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Aus der Buchreihe Admira Wien: Außenseiter auf Siegeskurs
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Spielerprofil

Otto Eckhardt

Vereine & Saisonen

Amateure (Wiener Austria)
1911/12

Zur Person

Otto Eckhart stand bei der allerersten Meisterschaftssaison 1911/12 im Kader der Amateure und bekleidete die Position des linken Innenverteidigers. Eine Aufgabe, die damals ungefähr so glamourös war wie heute die eines Buchhalters für Regenrinnen, aber irgendwer musste schließlich hinten aufräumen.

Am 1. November 1911 durfte sich Eckhart am Cricketer-Platz in der Engerthstraße als Elfmeterschütze versuchen. Beim 1:1 gegen die Vienna Cricketer zeigte er jedoch eindrucksvoll, dass ein Elfmeter noch lange kein Tor ist. Die krassen Außenseiter von den Cricketers führten zur Pause sogar mit 1:0 und weil die Amateure offenbar beschlossen hatten, kollektiv den Beruf des Scharfschützen aufzugeben, verschoss wenig später auch Viktor Löwenfeld einen Strafstoß. Zwei Elfmeter, null Tore – man hätte meinen können, die Violetten hätten auf Maulwurfhügel und nicht auf einem Fußballplatz gespielt.

In den letzten Spielen der Saison 1911/12 war Otto Eckhart plötzlich verschwunden. Zu Beginn der nächsten Spielzeit ebenfalls. Sein Platz gehörte inzwischen Viktor Löwenfeld, einem intelligenten und spielstarken Verteidiger. Man könnte sagen: Löwenfeld hatte die Stelle übernommen, während Eckhart unfreiwillig eine längere Fortbildung im Fach „Abwesenheit“ absolvierte.

Erst am 31. Oktober 1915 tauchte Otto Eckhart wieder auf. Der Erste Weltkrieg hatte die Kaderplanung der Amateure zu einem größeren Abenteuer gemacht als jede heutige Transferperiode. Viele Spieler standen an der Front, und plötzlich erinnerte man sich wieder daran, dass es da noch einen gewissen Otto Eckhart gab. Beim 2:0 gegen den WAC am Amateure-Platz in Ober Sankt Veit spielte er als rechter Innenverteidiger neben dem späteren Weltstar Alexander Poppovich. Trotz jahrelanger Pause machte er eine ordentliche Partie, was wahrscheinlich einige jüngere Kollegen in Verlegenheit brachte, die gedacht hatten, der Herr Eckhart sei längst ein Teil des Vereinsmobiliars.

Am 29. April 1916 wurde der alte Amateure-Verteidiger als Einjährig-Freiwilliger nach Leipa versetzt, ins heutige Česká Lípa im Norden Tschechiens. Damals hieß es nicht Trainingslager, sondern Militärdienst, und die Auswärtsspiele dauerten etwas länger.

Otto Eckhart überlebte den Krieg und wechselte später auf die Trainerbank. In den frühen dreißiger Jahren trainierte er unter anderem den LASK. Aus dem Mann, der einst einen Elfmeter verschossen hatte und zwischenzeitlich beinahe aus dem Gedächtnis des Fußballs verschwunden war, wurde also doch noch ein respektabler Fußballlehrer. Manchmal schreibt der Fußball eben Geschichten, die selbst ein Drehbuchautor wegen mangelnder Glaubwürdigkeit wieder in den Papierkorb werfen würde.

Anekdoten & Zitate

Beim Spiel FAC - Amateure (2:8) musste der FAC den größten Teil der zweiten Halbzeit mit einem Mann weniger spielen, weil deren linker Verteidiger das Spielfeld einfach verließ und nach Hause ging - ein Ersatzspieler durfte damals noch nicht eingesetzt werden. Die Zuschauer waren besonders begeistert von der Abwehrleistung des Amateure-Verteidigers Otto Eckhardt. Eckhardt wurde Jahre später kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges Trainer bei 1860 München, blieb aber nur eine Saison.

Amateure (Wiener Austria) · Saison 1911/12 ·skurril

Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 400-402