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Aus der Buchreihe Rapid Wien, WAC, FAC oder WAF: Der spannende Krimi um den Meistertitel 1915/16
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Verein

SC Rudolfshügel

SC Rudolfshügel nahm an 14 Meisterschaften zwischen 1911 und 1926 teil (275 Meisterschaftsspiele dokumentiert).

Saisonen

Über den Verein

Der SC Rudolfshügel existierte beim Start der ersten österreichischen Fußballmeisterschaft bereits seit neun Jahren und war im Westen Favoritens beheimatet. Die Rudolfshügler liefen gerne ganz in Weiß auf, was ihnen ein gewisses elegantes Aussehen verlieh. Denn wenn man schon nicht Meister war, wollte man wenigstens aussehen wie einer.

Zu den Spitzenvereinen gehörte der Klub in den Anfangsjahren allerdings noch nicht. In der allerersten Saison belegte man – nach dem vorzeitigen Verschwinden der Cricketer und der Viktoria – den letzten Platz und musste in die Relegation. Es war gewissermaßen die sportliche Auszeichnung für besondere Bescheidenheit.

Doch während andere Vereine mit Kraft, Kampf und gelegentlich auch mit dem Charme einer Dampfwalze arbeiteten, hatten die Herren vom Rudolfshügel andere Vorstellungen. Sie waren ihrer Zeit voraus. Sehr weit voraus. So weit voraus, dass sie manchmal vergaßen, dass Fußballspiele nicht durch besonders hübsche Dreiecke im Mittelfeld entschieden werden.

Rudolfshügel gehörte zu den ersten Mannschaften, die das schnelle Kurzpassspiel kultivierten, jenes später berühmt gewordene „Wiener Scheiberlspiel“. Technik, Kombinationen und spielerische Eleganz waren den Favoritnern heilig. Der Ball wurde behandelt wie ein wertvolles Porzellanservice. Einfach einmal draufhauen? Um Gottes willen! Wo kämen wir denn da hin?

Die Defensive war hervorragend. Das Mittelfeld war oft geradezu brillant. Man kombinierte sich durch die gegnerischen Reihen wie Wiener Kaffeehausphilosophen durch ein Gespräch über den Sinn des Lebens. Nur eines fehlte regelmäßig: das Tor.

Der Angriff war nämlich ungefähr so gefährlich wie ein vegetarischer Löwe.

Statt einfach abzuschließen, versuchten die Rudolfshügler den Ball mit einer bewundernswerten Sturheit direkt bis ins Netz hineinzutragen. Wahrscheinlich hätte man noch zwei weitere Kurzpässe gespielt, wenn der Torhüter des Gegners bereits im Kaffeehaus gesessen wäre. Man kombinierte bis zur Strafraumgrenze, dann noch ein bisserl weiter, dann noch einmal quer, noch einmal zurück und wenn sich endlich eine Schussmöglichkeit ergab, wurde sicherheitshalber noch ein Haken geschlagen, damit auch wirklich jeder Mitspieler einmal den Ball berührt hatte.

Man hatte manchmal den Eindruck, die Mannschaft würde einen Torabschluss als geschmacklose Form der Gewalt betrachten.

Es dürfte auch im Training ähnlich zugegangen sein. Während andere Vereine Schießen übten, studierten die Rudolfshügler vermutlich den perfekten Außenristpass über sieben Meter oder diskutierten darüber, ob ein Doppelpass nicht noch ästhetischer ausgeführt werden könnte. Tore waren etwas für Proleten. Schönheit war wichtiger.

Die Folge war vorhersehbar. Der Gegner brauchte oft nur zweimal aufs Tor zu schießen, während Rudolfshügel in derselben Zeit fünfundachtzig elegante Kombinationen aufführte und sich dafür innerlich gegenseitig auf die Schulter klopfte.

Erst als die Verantwortlichen irgendwann die revolutionäre Erkenntnis gewannen, dass man Fußballspiele überraschenderweise durch Tore gewinnt und nicht durch besonders kunstvolle Ballstafetten, wurde die Angriffsreihe verstärkt. Und siehe da: Plötzlich stieg Rudolfshügel zu einer Spitzenmannschaft auf und durfte in manchen Jahren sogar ernsthaft vom Meistertitel träumen.

Es stellte sich also heraus, dass zwischen Genie und Mittelmaß manchmal nur eine Kleinigkeit liegt: die verrückte Idee, gelegentlich einfach einmal aufs Tor zu schießen.

Anekdoten

Der Verteidiger war Teil des "Beresowka Team" - der Fußballmannschaft, die Ludwig Hussak und andere österreichische Kriegsgefangene im sibirischen Lager Beresowka gegründet hatten und die dort sogar Länderspiele Österreich-Ungarn gegen Deutschland austrug.

Leopold Kiesling ·Saison 1920/21 ·außergewöhnlich

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 57

Der "Sibirien-Heimkehrer" kehrte mit dem Heimkehrertransport zurück und debütierte beim 1:1 gegen den FAC bereits stark zurück in der Verteidigung: "In den sechs Jahren seiner Gefangenschaft scheint sein sicheres Schussvermögen, seine Placierungskunst und seine Schnelligkeit nicht gelitten zu haben."

Leopold Kiesling ·Saison 1920/21 ·außergewöhnlich

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 1035

Beim 1:2 gegen den WAF glänzte der Verteidiger - die WAF-Stürmer sahen so gut wie keinen Ball, wenn er in der Nähe war.

Leopold Kiesling ·Saison 1920/21 ·außergewöhnlich

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 1579

Der Torwart wurde im Sporttagblatt sehr gelobt: "Erwin Brazda zeigte in den letzten Spielen hervorragendes Können. Bemerkenswert ist seine große Beweglichkeit. Diese Eigenschaft ist für ihn mit Rücksicht auf seine Vordermänner Alfred Mayer und Friedrich Wagner eine Notwendigkeit, da die beiden Verteidiger ständig uninteressiert zusehen, wenn Brazda auch vom gesamten gegnerischen Sturm bedrängt wird."

Erwin Brazda ·Saison 1920/21 ·Zitat

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 211

Beim 1:1 gegen das FAC hielt der Torwart bis auf das Gegentor gut, doch sein vermeidbarer Fehler kostete der Mannschaft die volle Punkteausbeute.

Erwin Brazda ·Saison 1920/21 ·lustig

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 1122

Bei einem 1:1 gegen Hakoah wurde der Torwart als "stets aufmerksam" beschrieben und klärte mehrere brenzlige Eckball-Situationen, während sein Gegenüber Hans Weiss viele Schnitzer unterliefen.

Erwin Brazda ·Saison 1920/21 ·außergewöhnlich

Quelle: Buch10 (Fußball Tagebuch Saison 1920/21, Austria Wien: Der erste violette Titel), Zeile 2822