Spielerprofil
Vinzenz Dittrich
Vereine & Saisonen
Aufstellungen
| Datum | Heim | Gast | Position |
|---|---|---|---|
| 1920-09-05 | Hertha | Rapid | right_back |
| 1920-09-12 | Wacker | Rapid | right_back |
| 1920-09-19 | Rudolfshügel | Rapid | right_back |
| 1920-10-03 | Simmering | Rapid | right_back |
| 1920-10-10 | Rapid | Sportclub | right_back |
| 1920-10-24 | Rapid | Amateure | right_back |
| 1920-11-14 | Hakoah | Rapid | right_back |
| 1920-11-21 | Rapid | WAF | right_back |
| 1920-11-28 | Rapid | FAC | left_back |
| 1921-01-02 | WAC | Rapid | right_back |
| 1921-02-20 | Rapid | Hakoah | right_back |
| 1921-03-06 | Admira | Rapid | right_back |
| 1921-03-13 | FAC | Rapid | right_back |
| 1921-03-20 | WAF | Rapid | right_back |
| 1921-04-03 | Rapid | Rudolfshügel | right_back |
| 1921-04-10 | Rapid | WAC | right_back |
| 1921-05-14 | Rapid | Simmering | right_back |
| 1921-05-22 | Sportclub | Rapid | right_back |
| 1921-05-29 | Rapid | Vienna | right_back |
| 1921-06-15 | Rapid | Wacker | right_back |
| 1921-06-26 | Rapid | Hertha | right_back |
| 1921-06-29 | Amateure | Rapid | right_back |
Zur Person
Vinzenz Dittrich war beim Start der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft gerade einmal 18 Jahre alt, aber noch nicht bei Rapid. Während andere schon von Ruhm und Meisterschaften träumten, turnte der junge Mann noch beim unterklassigen SC Blue Star Wien herum und wartete gewissermaßen darauf, dass jemand in Hütteldorf bemerkte, dass man auch Verteidiger beschäftigen kann, die Gegner nicht nur aufhalten, sondern ihnen das Leben grundsätzlich unerquicklich gestalten.
Im Frühjahr 1913 wurde er schließlich zu Rapid geholt. Sein Debüt gab er am 30. März 1913 beim gemütlichen 5:0 gegen den FAC. Meistens bildete er gemeinsam mit Fritz Brandstetter die Abwehr. Wobei „Abwehr“ damals ein dehnbarer Begriff war. Dittrich galt nämlich als Spieler, bei dem die Grenze zwischen energischem Zweikampf und handfestem Verbrechen manchmal nur mit einem Mikroskop zu erkennen war. Seine unorthodoxe Spielweise sorgte regelmäßig für empörte Zeitungsartikel. Die Fußballästheten jener Tage, die sich den Sport vermutlich als Mischung aus Ballett und höfischer Etikette vorgestellt hatten, rümpften entsetzt die Nase. Dittrich selbst dürfte sich davon ungefähr so beeindruckt gezeigt haben wie ein Fiakerpferd von einer Opernkritik. Er wurde für Rapid immer wichtiger und schaffte es schließlich sogar in die Nationalmannschaft.
Besonders hübsch wurde es in der Saison 1913/14. Da sperrte ihn der Verband für mehrere Spiele, obwohl ihn kein Schiedsrichter vom Platz gestellt hatte. Das muss man auch erst einmal schaffen. Die Herren Funktionäre hatten offenbar beschlossen, dass Dittrichs Zweikämpfe zwar regelkonform waren, ihnen aber trotzdem die Verdauung verdarben. Also versuchte man ihn auf administrativem Wege zu erziehen. Eine Art pädagogische Maßnahme für Erwachsene mit Stollenschuhen.
