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Aus der Buchreihe Als Rapid zum ersten Mal Meister wurde
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Verein

First Vienna FC

First Vienna FC nahm an 10 Meisterschaften zwischen 1911 und 1926 teil (216 Meisterschaftsspiele dokumentiert).

Saisonen

Über den Verein

Die Vienna startete am 17. September 1911 mit einem überraschenden 2:1-Auswärtssieg beim WAC im Wiener Prater in die erste österreichische Fußballmeisterschaft. Der große Held des Tages war Johann Schwarz, der beide Tore erzielte.

Schwarz galt damals, wie man sich in den Kaffeehäusern zuflüsterte, als der bestbezahlte Spieler der Liga. Und die Döblinger konnten sich glücklich schätzen, denn der Mann war jeden Heller wert. Genauer gesagt war er sogar ungefähr drei Viertel der gesamten Torgefahr der Vienna in Menschengestalt. Wenn die Döblinger trafen, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass Johann Schwarz seine Füße im Spiel gehabt hatte. Am Saisonende wurde er Torschützenkönig der Liga und hätte vermutlich auch noch den Balljungen ersetzt, wenn es nötig gewesen wäre.

Als der WAF den Stürmer im Sommer 1912 abwarb, wurde den Vienna-Anhängern schmerzlich bewusst, dass es doch gewisse Nachteile hat, wenn ein einzelner Mann praktisch den gesamten Offensivplan darstellt. Ohne Schwarz ging es in der zweiten Saison deutlich bergab, und plötzlich fand man sich in Regionen der Tabelle wieder, in denen man lieber nicht allzu lange verweilen wollte.

Überhaupt war die Vienna in ihren frühen Jahren gewissermaßen der Pionier des gepflegten Chaos. Während andere Vereine sich auf die laufende Meisterschaft konzentrierten, dachte man in Döbling lieber schon an die Zukunft. Man testete in Meisterschaftsspielen munter neue Spieler, die noch gar keine Spielberechtigung besaßen. Dass diese Partien anschließend strafverifiziert wurden und sämtliche Punkte verloren gingen, war den Verantwortlichen durchaus bekannt. Aber man nahm das mit einer bemerkenswerten Gelassenheit zur Kenntnis. Andere Vereine verschenkten zu Weihnachten ein paar Kekse. Die Vienna verschenkte Meisterschaftspunkte.

Und zwar mit einer Großzügigkeit, die selbst den Weihnachtsmann neidisch gemacht hätte.

Genützt hatte die ganze Weitsicht allerdings wenig. Trotz der großzügig hergeschenkten Punkte war die folgende Saison sogar noch schlechter. Es war ungefähr so, als würde man sein ganzes Erspartes im Casino verspielen, um dann festzustellen, dass man beim Pferderennen noch schneller Geld verlieren kann.

Auch abseits des Rasens bewiesen die Döblinger eine bemerkenswerte Kreativität. Als einige ihrer durchaus speziellen Sonderwünsche vom Verband nicht erfüllt wurden, zog man beleidigt die Konsequenzen und trat kurzerhand aus. Anschließend gründete die Vienna einfach ihren eigenen Fußballverband samt eigener Liga. Das Problem war nur, dass der Rest der Fußballwelt auf die „Vienna-Liga“ ungefähr so begeistert reagierte wie auf einen Vortrag über Steuerrecht an einem Samstagabend.

Die meisten Vereine winkten höflich ab, und so bestand die neue Liga im Wesentlichen aus der Vienna und vermutlich einigen Menschen, die sich gerade zufällig in der Nähe aufhielten. Das Projekt war daher zum Scheitern verurteilt, und einige Jahre später kehrte man mit etwas kleineren Brötchen und deutlich weniger revolutionärem Elan wieder in den offiziellen Verband zurück.

Gespielt wurde damals übrigens auf der „alten Hohen Warte“ in der Barawitzkagasse, etwas südlich der heutigen Hohen Warte. Schon damals umwehte den Verein jene Mischung aus Tradition, Eleganz und liebenswertem Wahnsinn, die die Vienna bis heute zu einem ganz besonderen Kapitel der österreichischen Fußballgeschichte macht.

Anekdoten

Max Leuthe, bekannt unter dem Spitznamen "Maxler", wurde mit einem sehr ausführlichen Porträt vorgestellt: Er war für zahlreiche Skurrilitäten bekannt, darunter ein besonderer Trick, mit dem er Gegenspieler verblüffte und der ihm den Spitznamen "Maxler-Trick" einbrachte.

Max Leuthe ·Saison 1917/18 ·skurril

Quelle: Österreich Ungarn Fussball 1917/18 - Die letzte Meisterfeier der Habsburger Monarchie, Zeile 143-167

Im Tor der Vienna stehend, traf der Bruder des "berühmten Internationalen" (Karl Pekarna) während der Deutschlandtournee in Aachen bei der Abwehr eines Eckballs mit hohem Sprung den Ball an. Im selben Moment rannte ihn ein ungestümer Stürmer des Ohliger Vereins an - er fiel kopfüber und unglücklich, sodass er sich einen Bruch der Wirbelsäule zuzog. Zunächst sah der Sturz nicht gefährlich aus, man vermutete einen Schock oder eine Verstauchung. Erst im Lazarett wurde die schwere Verletzung festgestellt, und nach 48-stündigem, äußerst schmerzvollem Krankenlager verschied er. Er war 24 Jahre alt und spielte seit 1913 für die Vienna.

Ludwig Pekarna ·Saison 1920/21 ·tragisch

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 125

Nach seinem Tod setzte die Vienna ihre Tournee trotz des erschütternden Unglücksfalls fort, spielte ein 3:3 gegen Bewegungsspieler in Aachen und 2:1 gegen Kerkradschen Voetball-Club Oranje in Holland. Die Heimreise erfolgte in gedrückter Stimmung; Ferdinand Fridthum zog sich zudem einen Schlüsselbeinbruch zu, während er seinen Torwächterposten innehatte.

Ludwig Pekarna ·Saison 1920/21 ·tragisch

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 146

Zu seinen Gunsten fand am neuen Simmeringer Sportplatz ein Benefizspiel statt: eine Auswahl der ersten Liga siegte gegen eine Auswahl der zweiten Liga mit 7:0, Ferdinand Swatosch traf viermal. Die Bruttoeinnahmen betrugen 150.000 Kronen.

Ludwig Pekarna ·Saison 1920/21 ·tragisch

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 1888