jener Spiele, bei denen die Verteidiger vermutlich noch Tage später aus dem Schlaf hochschreckten und „Wo ist der Sindelar?“ riefen.

Unter Hugo Meisl wurde Österreich Anfang der dreißiger Jahre zur stärksten Mannschaft Europas. Das Wunderteam begeisterte die Menschen. Mit Josef Bican, Anton Schall, Josef Smistik und Walter Nausch bildete Sindelar eine Mannschaft, die den Fußball behandelte wie andere Leute einen guten Wiener Walzer. Vierzehn Spiele blieb Österreich ungeschlagen, und viele Experten hielten den schmächtigen Mittelstürmer für den besten Fußballer Europas.

Journalisten nannten ihn den „Mozart des Fußballs“. Das war durchaus passend, denn wie Mozart war auch Sindelar ein Genie und vermutlich für manche Gegner ebenso unerquicklich.

1934 erreichte Österreich bei der Weltmeisterschaft in Italien den vierten Platz. Viele Fans waren überzeugt, dass der Fußballgott persönlich einen schlechten Tag gehabt haben musste, sonst wäre mehr möglich gewesen.

1938 marschierte die deutsche Wehrmacht in Österreich ein. Für Sindelar bedeutete dies das abrupte Ende einer großen Epoche. Doch der Papierene wollte sich noch ein letztes Mal bemerkbar machen. Im legendären Abschiedsspiel gegen Deutschland schoss er ein Tor zum 2:0-Sieg. Manche Zeitzeugen behaupteten später, er habe vor den NS-Offiziellen besonders ausgelassen gejubelt. Wenn das stimmt, dann war es vermutlich einer der mutigsten Torjubel der Fußballgeschichte.

Danach lehnte er einen Einsatz für die deutsche Nationalmannschaft ab. Offiziell verwies er auf sein Alter und Verletzungen. Inoffiziell dürften manche Funktionäre begriffen haben, dass der Papierene zwar dünn war, aber einen sehr eigenen Kopf besaß.

Am 23. Januar 1939 wurden Matthias Sindelar und seine Lebensgefährtin Camilla Castagnola tot in ihrer Wiener Wohnung aufgefunden. Offiziell lautete die Ursache Kohlenmonoxidvergiftung. Bis heute streiten Historiker darüber, ob es ein tragischer Unfall, Selbstmord oder gar ein Mord gewesen sein könnte. Sicher ist nur, dass mit ihm eine der schillerndsten Figuren des österreichischen Sports viel zu früh verschwand.

Mehr als 20.000 Menschen begleiteten ihn auf seinem letzten Weg. Ganz Wien nahm Abschied. Der Papierene war längst mehr geworden als ein Fußballspieler. Er war ein Symbol für das elegante, alte Wien, für den Witz, die Leichtigkeit und die Kunst des Spiels.

1999 wurde Matthias Sindelar zum besten österreichischen Fußballer des 20. Jahrhunderts gewählt. Er blieb die größte Legende der Austria Wien, das Herz des Wunderteams und der „Mozart des Fußballs“.

Und wenn heute irgendwo in Wien ein besonders schmächtiger Bursche mit einem Ball am Fuß zwei kräftige Verteidiger alt aussehen lässt, dann murmeln ältere Fußballromantiker noch immer mit einem Lächeln:

„Schau, der spielt ja fast wie der Sindelar.“

Anekdoten & Zitate

Matthias Sindelar, der 'Mozart des Fußballs', wurde am 10. Februar 1903 im mährischen Dorf Koslau geboren und kam mit seiner Familie nach Wien, wo er im Arbeiterviertel Favoriten aufwuchs und seine Karriere beim ASV Hertha Wien begann. Bei Hertha zog er sich eine Knieverletzung zu, die seine Karriere fast beendet hätte; danach trug er einen markanten Kniestrumpf, der fast so berühmt wurde wie seine Dribblings.

Hertha Wien · Saison 1921/22 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Abschnitt 'Matthias Sindelar betritt zum ersten Mal die Bühne', Para. 1670-1672

Am 29. Januar 1922 feierte der bald 19-jährige Matthias Sindelar sein Debüt für Hertha im Spiel gegen den FAC. Das Sporttagblatt bezeichnete ihn als 'besten Mann am Feld' - ein Einstand nach Maß.

