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Aus der Buchreihe Fussball im Ersten Weltkrieg
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Spielerprofil

Otto Kramer

Otto Kramer – Otto Kramer
SC Rudolfshügel gegen FC Ostmark auf der Hohen Warte – Kopfstoß von Otto Kramer

Vereine & Saisonen

Rudolfshügel

Aufstellungen

Datum Heim Gast Position
1920-09-05 Hakoah Rudolfshügel centre_half
1920-09-12 Rudolfshügel Hertha centre_half
1920-09-19 Rudolfshügel Rapid centre_half
1920-10-03 Wacker Rudolfshügel centre_half
1920-10-10 Rudolfshügel Amateure centre_half
1920-10-24 Sportclub Rudolfshügel centre_half
1920-11-14 Rudolfshügel FAC right_half
1920-11-28 Rudolfshügel Vienna centre_half
1920-12-05 Rudolfshügel WAC centre_half
1920-12-05 WAF Rudolfshügel centre_half
1921-03-06 Simmering Rudolfshügel centre_half
1921-04-03 Rapid Rudolfshügel centre_half
1921-04-10 Rudolfshügel Hakoah centre_half
1921-04-30 Rudolfshügel Sportclub centre_half
1921-05-08 Rudolfshügel WAF centre_half
1921-05-29 WAC Rudolfshügel centre_half
1921-06-19 Hertha Rudolfshügel centre_half
1921-06-26 Rudolfshügel Wacker centre_half
1921-06-29 Vienna Rudolfshügel centre_half

Zur Person

Otto Kramer gehört zu jener Sorte Fußballer, bei denen Historiker regelmäßig verzweifelt den Kopf auf den Tisch legen. Über sein Geburtsdatum weiß man wenig, über sein Privatleben noch weniger, und selbst die Nachbarn dürften sich damals nicht ganz sicher gewesen sein, ob der Otto überhaupt jemals nach Hause ging oder einfach ständig irgendwo einen gegnerischen Stürmer bewachte.

Fest steht: Otto Kramer spielte beim SC Rudolfshügel, und zwar auf der Position des Mittelläufers. Heute würde man von einem Sechser sprechen. Damals sprach man einfach von einem armen Kerl, der überall gleichzeitig sein musste. Vorne helfen, hinten ausputzen, rechts stopfen, links löschen und nebenbei noch dafür sorgen, dass niemand auf die Idee kam, einen schönen Nachmittag zu verbringen.

Besonders berühmt wurde Kramer für seine Fähigkeiten als „Kleber“. Das war kein Beruf in einer Favoritner Tapetenfabrik, sondern ein Ehrentitel. Gegnerische Stürmer hatten nach neunzig Minuten das Gefühl, sie hätten sich aus Versehen einen kleinen Hund angeschafft. Wo sie auch hinliefen, Otto Kramer war schon da. Manche behaupteten, er hätte sogar beim Heimweg noch am Mittelstürmer des Gegners gehangen.

Ein ungarischer Angreifer soll nach einem Spiel gegen Rudolfshügel angeblich gefragt haben, ob Herr Kramer auch mit ins Hotel komme oder ob man ihn irgendwo abgeben könne. Die Antwort lautete vermutlich: „Keine Sorge, der Otto findet alleine zurück. Wenn er einen Stürmer gewittert hat, lässt er ohnehin nicht mehr los.“

In der Meisterschaftssaison 1920/21 gehörte Kramer zu jener Rudolfshügler Mannschaft, die plötzlich ganz Österreich erschreckte und auf den dritten Tabellenplatz stürmte. Gemeinsam mit Karl Beck, Franz Prohaska und den anderen Favoritner Halunken machte er den großen Vereinen das Leben schwer. Während manche Fußballer mit Kunststücken glänzten, bestand Kramers Spezialität darin, den Gegner langsam aber sicher in den Wahnsinn zu treiben.

Es heißt, dass gegnerische Flügelspieler vor dem Anpfiff zuerst den Himmel betrachteten, dann den Rasen und schließlich vorsichtig fragten:

„Spielt der Kramer heute?“

Wenn die Antwort „Ja“ lautete, bekamen einige plötzlich einen Hexenschuss, andere mussten überraschend ihre Tante besuchen, und wieder andere erinnerten sich daran, dass sie eigentlich Briefmarken sammelten und mit Fußball nie viel anfangen konnten.

Schlagzeilen machte Otto Kramer nur selten. Er war kein großer Torschütze, kein Ballzauberer und kein Mann für elegante Pirouetten. Aber wenn irgendwo ein gegnerischer Stürmer frei herumlief, kam Otto Kramer daher wie der Gemeindebedienstete des lieben Gottes und erklärte mit grimmiger Miene:

„So, Freundchen. Jetzt ist Schluss mit lustig.“

Und wahrscheinlich klebt er noch heute irgendwo im Fußballhimmel an einem verdutzten Mittelstürmer, der seit hundert Jahren verzweifelt versucht, ihn abzuschütteln.

Anekdoten & Zitate

Zu Otto Kramer sind derzeit keine Anekdoten verzeichnet.