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Aus der Buchreihe Sportclubs erster Meistertitel und Sindelars erster Auftritt
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Verein

Wiener Amateur-Sportverein

Wiener Amateur-Sportverein nahm an 15 Meisterschaften zwischen 1911 und 1926 teil (297 Meisterschaftsspiele dokumentiert).

Saisonen

Über den Verein

Die Wiener Austria wurde nach einer Abspaltung der Wiener Cricketer am 29. Oktober 1910 als „Wiener Amateur Sportverein“ gegründet. Die Vereinsfarben waren damals bereits violett. Und während Rapid schon früh begann, den großen Burschen zu markieren, übten die Amateure zunächst lieber die Kunst des nervlichen Ausnahmezustands.

Zwar verfügte man mit Flügelstürmer Ludwig Hussak über einen der beliebtesten und zweifelsohne besten Fußballer seiner Zeit. Aber der Rest der Mannschaft war in etwa so berechenbar wie ein Kater nach drei Tagen Heurigenbesuch. Talent war vorhanden, Konstanz hingegen wurde nur vom Hörensagen gekannt. Schon nach wenigen Meisterschaftsspielen war klar: Diese Truppe konnte am Sonntag wie eine Mischung aus Barcelona und der österreichisch-ungarischen Nationalelf auftreten und eine Woche später wie elf Herren, die sich zufällig an der Straßenbahnhaltestelle kennengelernt hatten.

Ein glanzvoller Sieg gegen einen Spitzengegner? Selbstverständlich. Eine peinliche Niederlage gegen einen Verein, dessen linker Verteidiger eigentlich Briefträger war und dessen Mittelstürmer nebenbei Kanarienvögel züchtete? Aber natürlich! Wenn die Mannschaft Lust hatte, spielte sie Fußball zum Niederknien. Wenn sie keine Lust hatte, dann zeigte sie das mit einer Ehrlichkeit, die beinahe schon wieder bewundernswert war. Andere Vereine hatten Spielsysteme. Die Amateure hatten Stimmungsschwankungen.

Schon damals haftete ihnen der Ruf einer launischen Diva an. Vorhersagen vor ihren Spielen waren ungefähr so sinnvoll wie Wetterprognosen für den Mars. Als Außenseiter konnten sie jeden Gegner aus dem Stadion schießen. Als Favorit hingegen waren sie jederzeit imstande, gegen den Tabellenletzten mit Pauken, Trompeten und einem ganzen Blasorchester unterzugehen. Die Wettfreunde jener Zeit sollen ihre Tippscheine angeblich gleich direkt in den Ofen geworfen haben, um sich die Enttäuschung zu ersparen.

Dann kam der Erste Weltkrieg, und der traf den Verein besonders hart. Ganze Kampfmannschaften verschwanden beinahe vollständig. Kaum hatte man mit viel Mühe aus der eigenen Jugend wieder eine schlagkräftige Truppe aufgebaut und sich langsam in der Meisterschaft gefangen, wurden auch diese jungen Spieler eingezogen und an die Front geschickt. Für die Verantwortlichen muss es sich angefühlt haben, als würde jemand jedes Mal, wenn man endlich ein ordentliches Haus gebaut hatte, vorbeikommen und aus Spaß die Ziegel wieder einzeln abtragen.

So tragisch diese Jahre auch waren, ausgerechnet diese Not machte den Verein zu einem Meister der Nachwuchsarbeit. Man war gezwungen, ständig neue Talente hervorzubringen. Und als die frühen zwanziger Jahre anbrachen, zahlte sich das alles aus. Plötzlich gehörte jener Verein, der zuvor regelmäßig zwischen Genie und Wahnsinn gependelt war wie ein schlecht eingestelltes Pendelwerk, zur österreichischen und sogar europäischen Elite. Aus der launischen Diva war eine Dame von Welt geworden – wenn auch eine, die vermutlich bis heute hin und wieder das Bedürfnis verspürt, ihre Anhänger mit unerklärlichen Auftritten an den Rand des Wahnsinns zu treiben.

Anekdoten

Zu Wiener Amateur-Sportverein sind derzeit keine Anekdoten verzeichnet.