Spielerprofil
Viktor Löwenfeld
Vereine & Saisonen
Aufstellungen
| Datum | Heim | Gast | Position |
|---|---|---|---|
| 1920-09-08 | Amateure | WAF | centre_half |
| 1920-10-03 | Amateure | Hertha | left_back |
| 1920-10-10 | Rudolfshügel | Amateure | right_half |
| 1920-11-21 | WAC | Amateure | centre_half |
| 1921-03-06 | Hakoah | Amateure | centre_half |
| 1921-04-03 | Wacker | Amateure | left_half |
Zur Person
Viktor Löwenfeld war beim Start der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 22 Jahre alt. Geboren in Prag, ausgestattet mit der Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten und offenbar mit einem eingebauten Hang zum Improvisieren – eine Kombination, die damals ungefähr so exotisch wirkte wie ein Veganer beim Heurigen.
Als der Erste Weltkrieg ausbrach und von der Kampfmannschaft seines Vereins nach und nach nur noch die Erinnerung, ein paar Stutzen und vielleicht ein vergessenes Paar Fußballschuhe übrigblieben, beschloss Löwenfeld, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Als Spielertrainer bastelte er immer wieder neue Mannschaften zusammen. „Mannschaften“ war dabei ein großzügiger Begriff, denn teilweise bestanden sie aus 14- oder 15-jährigen Buben, die eigentlich noch darüber diskutierten, ob sie lieber Murmeln spielen oder Mathematik schwänzen sollten. Während andere Vereine verzweifelten, eröffnete Löwenfeld praktisch einen Kindergarten mit Abseitsregel.
Damit legte er den Grundstein für die spätere berühmte Nachwuchsarbeit der Amateure und für jene glanzvolle Mannschaft der 1920er Jahre, die Wien in Violett erstrahlen ließ. Dabei setzte er auf schnelles, flaches Kombinationsspiel mit kurzen Pässen – also auf etwas, das manche Trainer über hundert Jahre später noch immer für revolutionäre Zauberei halten.
Mit Hugo Meisl war Löwenfeld seit den gemeinsamen Tagen bei den Cricketern befreundet. Die beiden teilten nicht nur die Liebe zum Fußball, sondern standen auch gemeinsam mit einigen Cricketer-Spielern im Wettbewerb um die Gunst von Maria Bican. Das klingt wie eine Mischung aus Liebesroman und Vereinsversammlung. Am Ende gewann allerdings Hugo Meisl, der Maria Bican heiratete. Man kann nicht alles gewinnen – auch nicht, wenn man ein taktisches Genie ist.
Vor seiner mutmaßlichen Auswanderung in die USA im Jahr 1938 tingelte Löwenfeld noch durch Europa und trainierte Vereine wie Antwerpen und Concordia Zagreb sowie sogar die belgische Nationalmannschaft. Er war also gewissermaßen ein Fußballnomade, lange bevor das modern und mit Laptop und Espresso in der Hand verbunden war.
Seine Stammposition lag im Mittelfeld. Anfangs wirbelte er rechts, gelegentlich tauchte er als Mittelstürmer und Dirigent der Angriffsreihe auf, ehe er später ins Zentrum rückte und dort die Rolle des kreativen Spielgestalters übernahm. Anders ausgedrückt: Egal wo man ihn aufstellte, am Ende stand Löwenfeld dort, wo man gerade jemanden brauchte, der denken konnte – eine Eigenschaft, die im Fußball seit jeher nicht gleichmäßig über alle elf Spieler verteilt war.
Anekdoten & Zitate
Der damals 20-jährige violette Verteidiger Viktor Löwenfeld verschoss im Spiel Cricket - Amateure (1:1) zusammen mit Otto Eckhart einen Elfmeter. Löwenfeld entsprang der Cricketer-Jugendabteilung und wechselte erst bei Saisonbeginn zu den Amateuren; nach dem ersten Weltkrieg ging er als Legionär ins Ausland (Concordia Zagreb), wurde Trainer und wanderte 1938 in die USA aus, wo er sich in New Jersey niederließ.
Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 465-467
Ein Autor des 'Grazer Volksblatts' erwähnte, dass der WAF-Spieler Engelbert König schon zwei Jahre vor dem Spielabbruch gegen Rapid den damals 18-jährigen Cricketer Viktor Löwenfeld traktierte und schwer verletzte.
Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 516
Amateure-Mittelstürmer Viktor Löwenfeld enttäuschte im Spiel Rapid - Amateure (3:0) maßlos und erwischte einen ganz schlechten Tag.
Quelle: Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde (Chronologie der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft 1911/12), Abs. 1526