Hertha Wien · Saison 1921/22 ·außergewöhnlich

Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Spielbericht Hertha - FAC, Para. 1577-1688

In seinem ersten Spiel für Hertha erzielte Sindelar bereits sein erstes Tor: Nach einem Doppelpass mit Johann Richter und einem weiteren Verbindungsspieler hämmerte er den Ball in die Maschen - das Tor wurde jedoch wegen Abseitsstellung von Alois Picha nicht anerkannt.

Hertha Wien · Saison 1921/22 ·skurril

Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Abschnitt 'Sindelars erster Treffer im ersten Spiel', Para. 1697-1701

Im Spiel Hakoah gegen Hertha (12. März 1922, 0:2) wurde Sindelar als 'einziger Lichtblick' der Hertha-Mannschaft bezeichnet, der jedoch von seinen Mitspielern nicht verstanden wurde.

Hertha Wien · Saison 1921/22 ·lustig

Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Spielbericht 'Hakoah - Hertha 2:0', Para. 1940-1948

Sindelars Karriere nahm laut dem Rückblick im Buch ein abruptes Ende mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im März 1938. Er machte noch einmal von sich reden, als er im symbolträchtigen 'Anschlussspiel' gegen Deutschland ein Tor schoss und provokativ vor den NS-Offiziellen jubelte. Er verstarb im Januar 1939.

Hertha Wien · Saison 1921/22 ·tragisch

Quelle: Fussball Tagebuch 1921/22, Abschnitt 'Matthias Sindelar betritt zum ersten Mal die Bühne', Para. 1674-1676

Debüt als Mittelstürmer am 03.09.1922, bereits als 'spätere Weltstar' bezeichnet.

Hertha · Saison 1922/23 ·außergewöhnlich

Quelle: Fußball Tagebuch 1922/23 (Buch12), Zeile ~300

Wird als 'Zukunftsgröße' bezeichnet (Okt. 1922).

Hertha · Saison 1922/23 ·außergewöhnlich

Quelle: Fußball Tagebuch 1922/23 (Buch12), Zeile ~1200

'Hertha wird interessant' – sein Einfluss macht den Verein plötzlich sehenswert (Nov. 1922).

Hertha · Saison 1922/23 ·außergewöhnlich

Quelle: Fußball Tagebuch 1922/23 (Buch12), Zeile ~2000

Der junge Matthias Sindelar gibt im September 1924 sein Debüt für die Amateure gegen Vienna; zu diesem Zeitpunkt wird er noch nicht als der spätere Superstar wahrgenommen, sondern lediglich als einer von mehreren jungen Spielern, die Lücken im Kader füllen sollen.

Amateure · Saison 1924/25 ·außergewöhnlich

Quelle: Hakoah Wien: Der einzige Meistertitel - Fußball Tagebuch 1924/25 (Buch14.docx; Seitenzahlen im extrahierten Text nicht vorhanden)

Im Saisonverlauf erzielt Sindelar mehrere wichtige Siegtore für die Amateure, unter anderem gegen Hakoah, Slovan und Wacker, und zeigt damit erste Anzeichen seines außergewöhnlichen Talents.

Amateure · Saison 1924/25 ·lustig

Quelle: Hakoah Wien: Der einzige Meistertitel - Fußball Tagebuch 1924/25 (Buch14.docx; Seitenzahlen im extrahierten Text nicht vorhanden)

Im Jänner/Februar/März 1926 wird der junge Matthias Sindelar bei seinem Debüt für die Amateure neben Konrad und Hierländer als künftiger Star hervorgehoben.

Amateure · Saison 1925/26 ·außergewöhnlich

Quelle: Buch 15, Jänner-März 1926, Spielberichte Amateure (Sindelar-Debüt)

Im historischen Spiel Rapid gegen Amateure am 11. Mai 1926 zeigt der junge Matthias Sindelar gemeinsam mit Vanicek ein beeindruckendes Angriffsspiel, das auf sein künftiges außergewöhnliches Talent hindeutet.

Amateure · Saison 1925/26 ·außergewöhnlich

Quelle: Buch 15, 11. Mai 1926, Bericht 'Ein Spiel, das unvergesslich bleiben wird' (Rapid-Amateure)