An die spielerische Eleganz eines Alexander Poppovich kam Dittrich zwar nie heran, doch während des Ersten Weltkriegs gehörte er trotzdem zu den besten Verteidigern Österreichs. Und wenn jemand behauptete, der Mann sei hart im Nehmen, dann war das keine leere Floskel. Dittrich kämpfte als Soldat in den vordersten Linien, wurde schwer verwundet und machte danach einfach weiter Fußball, als wäre ein derartiger Zwischenfall lediglich ein lästiger Kratzer gewesen. Menschen aus Granit waren damals offenbar noch keine Seltenheit.
Seine aktive Karriere beendete er erst 1930 im Alter von 37 Jahren. Für die damalige Zeit war das ungefähr so, als würde heute ein Spieler mit 53 Jahren noch in der Bundesliga auflaufen und dabei die jüngeren Kollegen mit väterlichen Ratschlägen und gelegentlichen Rippenstößen versorgen.
Mit dem Ende seiner Spielerkarriere war allerdings noch lange nicht Schluss. Dittrich wurde Trainer und tingelte durch Europa wie ein besonders fußballbegeisterter Handelsreisender. Er arbeitete in Litauen, kehrte zur Hakoah nach Wien zurück und landete schließlich sogar bei Olympique Marseille, was sich in einem Lebenslauf durchaus sehen lassen konnte. Als der Zweite Weltkrieg begann, zog es ihn nach Bratislava zum SK Bratislava, dem Vorläufer von Slovan Bratislava, wo er sogar Meister wurde. Nach Kriegsende trainierte er Wiener Neustadt und entschied Anfang der fünfziger Jahre, dass Europa inzwischen ausreichend gesehen hatte. Also zog es ihn in den Nahen Osten, wo er die Nationalmannschaften Syriens und des Libanon betreute.
Irgendwann kehrte der weitgereiste Fußballnomade wieder nach Wien zurück. Nach Stationen quer durch Europa und den Nahen Osten setzte sich der alte Haudegen schließlich zur Ruhe. Am 25. Januar 1965 starb Vinzenz Dittrich. Wahrscheinlich atmeten irgendwo noch Jahrzehnte später ein paar Stürmer erleichtert auf, dass sie ihm nicht mehr gegenüberstehen mussten.
Anekdoten & Zitate
Beim Saisonauftakt Rapid - Amateure (4:0) verschuldete Rapid-Verteidiger Vinzenz Dittrich beim Stand von 0:0 einen Elfmeter - er fiel immer wieder negativ auf, weil er das Bein bei Zweikämpfen sehr weit in der Höhe hatte, was zu diesem Elfmeter führte. Walter Alt setzte den Elfer aber an die Stange, und danach spielte und traf nur noch Rapid.
Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 181
Verteidiger Vinzenz Dittrich, auch 'Gigerl' genannt, traf in der 87. Minute des Spiels Vienna - Rapid (0:5) per Elfmeter zum 5:0.
Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 235
Im Spiel Rapid - Simmering (4:2) half wieder der Schiedsrichter etwas mit Elfmeter und Vinzenz Dittrich verwertete sicher zum 2:1-Führungstreffer für Rapid. Nach dem Spiel schrieb das Sportblatt: 'Die Parteinahme des Publikums artete zeitweilig geradezu in Terrorismus gegen Schiedsrichter Komar aus.' - der bei den Rapid-Fans so unbeliebte Franz Komar pfiff aufgrund des aggressiv gebärdenden Rapid-Anhangs lieber für Rapid als gegen Rapid.
Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 669-680
Dem Rapid-Verteidiger Vinzenz Dittrich wurde am Ende des Jahres 1913 eine eher unerfreuliche Aufmerksamkeit zuteil. Er wurde von einem Teil der Presse als einer der unsportlichsten Spieler der Liga angesehen - fast jeder Zweikampf wäre regelwidrig und würde im Bein stellen, Halten, Stoßen und Ähnlichem enden. Dittrich dürfte damals viele Freunde unter den Schiedsrichtern gehabt haben, denn die ließen ihn gewähren. Er war körperlich sehr stark und konnte schon mit einem 'leichten Rempler' seinen Gegenspieler zu Boden bringen. Ebenso war Dittrich in dieser Saison ein sicherer Elfmeterschütze - er schoss die Strafstöße mit so einer Sicherheit, dass selbst Topstar und bisheriger Elfmeterschütze Richard Kuthan kein Problem hatte, Dittrich die Elfmeter schießen zu lassen.
Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 1053-1059
Anfang 1914 griff der Verband gegen den als unsportlich bekannten Rapid-Verteidiger Vinzenz Dittrich hart durch: er wurde wegen Schiedsrichterbeleidigung und rohen gefährlichen Spiels bis zum 1. Mai 1914 gesperrt. Diese schwere Strafe verwunderte selbst das Sportblatt, obwohl es selbst einige Wochen zuvor noch einen kritischen Artikel über Dittrichs Spielweise verfasst hatte. Bemerkenswert war, dass Dittrich nie ein einziges Mal des Feldes verwiesen wurde - da es damals keinen Videobeweis gab, der eine nachträgliche Bestrafung rechtfertigte, verwunderte dieses harte Urteil ganz Fußball-Österreich. Ende Februar 1914 erwirkte Rapid eine Verkürzung der Sperre, da die betroffenen Schiedsrichter die vom Verband behaupteten strafrechtlich relevanten Aussagen nicht bestätigten - der Straf- und Meldeausschuss hatte auf eigene Faust agiert und die angeblichen Beleidigungen Dittrichs selbst erfunden. Dies nährte den Verdacht einer Verschwörung gegen Rapid ('Rapid-Affäre'): nachdem Rapid bereits zwei Meistertitel gewonnen hatte und schon wieder ungeschlagen auf Platz 1 stand, sollte endlich eine andere Mannschaft den Titel holen. Neben Dittrich wurden später auch noch die Stürmer Edi Bauer und August Blaha sowie Mittelfeldspieler Josef Hagler aus den gleichen fadenscheinigen Gründen teilweise das gesamte Frühjahr gesperrt.
Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 1160-1165, 1295-1303
Im Schlammspiel WAF - Rapid (1:1) leistete Vinzenz 'Gigerl' Dittrich ganz hervorragende Arbeit - das Sportblatt schwärmte fast euphorisch von seiner Stoßkraft, die trotz schlechten Bodens zur Geltung kam, und seiner besonderen Fähigkeit, immer den richtigen Augenblick zum Eingreifen zu finden, der immer wieder den Angriff der WAF-Leute zurückwarf.
Quelle: Fussball vor dem Weltkrieg – Österreichs letzte Meisterschaft im Frieden 1913/14, Abs. 2232
Im Städtewettkampf Wien gegen Berlin (5:1) wurde Vinzenz Dittrich beschrieben als 'vortrefflich im Abnehmen des Balles und schwer zu überspielen' - er beeindruckte mit seiner prächtigen Stoßkraft und absoluten Verlässlichkeit, an ihm war nicht leicht vorbeizukommen. Im Länderspiel gegen Ungarn (1:2) verfehlte er allerdings einen leichten Ball bei der Abwehr, was den Ungarn das entscheidende 2:1 in der 87. Minute ermöglichte: 'Es ist sehr ärgerlich, wenn durch den krassen Fehler eines einzelnen die Bemühungen der Gesamtheit wertlos werden', schrieb das Sportblatt. Im März 1915 erkrankte er an der Front. Im Sommer 1915 berichtete das Sportblatt: 'Dittrich, der bereits totgesagt worden war, ist jetzt zum Gefreiten befördert worden.' Im August 1915 wurde er zum Korporal befördert und mit der kleinen silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.
Quelle: Fussball im Ersten Weltkrieg: Österreichs erste Meisterschaft im Krieg 1914/15, Abs. 449, 481, 885-889, 1545, 2509, 2609
'Dittrich und Bauers Wiedererscheinen' – Comeback nach dem Urlaub, wegen lascher Spielweise und starkem Schwitzen verspottet (März 1923).
Quelle: Fußball Tagebuch 1922/23 (Buch12), Zeile ~3700